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Aus Spiel wird ernst: Trading-Games werden für den Karrierestart immer wichtiger

trading games

Immer mehr Investmentbanken erkennen die Vorteile von Trading-Simulationen für ihr Nachwuchs-Recruitment. Längst geht es nicht mehr nur darum, mit möglichst großem Risiko in kürzester Zeit viel Spielgeld zu verdienen – oder zu verlieren. Vielmehr sagen die Programme immer mehr über die Investmentstile und den Charakter der Teilnehmer aus.

„Die ganze Wall Street nutzt immer häufiger diese Instrumente, da sie ein leistungsorientierten Weg darstellen, Talente zu finden“, sagt der ehemalige Deutsche Bank-Trader Sean McCormack, der heute das Unternehmen StockFuse betreibt, das eben solche Tradings Games zur Kandidatenauswahl heranzieht. „Die traditionellen Rekrutierungsmethoden liefern auch nur traditionelle Kandidaten – Absolventen von Oxbridge und den Ivy League-Universitäten mit dem Hauptfach Finance. Es könnte einen Star-Trader geben, der Geschichte an einer estnischen Universität studiert. Er würde nie auf dem Radar einer Bank erscheinen.“

Barclays und Morgan Stanley nutzen bereits StockFuse für ihr Campus-Reruitment. David Hesketh vom Simulationsanbieter Tradings Hub wiederum berichtet, dass auch die Bank of America Merrill Lynch, Citi, Credit Suisse, HSBC, die Royal Bank of Scotland, TD, CIBC, Unicredit, Scotiabank und die Bank of Tokyo Mitsubishi Trading-Games in ihren Praktikantenprogrammen verwenden.

„Die Praktikanten können mit den realen Marktereignissen traden, die im Verlauf ihres Praktikums geschehen“, erzählt Hesketh. „Wenn Sie in unserer Simulation Geld verdienen, dann hätten sie in einem echten Handelssaal ebenfalls Geld verdient. Anders als nur den Kaffee für den Chef-Trader zu holen, können sie ihn in intelligente Gespräche über makroökonomische Ereignisse und deren Einfluss auf die Märkte verwickeln.“

Dabei sind Trading-Games zur Nachwuchsgewinnung keine ganz neue Erfindung. Bereits vor einigen Jahren haben diverse Banken derartige Wettbewerbe auf ihren eigenen Seiten betrieben oder zumindest gesponsert. Allerdings waren viele davon doch recht simpel gestrickt. Die heutigen Trading-Games bieten dagegen viel mehr Möglichkeiten.

So sammeln sie laut McCormack große Datenmengen. Sie registrieren nicht nur welche Handelsentscheidungen getroffen wurden, sondern auch wieso. Darüber hinaus gibt es eine Reihe strenger Regeln. Daraus lässt sich ablesen, ob sich die Nachwuchsbanker auch an die Compliance halten. Auch der beste Trader kann für eine Bank zum Risiko werden, wenn er sich wie Ikarus benimmt und sich zu nah an die Sonne wagt – man denke nur an den Fall Kweku Adoboli.

„Unsere Simulation ermöglicht es den Banken zu identifizieren, welche Praktikanten dazu tendieren, die Regeln öfters zu brechen“, sagt Hesketh. „Mit wachsender Aufmerksamkeit für Compliance und Regulierung stellt es eine Priorität dar, die Praktikanten zu identifizieren, die zu hart am Wind segeln.“

„Weiter sind Banken daran interessiert Eigenschaften zu erkennen, die für potenzielle Kandidaten anderer Geschäftsbereiche jenseits des Tradings sprechen“, sagt McCormack. „Sie nutzen sie, um Sales-Mitarbeiter zu finden, Analysten und Risikomanager.“

Die Trading-Games bewerten auch risikogewichtete Gewinne und nachhaltige Investmentstile. Sie erkennen, ob jemand bloß Glück hatte oder tatsächlich kompetent ist. Bei StockFuse können die Teilnehmer die Ergebnisse ihrer Konkurrenten verfolgen, was den Wettbewerb weiter anheizt.

„Wir haben sogar einen Hedgefonds als Kunden, bei dem die Praktikanten gegen ihre Portfoliomanager antreten. Das macht viel Spaß, aber es gibt auch viel interne Prahlerei“, erzählt McCormack. „Und ganz praktisch: Wenn ein Praktikant einen ähnlichen Investmentstil wie ein Portfoliomanager hat, dann könnte das für ein Mentorenprogramm sprechen.“

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