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Ganz unten: Lebenslehren eines obdachlosen Bankers

“Nicht alle Banker enden im Gefängnis… bei mir war es die Straße.” Dieser Titel ist bewusst provokativ, gesteht sein Autor, Jean-Paul Allou, der seine Geschichte im Verlag Michel Lafon veröffentlicht hat. Sie handelt vom komfortablen Leben eines Bankers, der brutal den Boden unter den Füßen verlor.

Das Glück spielt im Leben zweifelsohne eine Rolle. Mit 50 Jahren hat Jean-Paul Allou sein Kontingent aufgebraucht, die Probleme beginnen sich zu häufen: Seine erste Frau erkrankt an Krebs und verstirbt trotz Unsummen für angeblich innovative Behandlungen. Darauf folgt eine Steuernachzahlung und der finanzielle Ruin und einige Jahre später, als sich alles wieder zum Guten gewendet hatte, verlässt ihn seine zweite Frau. Eine teure Scheidung und Arbeitslosigkeit besiegeln den Abstieg in die Hölle.

Der ehemalige Direktor einer Private Banking-Abteilung, der seine eigene Unternehmensberatung gegründet (Controlling, Risikoanalyse, Insolvenz-Vorsorge….) und an der Universität gelehrt hat, war es gewohnt, von einem Monatseinkommen zwischen 6000 und 10.000 Euro zu leben. Er fand sich brutal in der Arbeitslosigkeit wieder, ohne einen Cent in der Tasche oder ein Dach über den Kopf zu haben.

Jean-Paul Allou, der jetzt eine befristete Stelle als Manager eines Bowlingbetriebs besitzt, hat eFinancialCareers.fr ein ausgiebiges Telefoninterview gegeben. Aus seinen Aussagen lassen sich einige Lektionen über das Leben ziehen.

Vergessen Sie nie, Ihre Steuern zu zahlen

“Bekanntlich tragen Schuster die schlechtesten Schuhe. Alle Ratschläge, die ich meinen Kunden erteilt habe, habe ich selbst nicht befolgt. Das hätte mich vielleicht von einer Steuerforderung über 350.000 Euro bewahrt. Eine Nachricht, die ich zwei Wochen nach dem Tod meiner ersten Frau erhielt und die mich für Jahre auf die Galeere verbannte.”

Sie müssen Anschwärzen können

“Das Finanzamt hat mir einen Deal’ angeboten: Ich sollte meinen oberfaulen Apotheker anschwärzen, der mich an den Bettelstab brachte, nachdem er mir riesige Geldsummen mit Pseudobehandlungen für den Krebs meiner Frau abgeknöpft hatte. Im Gegenzug würden sie meine unbezahlte Steuerforderung tilgen! Ich habe ihn nicht angeschwärzt, so bin ich einfach nicht. Diese Entscheidung bereue ich nicht, doch rückblickend muss ich eingestehen, dass dies vielleicht ein Fehler gewesen ist.”

Ab einem bestimmten Alter helfen Provokationen nicht weiter

“Mein ganzer provokanter Charakter hat zu meinem beruflichen und sozialen Aufstieg beigetragen, aber er hat später auch zu meinem Untergang geführt. Denn wenn man ein bestimmtes Alter erreicht, wird die Provokation von der Revolte abgelöst, die nicht sonderlich produktiv ist.”

Bleiben Sie wachsam und priorisieren Sie

“In einer Bank ist die Arbeit meistens anstrengend und sehr zermürbend. Aufgrund der finanziellen Vorteile, die sie mit sich bringt, hegt man die Illusion, alles würde sich schließlich zum Besseren wenden. Und dann von einem auf den anderen Tag ändert sich das Bild völlig. Man hat nichts kommen sehen. Ich denke auch, dass es nicht genügt zu geben. Vielmehr muss man wissen, wie man gibt und vor allem wie man mit der Zeit umgeht, besonders gegenüber seinen Angehörigen. Der Abstieg ist heimtückisch, man muss immer vorsichtig bleiben.”

Behalten Sie Ihr Handy, koste es, was es wolle

“Das Handy war das einzige, was ich auf der Straße behalten habe. Der Vertrag wurde von einem meiner Söhne bezahlt. Das ist das einzige, was ich mir von ihnen bezahlen ließ. Das hat es mir erlaubt, mit meinen Angehörigen in Kontakt zu bleiben. Einige von den Leuten, mit denen ich herumhing, sagten, ich sei ein Obdachloser deluxe!”

Pflegen Sie Ihr Netzwerk unter allen Umständen

“In einem anderen Leben bin ich Freimaurer und Mitglied des Lions Clubs gewesen, mit denen ich in der Suppenküche arbeitete. Das ganze Netzwerk meiner Freunde, meiner Berufsbekanntschaften konnte ich nicht aufrechterhalten. Das lag an dem Bild, das die anderen sich von mir machten und an Bemerkungen wie: “Man, Du musst Dich absichern” oder “Ich möchte nicht an Deiner Stelle sein.” Dennoch sollte man keine Scheu davor haben, den Kontakt mit den Leuten aufrechtzuerhalten, ansonsten begräbt man sich selbst.”

Ressentiments und Revolte hilft auch nicht weiter

CAls das Drama seinen Anfang nahm, konnte niemand etwas dafür. Es gab keinen Grund, jemand dafür verantwortlich zu machen oder sich als Opfer darzustellen, denn das hilft einem auch nicht weiter, ganz im Gegenteil. Vielmehr muss man alles akzeptieren. Die eigenen Fehler sind wie Steuern, man muss sie begleichen’, sagt Audiard. Ich denke auch, dass ein wenig Demut angebracht ist, man muss seinen Platz akzeptieren. Ich komme aus bescheidenen Verhältnissen und das habe ich nie vergessen. Für mich ist Geld nicht so wichtig. Ich habe keine Sehnsucht nach Sterne-Restaurants.”

Haben Sie ein Tagesprogramm, gleich wie es aussieht

VNach einem ausgebuchten Berufsleben ist es besonders verwirrend, plötzlich nichts mehr zu tun zu haben. Dennoch organisiere ich immer meine Verabredungen des Tages: Ich gehe ans Grab meiner ersten Frau, ich unternehme häufig Behördengänge (Selbst wenn diese nichts für mich machen können, lasse ich mir das schriftlich geben), ich habe sogar an Nicolas Sarkozy im Elysee-Palast geschrieben. Ich meditiere auch, ich spreche mit der Jungfrau Maria. Kurz, ich führe – soweit das möglich ist – ein strukturiertes und regelmäßiges Leben.”

Sensibilisieren Sie für Ihre Situation, erzählen Sie Ihre Geschichte

“Eines Tages hat ein Radiojournalist Fußballfans anlässlich der Weltmeisterschaft auf einer Terrasse eines Cafés interviewt. Dabei habe ich erwähnt: Wenn Sie an einer Geschichte von einem Banker interessiert sind, der obdachlos geworden ist, dann haben Sie hier meine Telefonnummer.’ Auf diese Weise ist meine Geschichte in France Info erschienen und mein Leben hat eine neue Wendung genommen: Ich habe mehrere Unterkunftsangebote erhalten, ich wurde von Verlegern kontaktiert und man hat mir drei Jobs angeboten. Ich habe das Angebot von einem Bowlingcenter angenommen, weil es mich sehr motiviert, ein junges Team zu managen. Zu Monatsende läuft mein befristeter Arbeitsvertrag aus. Ich suche also von neuem nach einem Job, warum nicht in den Finanzdienstleistungen….”

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