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Magere Aussichten für deutsche Top-Manager

Hohe Durchschnittseinkommen mit wenig Potenzial nach oben – das zeichnet die Jahresgehälter der deutschen Top-Manager aus. Auch im kommenden Jahr sind für deutsche Manager nur kleine Gehaltssprünge in Sicht, so die Ergebnisse einer aktuellen Kienbaum-Studie “Vergütung von Führungskräften in Europa”.

Im Vergleich zu ihren europäischen Kollegen halten deutsche Top-Manager am Ende des Monats eine passable Lohntüte in den Händen: Einzig die österreichischen Geschäftsführer verfügen in Europa über ein höheres Durchschnittseinkommen. So verdient ein Geschäftsführer eines Unternehmens mit 500 bis 1.000 Mitarbeitern durchschnittlich 285.000 Euro im Jahr. Die französischen und niederländischen Kollegen, deren Gehälter im unteren Drittel des europäischen Durchschnitts liegen, haben hingegen nur 185.340 Euro (Niederlande) beziehungsweise 118.415 Euro (Frankreich) auf dem Konto.

Hinsichtlich der jährlichen Steigerungsraten ihrer Gehälter, müssen die deutschen Manager im Vergleich zu ihren europäischen Kollegen jedoch deutlich zurückstecken: Während in Italien die Gehälter im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent, in Belgien um 3,6 Prozent und in Österreich um 3,3 Prozent angestiegen sind, konnten sich die deutschen Führungskräfte nur über 2,9 Prozent mehr Gehalt freuen.

Kienbaum hat in Zusammenarbeit mit dem European Compensation Network (ECN) in der Studie “Vergütung von Führungskräften in Europa” (“Renumeration in Europe 2005”) insgesamt 2.514 Unternehmen aus zehn europäischen Ländern nach ihren Vergütungsstrukturen im Management befragt. In Deutschland haben sich 5.885 Entscheider aus 470 Unternehmen an der Untersuchung beteiligt.

Unternehmensgröße entscheidend

Entscheidend für die Höhe des Verdienstes ist vor allen Dingen die Unternehmensgröße: Je größer das Unternehmen, desto höher die Managementvergütung, lautet die Formel. Kienbaum begründet diese Gehaltsunterschiede mit dem komplexeren Aufgabenfeld und dem damit verbundenen höheren Verantwortungsgrad von Managementpositionen in Konzernen und Großunternehmen. In kleinen und mittleren Unternehmen umfasst die Managementfunktion dafür wesentlich mehr direkte Verantwortung und verlangt ein deutlich höheres Maß an Flexibilität als in einem Großunternehmen.

Zusätzlich sind Berufserfahrung gepaart mit einer soliden Universitätsausbildung wesentliche Einflussfaktoren auf die Höhe des Jahresgehalts. “Aber auch Parameter wie Hierarchie, Unternehmensstandort und die Branche spielen eine bedeutende Rolle, wenngleich mit unterschiedlicher Gewichtung”, fügt Christian Näser, Mitglied der Kienbaum-Geschäftsleitung, hinzu. Überdurchschnittlich hohe Managementgehälter werden in der Pharmaindustrie, im Bereich Biotechnologie sowie im Finanzsektor gezahlt. Dort liegen die Gehälter bis zu 15 Prozent über dem Durchschnitt.

Variable Vergütung im Trend

Die größten Gehaltssprünge können Manager in jungen Jahren erzielen. Ab 45 Jahren aufwärts sind die Gehaltssteigerungen von Managern deutlich geringer. Ein Grund ist, dass die Aufstiegsmöglichkeiten nach dem 45. Lebensjahr deutlich abnehmen.

Üblicherweise beziehen deutsche Manager – wie auch die meisten Unternehmensangestellten – 13 Monatsgehälter sowie wie variable Zusatzleistungen wie die Beteiligung am Unternehmensgewinn. “Leistungs- und erfolgsorientierte Vergütungskomponenten sind für die Unternehmen wesentliche Instrumente, um ihre strategischen Ziele durchzusetzen”, meint Näser. In Deutschland sind 84 Prozent der Managergehälter an variable Vergütungselemente gekoppelt. In Spanien sind es dagegen nur 71 Prozent.

Anreizfaktor Dienstwagen

Aber nicht nur die rein monetäre Vergütung, sondern auch Zusatzleistungen wie die Betriebliche Altersvorsorge oder der Dienstwagen sind mittlerweile elementare Aspekte deutscher Managementgehälter. Gerade der Dienstwagen wird auf Grund der steuerlichen Vorteile, die für das Unternehmen daraus erwachsen, nahezu allen Top-Managern (98 Prozent der Befragten) zur Verfügung gestellt. Unter den Führungskräften im Außendienst (2. Hierarchieebene) besitzen 91 Prozent einen Dienstwagen. Auch in Frankreich genießt der Dienstwagen unter Spitzenmanagern eine ähnliche Popularität: 95 Prozent der Geschäftsführer und 85 Prozent der Führungskräfte im Außendienst bekamen im vergangenen Jahr einen Firmenwagen zur Verfügung gestellt.

Trübe Aussichten

Während die irischen Manager sich 2005 auf rund 7 Prozent mehr Lohn einstellen können und ihre spanischen sowie die französischen Kollegen mit je 3,7 Prozent mehr Gehalt rechnen dürfen, stehen den Deutschen nur 3 Prozent Steigerung in Aussicht. Schuld ist – wie schon so oft – die schwache heimische Binnenkonjunktur mit ihren geringen Wachstumsraten und der niedrigen Inflationsrate. Zusätzlich übt die pessimistische Stimmung der deutschen Öffentlichkeit wesentlichen Einfluss auf die trüben Wachstumsaussichten der Managementgehälter aus.

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