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Sieben Dinge, die Sie noch nicht über John Cryans’ Deutsche Bank-Strategie wussten

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Der neue Co-Chef der Deutschen Bank John Cryan lässt kaum einen Stein auf dem anderen. Der sehr britische Chef der sehr Deutschen Bank hat bereits für Wellen gesorgt, indem er Banker für überbezahlt und Boni zu einer Zusatzleistung erklärte. Darüber hinaus hat er zumindest die Eckpunkte der Strategie für die kommenden fünf Jahre verkündet, die 9000 Stellen kosten soll.  Doch jetzt hat Cryan seine Vision für Deutschlands größtes Bankhaus bei einer Veranstaltung von Goldman Sachs in New York konkretisiert:

1. Die Deutsche Bank will nicht mit einheimischen Wettbewerben in kleinen Märkten konkurrieren

Wer im regionalen Brokeragegeschäft der Deutschen Bank beschäftigt ist und mit regionalen Anbietern um lokale Kunden konkurriert, dessen Tage dürften beim deutschen Branchenprimus gezählt sein. Laut Cryan werde die Bank einen „langen und strengen Blick” auf die Konkurrenzsituation zu anderen Banken in deren Heimatmärkten werfen.

Ein Beispiel lieferte Cryan gleich mit: „In Russland als lokaler Broker für lokale Kunden bei lokalen Aktien aufzutreten, hat sich für uns nicht bewährt.”

2. Die Deutsche Bank will sich keinesfalls aus den USA zurückziehen

Über die prekäre Situation des Konzerns in den Vereinigten Staaten wurde bereits viel Tinte vergossen. So verursachte das US-Geschäft wiederholt hohe Bußgelder und Betriebskosten, da es quasi wie eine unabhängige Einheit geführt wird.

Dennoch bestreitet Cryan hartnäckig jeden Vorschlag, sich von der Wall Street zurückzuziehen, wo sich nach London und Frankfurt der drittgrößte Konzernstandort befindet. „Ohne die USA könnten wir nicht bleiben, was wir sind: Ein wichtiger Teilnehmer des Kapitalmarktgeschäfts und eine der führenden Banken auf dem europäischen Kontinent”, sagte Cryan. Falls sich die Deutsche Bank aus New York zurückziehe, könne sie auch in Frankfurt oder London kaum glaubwürdig auftreten. „Wenn Sie nicht am größten Gebührenpool der Welt partizipieren, wie können Sie dann erfolgreich sein?”, fragt Cryan.

3. Den US-Angestellten drohen Gehaltseinbußen

Trotz dieser Beteuerung kommen die US-Beschäftigten nicht ungeschoren davon. Laut Cryan würden die Geschäftskosten in den USA weiter steigen und der dortige Unternehmensteil müsse auf sich selbst gestellt zurechtkommen und dürfe keine Quersubventionen erwarten.

Innerhalb der neuen Struktur müsse sich das US-Management ständig fragen: „Wie führen wir das Geschäft, dass es aus sich heraus profitabel ist”, meint Cryan. Hierauf gelte es sich zu konzentrieren.

4. Mit dem Outsourcing an Billigstandorte ist die Bank vorerst durch

Der Konzern will zunächst nicht länger IT- und Kontrollfunktionen nach Indien oder anderen Billigstandorten auslagern. Dennoch müsse die Bank ihre Verwaltungs- und Kontrollkosten in ihrem Investment Banking einer strengeren Kontrolle unterziehen. „In der Vergangenheit bestand unsere Lösung, die Vorgänge an einen günstigeren Standort zu verlagern”, sagte Cryan. „Damit werde die Arbitrage der Arbeitskoten ausgenutzt, aber das Prozessrisiko erhöht.”

5. Die Macht des Front Office wird beschnitten

Besonders interessant ist Cryans’ Kritik an der übertriebenen Macht des Front Offices in der Deutschen Bank. „In der Vergangenheit gab es eine wahre Dominanz des Front Office”, sagte Cryan. Das Front Office habe sich nur auf die Generierung von Neugeschäft gekümmert, ohne die Auswirkungen auf die Infrastruktur und die Kosten zu berücksichtigen. Sales-Mitarbeiter, Trader und allgemein die sogenannten Regenmacher müssten sich an eine ganzheitlichere Sicht gewöhnen.

6. Das Geschäft wird modularer

Nach Cryans’ Vision besteht die Deutsche Bank der Zukunft aus einer Ansammlung überschaubarer Prozesseinheiten, die so weit wie möglich automatisiert werden. „Wir müssen unsere Produkte modularisieren, die Komponenten standardisieren und diejenigen Prozesse automatisieren, die zur Verwaltung und Kontrolle erforderlich sind”, sagte Cryan. „Dabei handelt es sich um den Standard der Prozessgestaltung.” Dies dürfte auf einen Stellenabbau hinauslaufen. ” Leider bedeutet dies, Leute aus der Gleichung herauszunehmen und sie durch Computer zu ersetzen. Dies stellt den einzigen Weg zur Kostenkontrolle unseres Geschäftes dar”, bekräftigte Cryan.

7. Nicht alles muss simpel und risikoarm sein

Auch wenn Cryan seinen Augenmerk auf schlankerer Prozesse und Kosteneinsparungen legt, scheut er sich nicht vor Risiko. Ganz im Gegenteil: Cryan will aucht weiterhin margenstarkes Geschäft betreiben, was ohne das Eingehen gewisser Risiken kaum möglich sein dürfte. Allerdings dürften die Geschäfte nicht allzu kapitalintensiv ausfallen. „Wir verfügen über die Fähigkeit, komplexe Trades als Wettbewerbsvorteil einzusetzen”, sagte er weiter. „An diesem Geschäft ist nichts verwerflich, wenn Sie in der Lage sind, sie wirksam zu kontrollieren. Wir scheuen keine Komplexität,  sondern stellen uns der Herausforderung.”

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