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Bank für Bank: Die Bonus-Aussichten für 2015

Die Sektdusche wird wohl ausfallen.

Die Sektdusche wird wohl ausfallen.

Das Jahresende naht und mithin gewinnt das Bonusthema an Brisanz. Falls man dem aktuellen Flurfunk glauben schenkt, dann werden die Boni bei den US-Banken gut ausfallen – ganz anders bei ihren europäischen Konkurrenten. Namentlich im Investment Banking der Deutschen Bank und der Credit Suisse drohen Einschnitte, während es bei der UBS etwas positiver ausschaut. Konkret:

Laut Londoner Headhuntern könne der angebliche Abbau von einem Viertel der Stellen im Anleihehandel von Morgan Stanley ein Hinweis auf schlechtere Zeiten sein. „Bislang handelt es sich noch um Spekulation“, sagt ein Fixed Income-Headhunter. „Selbst wenn die Bonuspools schon zur Verfügung gestellt wurden, können sie immer noch zusammengestrichen werden. Credit Suisse, Deutsche Bank und Morgan Stanley entlassen Leute und das drückt auf die Bezahlung. Für die Banken wäre es unverantwortlich, die Boni nicht entsprechend zu kürzen.“

„Die meisten Leute gehen davon aus, dass die Bonuspools um 10 bis 20 Prozent sinken werden“, erzählt ein anderer Headhunter. „Selbst wenn Sie gute Leistungen erbracht haben, dürften die Boni bestenfalls auf Vorjahresniveau liegen.“

Barclays

Was man sich so erzählt:

Der neue Chef Jes Staley hat bislang nichts zu den variablen Vergütungen verlauten lassen. Dagegen hat der Barclays-Aufsichtsratsvorsitzende John McFarlane im Oktober gesagt, dass er Boni für ein schlechtes Instrument für die Bankervergütung halte und dass die Bezahlung in der Branche immer noch zu hoch ausfalle. Die Boni im Kapitalmarktgeschäft sollten über „drei bis fünf Jahre“ gestreckt werden, um zu sehen, welche Werte tatsächlich generiert wurden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch Barclays die Zeiträume für aufgeschobene Vergütungen ausweitet. Allerdings hat McFarlane ebenfalls betont, dass Barclays die Auszahlungszeiträume nicht im Alleingang verlängern und die Bezahlung unter das Marktniveau drücken könne.

Die Tatsachen:

Barclays macht in ihren Quartalsberichten keine gesonderten Angaben zur Bezahlung ihrer Investmentbanker. Im vergangenen Jahr hat die britische Großbank noch 3,6 Mrd. Pfund (inklusive der aufgeschobenen Vergütungsbestandteile) für ihre Investmentbanker springen lassen. Bei Erträgen in Höhe von 7,6 Mrd. Pfund beläuft sich der Anteil der Personalkosten an den Erträgen auf 48 Prozent.

Unterdessen haben die Investmentbanking-Erträge in den ersten neun Monaten 2015 um 3 Prozent zugelegt, was Raum für höhere Boni gibt. Allerdings haben dabei einige Geschäftsbereiche besser abgeschnitten und andere schlechter. So lief das Geschäft in Lending und Macro Trading besser als im Vorjahr, während es im Credit Trading bergab ging.

Wie die Bonusauszahlung bislang ausfiel:

Im vergangenen Jahr wurden bei Barclays Boni jenseits von 65.000 Pfund über drei Jahre verzögert ausbezahlt, wobei der Anteil sukzessive zulegte. Ab 250.000 Pfund wurden sogar sämtliche Boni über drei Jahre gestreckt.

Bank of America

Was man sich so erzählt:

Auch Bank of America-Chef Brian Moynihan hat sich Aussagen zu den bevorstehenden Boni bislang verkniffen.

Die Tatsachen:

In den ersten neun Monaten haben die Erträge im Investment Banking im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5 Prozent nachgegeben. In Sales und Trading fielen sie um 3 Prozent, während es allein im Fixed Income-Geschäft um 9 Prozent abwärts ging.

Falls der Anteil der Vergütungen an den Erträgen stabil bleiben sollte, dann müsste der Bonuspool um voraussichtlich 3 bis 5 Prozent verringert werden. Schon im vergangenen Jahr hatte die Bank of America die Boni ihrer Rates-Trader um 15 bis 20 Prozent gekürzt.

Wie die Bonusauszahlung bislang ausfiel:

Hohe Boni werden bei der Bank of America über drei Jahre verzögert ausbezahlt. In der Vergangenheit wurden die Barboni bei 150.000 Dollar gekappt; es ist allerdings unklar, ob dies auch im vergangenen Jahr der Fall gewesen ist. Das Institut hat überdies die Gehälter ihrer Managing Directors 2014 in Europa auf 500.000 Dollar angehoben, um so die EU-Bonusdeckelung zu umgehen.

Citi

Was man sich so erzählt:

Laut Bloomberg soll bei Citi in Sachen Bonus alles beim Alten bleiben. Allerdings hat die US-Bank auch im vergangenen Jahr zunächst beruhigt, um dann nach einem schwierigem Dezember die Boni ihrer Anleihen- und Aktienhändler zu beschneiden.

Die Tatsachen:

In ihrem Firmenkundengeschäft zahlt Citi normalerweise 27 bis 29 Prozent ihrer Erträge in Form von Vergütungen an ihre Mitarbeiter. In den ersten neun Monaten haben die Erträge indes um 6 Prozent nachgegeben, wobei es in Equity Capital Markets um 30 Prozent abwärts ging, während das Advisory-Geschäft um 16 Prozent zuzulegen vermochte. Von daher dürfen sich ECM-Mitarbeiter mental schon einmal von einem Teil ihrer Boni verabschieden.

Wie die Bonusauszahlung bislang ausfiel:

Citi ist dafür bekannt, einen Großteil ihrer variablen Vergütungen in bar auszubezahlen. So kündigte die Bank im Januar 2014 an, mindestens die Hälfte ihres Bonuspools in Europa in bar zu zahlen. Bis 100.000 Dollar würden sämtliche Boni in bar überwiesen werden, bis 499.000 Dollar zu 75 Prozent und bis 3,9 Mio. Dollar zu immerhin noch 60 Prozent. Die restlichen Boni werden über vier Jahre gestreckt, was allerdings länger als bei den übrigen US-Banken ist.

Credit Suisse

Was man sich so erzählt:

Ohne die Quellen anzugeben, meldete die Sunday Times zuletzt, dass im Investment Banking der Credit Bonuskürzungen von bis zu 60 Prozent drohen.

Die Tatsachen:

Der neue Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam plant allein im Londoner Investment Banking 30 Prozent der Stellen einzusparen. Künftig wolle sich die Bank verstärkt aufs Wealth Management konzentrieren, dem die Investmentbanker zuarbeiten sollen. Der Personalaufwand pro Kopf fiel von 222.000 Franken im Vorjahr auf nur noch 208.000 Franken in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres.

Wie die Bonusauszahlung bislang ausfiel:

Die Auszahlungsbedingungen sind bei den Schweizern vergleichsweise großzügig gestaltet. Bis 250.000 Franken werden sämtliche Boni in bar ausbezahlt und der Rest wird über drei Jahre gestreckt.

Deutsche Bank

Was man sich so erzählt:

Der aktuelle Kehraus des neuen Co-Chefs John Cryan lässt nichts Gutes für die Boni bei der Deutschen Bank erwarten. Im Oktober spekulierte Bloomberg, dass die Deutsche Bank ihren Bonuspool für 2015 im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel zusammenstreichen könne. Kurz darauf betonte Cryan, dass die Vergütung immer noch zu üppig ausfalle und Boni ein schlechtes Instrument zu Motivation seien.

Die Tatsachen:

In den ersten neun Monaten sank der durchschnittliche Personalaufwand im Corporate & Investment Banking um 5 Prozent auf 110.000 Euro.

Wie die Bonusauszahlung bislang ausfiel:

Normalerweise zahlt die Deutsche Bank die Boni über drei Jahre gestreckt aus. 139 Führungskräfte erhalten ihre variablen Vergütungen jedoch erst nach dem Ablauf von viereinhalb Jahren. Bislang wurden mindestens 50 Prozent der Boni jenseits von 100.000 Euro verzögert ausbezahlt, wobei sich der Anteil graduell steigerte. Ab 1 Mio. Euro wurde sogar der gesamte Bonus gestreckt. Der maximale Barbonus in einem Jahr war auf 300.000 Euro gedeckelt.

Goldman Sachs

Was man sich so erzählt:

Goldman Sachs hat bislang nichts über seine Bonuspläne für 2015 verraten. Allerdings hieß es zuletzt, dass die Bank lieber die Boni als die Mitarbeiterzahl kürze. Nach einem schwierigen dritten Quartal steigen mithin die Chancen auf Einschnitte bei den variablen Vergütungen.

Die Tatsachen:

In den ersten drei Quartalen summierte sich der Personalaufwand pro Kopf bei der US-Investmentbank auf 288.000 Dollar, im Vorjahreszeitraum waren es noch 320.000 Dollar gewesen. Viel spricht also dafür, dass der Bonuspool um 10 Prozent sinkt.

Wie die Bonusauszahlung bislang ausfiel:

Wie die meisten anderen US-Banken werden hohe Boni bei Goldman Sachs über drei Jahre verzögert ausbezahlt. Allerdings müssen bestimmte Führungskräfte Aktien über fünf Jahre halten. Ein Großteil der Boni werden bei den Amerikanern traditionell in bar gezahlt.

JP Morgan

Was man sich erzählt:

Laut Bloomberg soll der Bonuspool von JP Morgan in diesem Jahr ungeschoren davonkommen.

Die Tatsachen:

Die US-Bank weist keine gesonderten Daten für ihre Investmentbanker aus. Da die Erträge in M&A in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27 Prozent kletterten, besteht durchaus Spiel nach oben. Im Handel mit Aktien legten die Umsätze um 19 Prozent zu, während es im Handel mit Anleihen um 12 Prozent und im ECM-Geschäft um 10 Prozent abwärts ging. Einige Londoner Recruiter erzählen, dass das Rates-Geschäft teilweise besonders schlecht abgeschnitten habe.

Wie die Bonusauszahlung bislang ausfiel:

Laut Personalberatern würden Boni bis 250.000 Dollar bei JP Morgan nahezu vollständig in bar ausbezahlt; der Rest werde über drei Jahre gestreckt.

Morgan Stanley

Was man sich erzählt:

Morgan Stanley-Chef James Gorman hat sich mit Äußerungen zur Größe des anstehenden Bonuspools bislang zurückgehalten. In der Vergangenheit hat Gorman jedoch kritisiert, dass Banker zu gut bezahlt würden und dass, wer mit seiner variablen Vergütung unzufrieden sei, gerne gehen dürfe.

Die Tatsachen;

Weiter plant Morgan Stanley angeblich einen Abbau von 25 Prozent ihrer Stellen in Fixed Income Sales and Trading. Die Performance der Bank spricht jedenfalls nicht für hohe Boni.

Wie die Bonusauszahlung bislang ausfiel:

Auch bei Morgan Stanley ist die verzögerte Auszahlung auf drei Jahre begrenzt. Allerdings hat sich die Bank vor einem Jahr dazu durchgerungen, einen größeren Teil ihrer Boni in bar zu überweisen. Der Anteil der im Durchschnitt verzögerten Boni verringerte sich von 80 auf 50 Prozent.

UBS

Was man sich erzählt:

Bei der UBS herrscht große Stille, wenn es um die anstehende Bonussaison geht.

Die Tatsachen:

Der Personalaufwand pro Kopf fiel im Investment Banking der UBS in den ersten neun Monaten erstaunlich gut aus. Dies liegt aber auch daran, dass der Schweizer Bankenriese sein Back Office-Personal separat aufführt. Wie dem auch sei: Fixed Income Sales and Trading hat es geschafft, in einem äußerst schwierigem Umfeld, ihre Erträge um 37 Prozent zu steigern; damit haben sich die Mitarbeiter einen höheren Bonus redlich verdient.

Wie die Bonusauszahlung bislang ausfiel:

Normalerweise werden Boni bei der UBS über drei Jahre gestreckt ausbezahlt. Bei sehr hohen variablen Vergütungen ist jedoch auch eine Auszahlung über fünf Jahre vorgesehen. Bis 300.000 Franken wurden bislang jedoch die Boni in bar beglichen.

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