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Die Gewinner und Verlierer der Restrukturierung der Deutschen Bank

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Bevor die Deutsche Bank ihre Strategie 2020 am 29. Oktober verkündet, schafft der neue Co-Vorsitzende John Cryan schon einmal Tatsachen. So hat der Aufsichtsrat gestern einen kräftigen Umbau der Konzernspitze abgesegnet, der bereits ein Licht auf die bevorstehende Restrukturierung wirft.

„Das geht für mich in die richtige Richtung“, sagt Bankenanalyst Dirk Becker von Kepler Cheuvreux in Frankfurt. „Es zeigt vor allem, dass keiner von der alten Fixed Income-Garde mehr etwas im Vorstand zu sagen hat.“ Becker rechnet mit einem Teilrückzug aus dem Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren. Darüber hinaus werde der verkleinerte Vorstand die Transparenz der Entscheidungsfindung verbessern.

„Das ist eine Vereinfachung der Management-Strukturen“, sagt auch Aktienanalyst Neil Smith vom Bankhaus Lampe in Düsseldorf. „Die Trennung von Unternehmenskunden- und Investment Bank und Global Markets in sein sehr kluger Schritt.“ Damit werde das vergleichsweise risikoarme und weniger kapitalintensive Firmenkundengeschäft  wie Advisory vom kapitalintensiven Kapitalmarktgeschäft abgespalten. Global Markets werde sicher eng an die Leine gelegt und intensiv kontrolliert. Auf diese Weise würde die Deutsche Bank auf den Druck der Regulierer reagieren und ihre Eigenkapitalkosten reduzieren, meint Smith.

Die Gewinner und Verlierer

Verlierer: Fixed Income

Bislang gehörte die Deutsche Bank zu den letzten europäischen Investmentbanken, die ein ganz großes Rad im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren drehen. Dazu musste sie sich massiv in den USA engagieren, dem größten Fixed Income-Markt der Welt. Dies kam dem Bankenriesen teuer zu stehen, so wurde der Konzern im vergangenen Jahr gezwungen nur für das US-Geschäft 500 neue Compliance-Mitarbeiter einzustellen. Mit dem Abgang des Co-Vorsitzenden Anshu Jain, der selbst aus dem Fixed Income-Geschäft stammte, ist der Weg frei fürs Zusammenstutzen.

Jetzt wird das Corporate & Investment Banking in zwei Bereiche aufgespalten: die Unternehmenskunden- und Investmentbank und Globale Märkte. Den ersten Bereich wird der bisherige Co-Vorsitzende des Corporate & Investment Banking Jeff Urwin von New York aus leiten. Dagegen verlässt der bisherige Co-Chef Colin Fan mit sofortiger Wirkung die Bank, was auf einen Teilrückzuck aus dem Fixed Income-Geschäft und eine Absage an die Ära Jain zuläuft.

Gewinner: Equities

Garth Ritchie hat bislang innerhalb des Corporate & Investment Banking das Aktiengeschäft verantwortet. Künftig soll Ritchie den Bereich Globale Märkte leiten, was für die Aufwertung des Aktiengeschäfts zu Lasten des Fixed Income spricht. Bleibt die Frage, wie viele Stellen die Deutsche Bank im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren abbauen wird.

Gewinner: Regulierung und Compliance

Auch der Siegeszug der Compliance geht weiter. Sylvie Matherat, die früher im Direktorium der französischen Zentralbank saß, wird zum Chief Regulatory Officer befördert. Endlich dürfen auch die Compliance-Fachleute am Vorstandstisch sitzen. An sie berichtet Nadine Faruque, die für die Compliance im engeren Sinne zuständig ist.

Gewinner: Filialgeschäft

Die Deutsche Bank hat angekündigt ihr Netz um 200 Filialen auszudünnen und sich von der Postbank zu trennen. Dennoch wäre es zu einfach, das Filialgeschäft als Verlierer des anstehenden Konzernumbaus zu bezeichnen. Denn das Privatkundengeschäft sollt um das Wealth Management aufgewertet werden, das bislang zum Asset Management gehörte. Die Privat- und Geschäftskundenbank wird fortan von Christian Sewing geleitet. Das operative Geschäft soll Fabrizio Campelli leiten, der bislang für die Konzernentwicklung zuständig war.

Verlierer: Asset Management

Die Ausgliederung des Geschäfts mit vermögenden Privatkunden stellt für das Asset Management eine spürbare Abwertung dar. Der Bereich wird sich künftig auf das Geschäft mit Fonds und institutionellen Anlegern konzentrieren. Kein Wunder also, dass der bisherige Chef des Deutsche Asset & Wealth Managements Michele Faissola das Unternehmen verlässt. Künftig wird das Asset Management von Quintin Price geleitet, der vom weltweit größten Vermögensverwalter Blackrock kommt.

Unklar: Transaction Banking

Das Global Transaction Banking leistete in den vergangenen Jahren eine stetigen Gewinnbeitrag, ohne wie das Investment Banking mit Affären aufzufallen. Die Eingliederung des Transaction Banking in den neuen Bereich Unternehmenskunden- und Investmentbank könnte daher als Abwertung gedeutet werden. Der Chef des Transaction Banking Werner Steinmüller muss künftig an Urwin berichten. Als Trost wird Steinmüller zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Postbank ernannt, die entkonsolidiert werden soll.


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