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Was deutsche Bewerber mitbringen müssen, um in London durchzustarten

Durchstart_in_London

Eine Station bei einer renommierten Londoner Investmentbank schmückt jeden Lebenslauf wie ein Gemälde von Van Gogh die heimischen vier Wände. Selten waren die Chancen an der Themse für deutsche Bewerber so gut wie heute. „In London herrscht  ein richtiger Mangel an Junior-Kandidaten auf dem Analysten- und Associate-Level“, beobachtet Headhunter Logan Naidu von Dartmouth Partners in London. „Es handelt sich um einen guten Zeitpunkt für deutsche Kandidaten, um nach einem Job in London zu suchen”, versichert der Experte.

Voraussetzung seien vorherige Berufserfahrung bei einer guten Adresse und souveräne Englischkenntnisse. Auch ein Abschluss einer deutschen Uni sei kein Hindernis. Die Eigenheiten des deutschen Bildungswesens – mit seinem Abitur – seien in den Personalabteilungen an der Themse hinreichend bekannt. Es herrsche zwar in London eine Nachfrage nach Deutschsprachigen, für die Besetzung einer Stelle sei dies jedoch selten ausschlaggebend. „Wir haben einige Kunden, die tatsächlich nach deutschsprachigen Kandidaten fragen. Obwohl es kein Muss ist, erweist es sich häufig als nützlich“, ergänzt Naidu. Mit einschlägiger Berufserfahrung hätten Deutschsprachige aber auch Chancen in Branchenteams, die für ganz Europa zuständig sind. Ein Nachteil deutscher Kandidaten seien indes die mit drei Monaten oftmals für Londoner Verhältnisse ungewöhnlich langen Kündigungsfristen.

Acht bemerkenswerte Beispiele für gelungene Karrierestarts in London

Doch wie sieht es mit dem Karrierestart direkt nach der Uni aus? Wir haben die Profile von acht deutschsprachigen – und wohl zumeist –  deutschen Analysten geprüft, die 2015 in London durchgestartet sind:

Saskia Grigoleit, M&A, Credit Suisse

Wie so viele andere angehende M&A-Experten hat Grigoleit Business Administration an der Privatuni WHU in Vallendar bei Koblenz studiert, wobei sie einige Zeit an der Rotterdam School of Management verbrachte. Nach ersten Praktika bei 3 M und Accenture zog es sie ins Banking. Im Sommer 2013 absolvierte Grigoleit ein Sommerpraktikum im Strategy and Business Management der Deutschen Bank und ein Jahr später in M&A bei der Credit Suisse, wo sie im Juli als Analystin angefangen hat.

Jonas Hörsch, Markets Analyst, Deutsche Bank

Hörsch hat Philosophy, Politics and Economics (PPE) in Oxford auf Bachelor studiert. Dabei handelt es sich um ein klassisches Studium der englischen Oberklasse. So hat auch der britische Premierminister David Cameron PPE in Oxford studiert, wo er angeblich Bekanntschaft mit einem Schweinekopf geschlossen haben soll. Im angelsächsischen Raum stellt ein geisteswissenschaftliches Studium jedenfalls keinen Ausschlussgrund für eine Bankingkarriere dar. Hörsch unternahm Praktika u.a. bei der Börse München, im Asset & Wealth Management der Deutschen Bank in Luxemburg und in Corporate Banking & Securities der Deutschen Bank in London, wo er seit Juli als Analyst tätig ist.

Nina Verena König, Global Industrials Group, Credit Suisse

Auch König hat an der WHU studiert, wozu auch ein Auslandsstudium an der Université Paris Dauphine gehörte. König hat 2013 zunächst ein Praktikum im Filialgeschäft der Deutschen Bank in Frankfurt absolviert und ein Jahr später ein zweites in der Investment Banking Division des gleichen Hauses. Direkt im Anschluss hat sie 2014 ein dreimonatiges Praktikum in der Global Industrials Group der Credit Suisse in London hinter sich gebracht. Traditionell rekrutieren die Investmentbanken unter den Sommerpraktikanten einen Großteil der Analysten des Folgejahres. Dies gelang auch König. Hier zeigt sich, wie eine Praktikumskarriere im Filialgeschäft beginnt, sich im deutschen Investment Banking fortsetzt und dann nach London führt.

Susanne Meier, M&A, UBS

Meier bringt einen Bachelor der Uni Regensburg mit und hat einige Zeit an der American University in Washington D.C. verbracht. Anschließend machte sie ihren Master in Finance and Private Equity an der London School of Economics. Meier absolvierte Praktika bei der Bank of America in Washington D.C., bei Bayer in Shanghai, der Deutschen Bank in München und KPMG in Regensburg. Seit Juli ist sie Analystin bei der UBS in London.

Lennard Mertens, Global Industrials Group, UBS

Erst hat Mertens ein BWL-Studium an der LMU München mit dem Bachelor abgeschlossen und dann einen Master in Management der London Business School erworben, wobei es sich um die kleine Ausgabe eines MBA handelt. Schon während der Bachelor-Zeit hat er einige Monate an der National University in Seoul studiert. Nebenbei verbrachte Mertens Praktika bei Deutsche Wohnen in Berlin, Rockpoint Group in Frankfurt, Estrel in Berlin, Gymzap in München sowie in M&A bei Leonardo & Co. in Frankfurt. Nach einem Sommer-Praktikum in der Financial Institutions Group bei der UBS hat er dort im Januar in der Global Industrials Group als Analyst angeheuert.

Pascal Mittelbach, Leverage Finance and Sponsors Group, Credit Suisse

Mittelbach hat einen Bachelor in International Business an der Maastricht University erworben und dabei einen Teil seines Studiums in Singapur verbracht. Anschließend absolvierte er einen Master in Finance and Private Equity an der London School of Economics, von der die Investmentbanken an der Themse gerne rekrutieren. Auch seine Praktika bei Generali in Köln, Mediobanca in Frankfurt, Ardian in Frankfurt und JP Morgan One Equity Partners zeugen von einer konsequenten Spezialisierung auf das Private Equity-Geschäft. Merke: Frühzeitige Spezialisierung zahlt sich aus.

Muhammet Sevim, Emerging Markets Strategy, BNP Paribas

Während seines Bachelor-Studiums International Business an der Maastricht University hat Sevim einige Monate an der National University of Singapore verbracht. Anschließend machte er seinen Master in International Management an der London School of Economics und der Rotterdam School of Management. Nach Pratika im Energiehandel von E.ON in Düsseldorf und Rocket Internet in Bangkok absolvierte Sevim 2014 ein Sommerpraktikum in Sales bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Seit Mai arbeitet Sevim als Analyst in Emerging Markets Strategy bei der BNP Paribas in London.

Antonia von Specht, Morgan Stanley

Gleich nach dem Abitur hat von Specht ein VWL-Studium am University College in London aufgenommen. Es folgten ein Praktikum bei der Deutschen Bank im heimischen Berlin in 2014 und in Sales & Trading von Morgan Stanley im Sommer in London, wo sie sich bereits ein Übernahmeangebot für 2016 sicherte.

Fazit: Die Grundregeln für den Erfolg in London

Die kurze Liste der erfolgreichen jungen Nachwuchs-Investmentbanker in London weist einige Muster auf: Zunächst ist ein wirtschaftsnahes Studium an einer renommierten Uni erforderlich, also deutsche Privatunis wie WHU sowie Oxbridge oder die London School of Ecomics. Wer seinen Bachelor an einer gewöhnlichen deutschen Uni gemacht hat, sollte zumindest seinen Master an einer renommierteren Adresse – möglichst im Ausland – ablegen. Keiner unser acht Beispielkandidaten bringt nur ein Praktikum mit. Die Erfolgsformel lautet, so früh wie möglich mit einer Praktikumskarriere und der Spezialisierung zu beginnen und dabei auch ins Ausland zu gehen. Ein zweitklassiges Praktikum im ersten Anlauf erhöht die Chancen auf einen erstklassigen Praktikumsplatz im Folgejahr. Da die meisten Analysten in London aus den vorherigen Praktikanten rekrutiert werden, kann dies nicht genug betont werden.


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