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Was Londoner Headhunter an deutschen Bewerbern stört

Da ist sicher auch ein deutscher Lebenslauf dabei.

Da ist sicher auch ein deutscher Lebenslauf dabei.

London stellt so etwas wie das Mekka europäischer Banker dar. Denn am Finanzzentrum Nummer 1 in Europa laufen alle Fäden zusammen – auch aus Karrieresicht. Selbst ausländische Institute wie die Deutsche Bank steuern ihr Investment Banking von der Themse und nicht vom Main aus. Wer eine Station in London in seinem Lebenslauf vorweisen kann, verfügt also über ein großes Karriereplus – auch in Zeiten des Brexits.

Darüber hinaus fällt es Deutschen, Österreichern und Schweizern wesentlich leichter, in London einen Job zu finden als in New York oder Singapur, da in der EU keine Arbeitserlaubnis erforderlich ist. Doch vor dem Traumjob an der Themse steht die Bewerbung. Wir haben mit Londoner Personalberatern gesprochen, was Sie an deutschen Kandidaten und ihren Bewerbungsunterlagen stört.

1. Fachlich brillant, aber es hakt beim Aufbau von Beziehungen

Nach den Erfahrungen von Headhunter Logan Naidu von Dartmouth Partners in London sind deutsche Investment Banker fachlich sehr gut ausgebildet. „Sie arbeiten auch sehr hart“, ergänzt Naidu. „Beim Aufbau von Beziehungen sind sie aber manchmal schwächer als Kandidaten vor Ort.“

2. Zu lange Kündigungsfristen

„Die Kündigungsfristen in Deutschland von oft drei Monaten stellen schon ein Problem dar“, sagt Personalberaterin Sasha Mason von Circle Square in London. Britische Arbeitgeber seien es gewohnt, dass Kandidaten eine Stelle rascher antreten könnten.

3. Unbekannte Arbeitgeber

Landesbanken, kleine Privatbanken oder Boutiquen aus Deutschland sind an der Themse oft kaum bekannt. Recruiter und Arbeitgeber stellt dies vor große Herausforderungen. „Wir können einfach nicht einschätzen, wie gut das Training war und welche Kompetenzen die Kandidaten tatsächlich mitbringen“, erläutert Mason. Bei Bewerbern von Boutiquen aus London sei dies einfacher.

4. Fotos und dann auch noch zu groß

Mason wundert sich regelmäßig über die Fotos, die deutsche Lebensläufe zieren und manchmal sogar ein ganzes Deckblatt belegen. Der Personalberaterin ist nicht bewusst, dass Fotos im deutschsprachigen Raum geradezu Pflicht sind. „Fotos sind in England aber kein Tabu“, ergänzt Mason. „Wir überführen die Angaben aus dem Lebenslauf sowieso in unser eigenes Template.“

5. Zu viele unnötige Details

„Manchmal enthalten deutsche Lebensläufe auch unnötige Details wie Familienstand oder Fotos, die gar nicht verlangt wurden“, erläutert Naidu. Laut Personalberater Max Johnson von Robert Walters in London gebe es in England strenge Antidiskriminierungsgesetze und auch die Banken würden das Thema sehr ernst nehmen. Von daher könnten deutsche Kandidaten mit bestimmten Informationen wie Alter, Geburtsdatum oder auch Fotos anecken. „Daher rate ich von derartigen Dingen ab“, betont Johnson.

6. Zu lange Lebensläufe

„Die meisten deutschen Kandidaten bewerben sich sehr professionell“, sagt Naidu. Allerdings komme es regelmäßig vor, dass deutsche Bewerber Lebensläufe von drei Seiten einreichen. „Zwei Seiten reichen aus“, ergänzt der Personalberater. Die gleiche Beobachtung hat Mason gemacht. Auch sie hält zwei Seiten für das Maximum.

Dagegen empfiehlt Johnson eher lange Lebensläufe. Kontinentaleuropäische Kandidaten würden sich oftmals an der alten englischen Tradition orientieren, ihren Lebenslauf auf eine Seite zu begrenzen. Johnson bevorzugt es, wenn Bewerber namentlich ihre Berufserfahrung ausführlich darstellen. Arbeitgebername und Betriebszugehörigkeit seien zu wenig. Vielmehr sei eine detaillierte Aufgabenbeschreibung wichtig. „Wer fünf oder sechs Jahre Berufserfahrung mitbringt, von dem erwarte ich einen Lebenslauf von mindestens drei oder vier Seiten“, sagt Johnson.

Dabei sollten die aktuellsten Stationen am ausführlichsten dargestellt werden. Weiter stört sich Johnson daran, dass die Lebensläufe nicht immer auf die betreffende Stelle maßgeschneidert sind.

7. Zu kreative Lebensläufe

Die Briten sind ein wenig konservativ – das gilt auch für Lebensläufe. Mason rät von verschiedenen Farben oder Schrifttypen ab. „Eine Schriftart genügt völlig“, betont die Personalberaterin. Dagegen erscheinen ihr deutsche Lebensläufe manchmal als „zu kreativ“.

8. Das Thema Englisch

„Die meisten deutschen Kandidaten bringen ein sehr gutes Englisch mit“, beobachtet Naidu weiter. „Schriftlich muss es gut sein, mündlich müssen Sie sich klar verständlich machen können. Aber es muss nicht alles perfekt sein.“ Vom Associate und Vice President aufwärts müssten die Sprachkenntnisse besser ausfallen, da die jungen Investmentbanker dann zunehmend mit Kunden in Kontakt kämen.

Laut Johnson würden die Banken auch sehr detailliert auf Fremdsprachenkenntnisse achten – neben dem Englischen. Sämtliche Banken würden jetzt das Thema Diversity ganz groß schreiben. „Daher sollten Sie Ihre Fremdsprachenkenntnisse herausarbeiten“, rät Johnson.

9. Zu wechselunwillig

„Es stellt schon eine Herausforderung dar, Leute aus München oder Frankfurt vom VP-Level aufwärts zu einem Wechsel nach London zu bewegen“, erzählt Naidu. „Frankfurt und München sind nicht nur günstiger als London, sondern sie zögern auch wegen ihrer familiären Verbindungen.“

Da helfe es auch nicht weiter, dass im Investment Banking in London die nominell gleichen Gehälter wie in Frankfurt gezahlt werden, allerdings in unterschiedlichen Währungen. Wer also 100.000 Euro in Frankfurt kassiert, kann an der Themse 100.000 Pfund erwarten. Bei einem Wechselkurs von etwa 1,14 Euro kein schlechter Tausch.


Kommentare (1)

Comments
  1. Es ist das einfachste, wenn sich ein deutscher Banker in London bewirbt, sich schlicht das Bewerbungsverfahren der anglizistischen Länder anzueignen. Das kann ohnehin heute leicht per Suchmaschine gefunden werden, wo Bewerbungsanschreiben “Cover Letter” heisst oder Lebenslauf “CV” oder “Curriculum Vitae” (eigentlich lateinisch).
    Londoner Banker werden bei der Bewerbung nicht didkrimiert, während hierzulande schon der türkische Name, die Adresse, das Alter, das Geschlecht, die Religion (in den Kirchen), die politische Einstellung (in Tendenzunternehmen) über die Einstellung und nicht die Qualifikation oder nachgewiesenen Leistungen oder Interessen.
    Da könnten deutsche Banken – überhaupt die Arbeitgeber allgemein – von Amerika und England noch viel lernen.

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