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Sind die Eidgenossen Auslandsmuffel? Welche Rolle internationale Erfahrung für eine Karriere in der Schweiz spielt

Ausland

Die Londoner City befindet sich längst in ausländischer Hand. Die Beschäftigten an Europas Finanzplatz Nummer 1 stammen in ihrer Mehrheit nicht von der Insel. So gehören Französisch und Deutsch in sämtlichen Dialekten zum Alltag – nur Schwyzerdütsch genießt Seltenheitswert. Sind die Schweizer etwa Auslandsmuffel, weil einfach der Lebensstandard in Zürich und Genf unerreicht ist? Und welche Rolle spielt internationale Erfahrung für eine erfolgreiche Karriere in den Finanzdienstleistungen? Wir haben nachgefragt:

Für Manager führt kaum ein Weg an Internationalität vorbei

„Wer ins Management einer der Großbanken oder auch bei Zurich oder Swiss Re arbeiten möchte, für den ist internationale Erfahrung ein Muss“, sagt Headhunter Stephan Surber von Page Executive in Zürich. Die Unterschiede würden in den einzelnen Sektoren jedoch erheblich ausfallen. Während im Investment Banking ein Praktikum z.B. in New York oder London schon fast Pflicht sei, seien Asset und Wealth Management stärker auf die Schweiz fokussiert. „Aber auch dort gilt: Wer es zum Managing Director schaffen möchte, muss Internationalität mitbringen.“

„Für die Übernahme von Leitungsfunktionen ist Internationalität zwingend“, betont auch Headhunter Philipp Buis von Jauch Associates in Zürich. Wer also aus der Finanzabteilung eines multinational tätigen Unternehmens zum CFO aufsteigen möchte, müsse eine Auslandsstation vorweisen. Das gelte übrigens auch schon für mittelständische Unternehmen, von denen viele exportorientiert seien.

„Selbstverständlich ist es wichtig, dass unsere Mitarbeiter internationale Berufserfahrung und Sprachkenntnisse mitbringen”, heißt es von der Genfer Bank Pictet. „Seniors bringen in der Regel das Notwendige mit und jüngere Leute mit Potenzial werden aufgebaut, um dereinst erweiterte Aufgaben übernehmen zu können. Selbstverständlich gehören Auslandsaufenthalte dazu wie auch Führungsseminare und anderes.”

„Assignments“ werden immer seltener

Surber beobachtet indes, dass Entsendungen von Schweizer Beschäftigten ins Ausland immer seltener werden. „Bis 2008/9 war die Entsendung ins Ausland oftmals noch fester Bestandteil der Graduate Training Programmes“, erinnert sich Surber. „Das sehen wir heute immer seltener.“ Einmal sei die Entsendung von Schweizer Mitarbeitern nach z.B. New York oder Asien einfach zu teuer. Andererseits sei in Asien die Aufbauarbeit, die Schweizer noch vor zehn Jahren im Wealth Management leisteten, erledigt. In den USA und Asien würden die Unternehmen nun verstärkt Kandidaten vor Ort anheuern.

Dagegen beobachtet Buis, dass Expat Packages durchaus noch vergeben werden, auch wenn dies seltener als in der Vergangenheit geschehe.

Welche Auslandsaufenthalte am meisten bringen

„Auslandsaufenthalte im angelsächsischen Raum sind besonders gern gesehen, aber auch Asien wird immer wichtiger“, berichtet Buis. Umgekehrt seien naheliegende Destinationen in derselben Kulturregion nicht ganz so spannend. „Das hängt aber ganz vom Unternehmen ab. Wenn es 50 Prozent seiner Umsätze in Asien tätigt, dann ist es besonders hilfreich, dort bereits eine Station im Lebenslauf verbracht zu haben.“

Laut Headhunter Thomas Bossard von Bianchi & Partner in Zürich komme es ganz darauf an, wofür der Auslandsaufenthalt genutzt werde. Da das Englische bei vielen Finanzinstituten die Geschäftssprache  darstelle, kommt dem Spracherwerb eine herausragende Rolle zu. „Sie können natürlich in England oder Amerika Englisch besser lernen als in der Schweiz, zudem ist das Erleben der  Kultur trivial“, betont Bossard weiter. Noch besser sei es, wenn man ins Ausland gegangen sei, um eine Praxistätigkeit mit relevantem Bezug zur beruflichen Laufbahn wahrzunehmen. So gehen viele Schweizer nach Asien, um beispielsweise Wealth Management-Knowhow zu transferieren. „Wenn man dort ein bis drei Jahre verbracht hat, dann kann das die Karriere sehr voranbringen“, sagt Bossard. Nur die wenigsten würden jedoch längere Zeit in Asien verbringen. Aus Karrieresicht seien die interessantesten Destinationen London, New York, Asien oder Mittlerer Osten.

Möglichst schon während des Studiums ins Ausland

Am leichtesten fällt der Gang ins Ausland während des Studiums. Auslandssemester und Auslandspraktika legen schon die Grundlage für spätere Internationalität. „Je früher man ins Ausland geht, umso besser“, meint auch Buis.

Wer es während Studium und Berufseinstieg nicht ins Ausland geschafft hat, sollte über einen MBA nachdenken. „Wir sehen häufiger, dass Senior Banker über einen MBA z.B. am INSEAD oder IMD die internationale Erfahrung abdecken“, erzählt Surber.

Schweizer sind keine Auslandsmuffel

Den Verdacht, dass Schweizer aufgrund der hohen Lebensstandards daheim Auslandsmuffel sind, weist Surber unterdessen zurück. „Nein, nein die Schweizer sind keine Auslandsmuffel. Sie sind persönlich für fremde Kulturen sehr aufgeschlossen. Gerade bei den Jüngeren gibt es großes Interesse ins Ausland zu gehen.“


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