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Die Abwerbung von Teams schlägt mit voller Wucht zu

Die letzte Massenabwerbung im Bankensektor war die der Citibank, die Hoare Govett, dem Corporate-Broking-Bereich der ABN Amro Bank, die Bereichsleitung, vier Managing Directors und zwei Direktoren abspenstig machen konnte.

Erst letzten Monat hat die Bank of America fünf Angestellte von JP Morgan für ihre europäische Rentenhandelsplattform angeheuert. Während der letzten drei Monate hat die Deutsche Bank zwei Teams mit vier bzw. sieben Mitarbeitern von der Credit Suisse First Boston und von Morgan Stanley für ihr US-Geschäft weglocken können.

Headhunter glauben, dass solche Wechsel von ganzen Teams symptomatisch für den lebhaften Markt seien. Sobald eine Bank in ein neues Geschäftsfeld einträte oder ein bestehendes ausbauen würde, würde es sich für die Bank lohnen, ein funktionierendes Team anzuheuern.

Maria Wallace ist Beraterin bei Rose Partnership, die als Personalberatung die Massenabwerbung im Corporate Broking von Merrill Lynch zu Morgan Stanley betreut hat. “Die betreffende Bank verfügt auf einen Schlag über die nötige kritische Masse. Das Team kann sofort loslegen: Die Team-Mitglieder wissen, effektiv miteinander zu arbeiten, und eine Einarbeitungszeit ist ebenfalls nicht nötig”, erklärt Wallace. John Jessen, Managing Director beim Frankfurter Personalberater Smith & Jessen, glaubt, dass der Wechsel von ganzen Teams über den Blitzstart in ein bestimmtes Geschäftsfeld hinaus auch noch andere Vorteile berge: “Bei der Abwerbung eines ganzen Teams wird die eigene Wahrnehmung in der Öffentlichkeit deutlich erhöht. Damit ist ein hoher PR-Aufwand verbunden. Darüber hinaus wird auch noch die Konkurrenz destabilisiert”, sagt er.

Der Wechsel eines Teams kann zudem auch messbare Vorteile bringen. Nachdem Morgan Stanley im letzten Jahr fünf Corporate Broker von Merrill Lynch abgeworben hat, konnte die Investmentbank in diesem Feld etwa genauso viele FTSE-100-Unternehmen als Neukunden hinzugewinnen. Nomura konnte von der Abwerbung von 13 Aktienderivat-Experten von Merrill Lynch im vergangenen Juli profitieren.

Nach Angaben von Dealogic, einem Marktforschungsinstitut, belegt Nomura bei der Emission von Wandelanleihen in diesem Jahr hinter JP Morgan den zweiten Platz auf dem europäischen Markt. Noch im vergangenen Jahr war die japanische Bank überhaupt nicht gelistet. Im gleichen Zeitraum ist Merrill Lynch aus dem Ranking für europäische Wandelanleihen herausgefallen.

John Bennett leitet den Bereich Sales Trading bei der Evolution Group und ist mit seinem Team im vergangenen Jahr vom Broker TD Waterhouse zu Evolution gewechselt. Er sieht den Schritt als vollen Erfolg an: “Wenn man eine Weile zusammengearbeitet hat, vertraut man einander und alle arbeiten in dieselbe Richtung”, erklärt er.

Allerdings führen längst nicht alle Massenabwerbungen zum gewünschten Ergebnis. So hat z.B. die Credit Suisse First Boston im vergangenen Sommer für 100.000 Euro zehn Banker von Dresdner Kleinwort Wasserstein für die Bereiche Aktien, Beteiligungskapital und Kapitalmärkte abgeworben. Dealogic zufolge ist die CSFB seitdem im Bereich deutsche Aktienemissionen vom zehnten auf den siebten Platz vorgerückt. Auf dem nationalen League Table für Kapitalmärkte war die Bank jedoch nicht zu finden. Die CSFB hat das nicht kommentieren wollen.

Masseneinstellungen führen auch nicht immer zu Teambildung. “Wenn man ein ganzes Team einstellt, braucht man jeden – vom Dienstältesten bis zum Neuankömmling”, meint James Agnew, stellvertretender Abteilungsleiter des Corporate-Broking-Bereichs der Deutschen Bank. Beim Beutezug der CSFB in Deutschland wurde jeweils nur ein Junior pro abgeworbenem Senior mit eingestellt. Kritiker weisen darauf hin, dass bei der Attacke der Citibank auf Hoare Govett sogar nur zwei Juniors gegenüber fünf Seniors mitgenommen wurden. Die Citigroup hat dies nicht kommentieren wollen.

Der Personalchef einer US-Bank glaubt, dass es bei der Abwerbung eines Teams üblicherweise schwieriger sei, die Juniors zum Mitziehen zu bewegen. “In den meisten Fällen wandert die Führungskraft ab und der Vize sowie die nachfolgenden Juniors werden befördert”, meint der Banker.

Peter Talibart, Partner im Bereich Arbeitsrecht bei der britischen Sozietät Norton Rose, berichtet, dass leitende Angestellte, die Juniors in ihrem Team zum gemeinsamen Wechsel überreden möchten, Schadensersatzforderung ihres Arbeitgebers drohen würden. “Üblicherweise beinhalten Arbeitsverträge einen Passus, der die Abwerbung von Juniors untersagt, wenn ein Senior das Unternehmen verlässt.”

Talibart sagt aber auch, dass das Abwerbungsverbot nur dann einklagbar sei, wenn ein Zusammenhang zwischen dem Abgang des Seniors und den Kündigungen anderer Teammitglieder nachgewiesen werden könne. Aus diesem Grund werden häufig Headhunter mit der Abwerbung der Juniors beauftragt: “Headhunter können mit jedem über alles sprechen”, erklärt Talibart.

Headhunter berichten, dass normalerweise von den Teamleitern erwartet würde, dass sie mit ihren Angestellten zuvor wenigstens eine geheime Unterredung führen sollten. “Der Teamleiter soll seine Leute zur Zustimmung bewegen. Die interessierten Teammitglieder sprechen wir dann einzeln an”, erzählt ein Headhunter. Ein Seniorbanker, der im vergangenen Jahr mit seinem Team die Bank gewechselt hat, hat die Aufgabe mit einem Sack Flöhe verglichen: “Es ist ungemein schwer sicher zu stellen, dass alle mitziehen und dass sich alle im Halb-Geheimen abstimmen.”

Ein ganzes Team zu übernehmen kann noch weitere Probleme auslösen. Der Personalchef einer führenden Bank warnt z.B. vor kulturellen Unterschieden: “Man muss darauf achten, das neue Team richtig zu integrieren. Andernfalls kann der Eindruck entstehen, das Team sei wichtiger als der Rest der Firma. Damit könnte das gesamte Team erneut abgeworben werden”, meint er.

Ein in dieser Hinsicht interessanter Präzedenzfall ist der von Frank Quattrone. 1996 verließ der in Ungnade gefallene frühere Chef des Technologie-Investmentbanking-Bereichs der CSFB zusammen mit zwei Kollegen Morgan Stanley in Richtung Deutsche Morgan Grenfell. Nur zwei Jahre später wanderte er mit 73 weiteren Kollegen zur CSFB ab. Diese Abwerbung hätte sich die Bank wohl besser gespart.

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