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Die Magie des ersten Blicks: Worauf Recruiter bei einer Bewerbung als erstes achten

Recruiter brauchen für die Erstsichtung meist nur ein bis zwei Minuten.

Recruiter brauchen für die Erstsichtung meist nur ein bis zwei Minuten.

Viele Hiring Manager und Recruiter geben es nur hinter vorgehaltener Hand und nach mehrmaliger Nachfrage zu: Die Erstsichtung von Bewerbungen und Lebensläufen nimmt selten mehr, aber oftmals weniger als zwei Minuten in Anspruch. Entsprechend wichtig ist, dass der Lebenslauf schon auf den ersten Blick überzeugt. Doch worauf achten Personalexperten überhaupt? Wir haben nachgefragt:

1. Auf die Länge der E-Mail

Papier war gestern. Bewerbungen gehen heute fast ausnahmslos in elektronischer Form – sprich als E-Mail – ein. „In meiner langen Erfahrung habe ich festgestellt: Schlechte Bewerber schreiben oft ein ellenlanges Anschreiben bei Initiativbewerbungen in der E-Mail. Das klingt schnell verzweifelt. Die guten Bewerber hingegen begnügen sich mit einem Dreizeiler und treten selbstbewusst auf“, erzählt Headhunter Mike Boetticher von der match personalberatung in Frankfurt. Während viele Personalberater ein separates Anschreiben mit Nichtachtung strafen, legen Arbeitgeber nach Boettichers Erfahrung häufig noch Wert darauf, sofern diese sich auf eine Anzeige beworben haben.

Mithin verteidigt Recruiterin Mona Jellinghaus von Robert Walters in Düsseldorf die Aussagekraft von Anschreiben: „Das zeigt, dass sich der Bewerber mit der Stelle auseinandergesetzt hat und das Anschreiben entsprechend angepasst hat.“ Darüber hinaus sei ein separates Anschreiben der rechte Ort für den Titel der offenen Stelle, die Referenznummer, die Verfügbarkeit und ggf. die Gehaltsvorstellungen.

2. Auf das Alter

„Als erstes achte ich immer auf das Alter eines Kandidaten“, erzählt ein weiterer Personalvermittler, der aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes seinen Namen nicht nennen möchte. „Wir haben da auch genaue Vorgaben der Arbeitgeber.“ Wer da nicht passe, habe regelmäßig schlechte Chancen.

3. Auf das Foto

„Der erste Blick geht aufs Foto. Wirkt der Kandidat sympathisch und hinterlässt das Foto einen professionellen Eindruck?“, berichtet Headhunter Raphael Rosenfeld, Partner von Argos Advisors in München. Von daher empfiehlt der Personalberater das Foto von einem Berufsfotografen machen zu lassen. Der Spielraum in der eher konservativen Finanzbranche sei dabei gering: Einschlägige Berufskleidung und Hochformat seien geradezu Pflicht. „Das Sakko lässig über die Schulter geworfen, kommt nicht so gut an“, warnt Rosenfeld.

4. Was macht der Bewerber aktuell

Rosenfeld schätzt, dass immer noch ein Viertel der Bewerber ihren Lebenslauf chronologisch verfassen, also mit der ersten Station ihres Werdegangs anfangen. Für Leser sei ein antichronologischer Aufbau indes wesentlich sinnvoller. Arbeitgeber und Recruiter interessiere vor allem, was der Bewerber aktuell mache. Kandidaten sollten also mit der aktuellen Station anfangen und sich sukzessive in ihrem Werdegang zurückarbeiten.

Entscheidend sei, dass die Tätigkeiten in der letzten Position mit dem Anforderungsprofil der offenen Stelle übereinstimmen, betont auch Headhunter Patrick Riske von Fricke Finance & Legal in Frankfurt. „Wenn der Kandidat nur einmal in einem Praktikum mit dem Berufsfeld zu tun hatte, dann ist das schlecht“, kommentiert Riske.

5. Strukturierung und Design

„Die Strukturierung ist extrem wichtig“, betont wiederum Rosenfeld. Jede berufliche Station sollte in fünf bis acht Bullet Points beschrieben werden. „Nicht jeder weiß, was ein Senior Firmenkundenbetreuer genau macht.“ Daher seien nähere Informationen wichtig: Hat der Kandidat kleinere, mittlere oder große Unternehmen betreut? Um welche Branchen handelte es sich? Welches waren seine Verantwortlichkeiten? Und hat er seine Ziele übertroffen? Große Bedeutung komme auch der Stringenz des Lebenslaufes zu. „Handelt es sich um eine schlüssige Entwicklung des Werdegangs oder nicht?“, fragt sich Rosenfeld.

Laut Riske handelt es sich bei einem Lebenslauf um ein „Marketing Tool“, das einen möglichst übersichtlichen und strukturierten Eindruck hinterlassen müsse. „Darüber hinaus geht es darum, dem Lebenslauf eine persönliche Note zu verleihen“, sagt Riske. Von Lebenslauf-Templates, wie sie in den USA gängig sind, hält Riske daher wenig. „Das ist eher kontraproduktiv.“

6. Prägnanz

Die entscheidenden Kriterien eines Lebenslaufs dürfen nicht im Meer der Nebensächlichkeiten untergehen. Daher empfiehlt Boetticher konsequent auf Nebensächlichkeiten zu verzichten. „Ein prägnanter und aussagekräftiger Lebenslauf ist mir lieber“, betont Boetticher.

„Was überhaupt nicht geht, ist, wenn Lebensläufe in der Ichform geschrieben werden“, warnt Rosenfeld. Ein Lebenslauf müsse stichwortartig abgefasst sein und auf den Punkt kommen.

7. Wohnort

Auch der Wohnort kann bei der Erstsichtung eine Rolle spielen. Nach der Erfahrung von Jellinghaus sei die Umzugsbereitschaft von Angestellten im Finance-Bereich in der Gehaltsklasse von 50.000 bis 90.000 Euro begrenzt. „Wenn sich jemand aus Dresden auf eine Position in Düsseldorf bewirbt, muss im Erstkontakt die Wechselmotivation und Umzugsbereitschaft thematisiert werden“, sagt die Recruiterin. „Aus welchen Gründen ist der Kandidat bereit, eine sehr große Umstellung beispielsweise in Form eines Wohnortwechsels in Kauf zu nehmen? Liegt es an der interessanten Aufgabenbeschreibung der Stellenanzeige oder steht ein Umzug aus familiären Gründen bevor?“

8. Vollständigkeit

Viele Arbeitgeber legen Wert auf Vollständigkeit. Laut Jellinghaus gehören Lebenslauf und Zeugnisse in jeweils eine separate PDF. Dabei sollten die Arbeitszeugnisse, Studiendiplome und Zertifikate in einer PDF zusammengefasst werden, so dass der Leser nur hindurchscrollen muss. Auf diese Weise könne er sich einen Gesamteindruck über den Werdegang, die Fähigkeiten sowie die Bewertungen durch den Arbeitgeber verschaffen. Unvollständigkeit würde immer einen schlechten Eindruck hinterlassen, warnt Jellinghaus: „Wenn der erste Eindruck stimmt, dann schaue ich mir die Bewerbung genauer an.“

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