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Müssen Trader heute programmieren können?

Wer bei "Python" nur an eine Schlange denkt, hat schon verloren.

Wer bei "Python" nur an eine Schlange denkt, hat schon verloren.

Mit der rasenden Digitalisierung verändert sich auch das Berufsbild des Traders. Ein Händchen für die richtige Aktie und das Timing genügt längst nicht mehr. Immer häufiger werden Kenntnisse in Programmiersprachen verlangt.

„Wenn Sie aber nur ein einfacher Market Maker oder Auftragstrader sind, dann müssen sie nicht programmieren können“, sagt Personalberaterin Natalie Basiratpour von Selby Jennings. „Wenn Sie aber ins quantitative oder elektronische Trading wollen, dann helfen Programmierkenntnisse definitiv weiter.“

Mit anderen Worten: Wenn Sie lediglich das Telefon hüten und darauf warten, dass ein Kunde anruft, um Kauf- und Verkaufsaufträge zu erteilen, dann stellen Programmiersprachen kein Muss dar. Wenn Sie aber im automatischen Handel arbeiten wollen und die Entscheidungen über Kauf und Verkauf den Maschinen überlassen, dann sollten Sie wissen, dass Python nicht nur eine Schlangenart ist. Da der Anteil des elektronischen Handels ständig wächst, werden Kenntnisse in Programmiersprachen wie Python immer wichtiger.

Die meisten Jung-Trader bringen diese Kenntnisse bereits mit. „Viele Leute, die jetzt anfangen, haben programmieren bereits an der Uni gelernt und bringen Abschlüsse in Elektroingenieurswesen oder Informatik mit“, beobachtet Personalberater Nathan Haynes von GQR. „Programmieren ist zu ihrer zweiten Haut geworden.“

Ein elektronischer Trader, der einige Zeit bei Goldman Sachs gearbeitet hat und anonym bleiben möchte, hält dies für eine „Generationenfrage“. „Jeder Informatik- und Mathematik-Student von einer Top-Uni will Trader werden und sie alle haben zu programmieren gelernt. Schon bald wird jeder Nachwuchsbanker über Kenntnisse im Programmieren verfügen.“

Der Siegeszug der Programmiersprachen dürfte auch durch Kostengesichtspunkte befördert werden. In der Vergangenheit haben Banken in ihren Quantitative Trading-Teams zwischen „Quant Tradern“ und „Quant Entwicklern“ unterschieden. Die ersten sorgten für Trading-Ideen und die letzteren für die erforderlichen Programme. Sobald Trader jedoch mit Programmiersprachen vertraut sind, wird eine solche Trennung obsolet. „Die Aufgaben zu trennen, ist schon sehr alte Schule“, sagt auch der ehemalige Goldman Sachs-Trader. „Ich habe bei Großbanken gearbeitet, die Entwickler und Quant-Stellen unterscheiden, sowie bei kleineren Boutiquen im Hochfrequenzhandel, die das nicht kennen. Es ist wesentlich effizienter, wenn Sie Ihren Trading-Ansatz selbst programmieren können – das verschafft Ihnen einen Vorteil.“

Laut Marco Bragazzi, der Finanzchef des Hochfrequenzhändlers Spire Europe ist, verstehen die besten Hochfrequenztrader, wie ihre Strategien mit den Börsenservern interagieren. Auch wenn Sie selbst keine Programmierexperten sind, verstehen sie doch genug, um zu sehen, wie ihre Trading-Ansätze ausgeführt werden und wie dies verbessert werden kann. Dennoch denkt Bragazzi, dass es auch weiterhin reine Quant Trader geben wird.

Doch die wachsende Bedeutung der Programmierkünste im Trading stellt nur einen Trend dar. Umgekehrt dürften Quantitative Trader künftig immer mehr Middle Office-Aufgaben schultern. „Es gibt schon Trader, die mehr im Hintergrund übernehmen, die Analyse-Datenbanken aufbauen und quantitative Instrumente für Trader bauen“, erzählt Haynes.

Einige Trader würden sogar nach acht oder neun Berufsjahren zurück an die Uni gehen, um einen Master in Informatik zu erwerben. „Es wächst das Bewusstsein, dass die Leute bei den neuen Methoden am Ball bleiben müssen“, sagt Basiratpour. Hochfrequenzhändler sollten bereits heute C++, C# und Python kennen. Systematische Trader sollten wiederum mit MATLAB und der Datenbanksprache SQL vertraut sein.

Die Gefahr ist jedoch, dass Trader den Neueinsteigern, direkt von der Uni, immer einen Schritt hinterherhinken. „Ich arbeite schon seit Jahren in der Branche und es gibt Ingenieure, die direkt von Hochschulen in Paris kommen, und die weitaus mehr von Programmiersprachen verstehen als ich“, gesteht der frühere Goldman Sachs-Trader.

Entscheidend sei jedoch letztlich ein Verständnis für die Konzepte und kein Detailwissen. „Es handelt sich um eine Einstellung. Sie müssen Ihr Gehirn darauf ausrichten, Probleme anhand von Programmierungen und IT-Instrumenten zu lösen. Sobald Ihnen das gelungen ist und Sie eine Programmiersprache richtig gelernt haben, steigen Ihre Einstellungschancen deutlich.“

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