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Sechs Jobs, die alles über den Zustand des Bankings in 2015 sagen

Es gilt, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Es gilt, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Die Sommerferien haben begonnen und mit ihnen das Sommerloch. In den Banken sind die Managing Directors im Urlaub und für wenige Wochen übernehmen die Vice Presidents das Zepter. Recruiter verbringen wahre Sabbaticals in Coffee-Shops und Praktikanten in billigen Anzügen lassen sich während der Mittagspause ihre McDonalds-Menüs schmecken.

Dennoch bleibt die Zeit nicht stehen. Trotz des Sommerlochs müssen Jobs besetzt werden. Es handelt sich nicht unbedingt um Traumjobs im Front Office und sie bieten auch nicht immer ein sechsstelliges Jahresgehalt. Umso mehr verraten diese Jobs über den Zeitgeist und den aktuellen Zustand des Bankings. Nicht alle dieser Jobbeschreibungen – wie gewöhnlich auf Neudeutsch – sind auf den ersten Blick verständlich. Wir versuchen eine Erklärung.

1. Goldman Sachs: Activism defense associate

2015 ist fürs M&A-Geschäft ein gutes Jahr. Die Erträge aus dem Beratungsgeschäft sind bei Goldman Sachs im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um stolze 62 Prozent gewachsen. Weltweit haben die Erträge aus dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen zumindest um 34 Prozent zugelegt.

Mit dem Geschäftsvolumen steigt auch der Appetit der Banken auf M&A-Juniors. Für Associates, Senior Analysts und mittlerweile sogar für Vice Presidents herrschen also goldene Zeiten. Einen der sonderbarsten Vakanzen gibt es bei Goldman Sachs. Das Unternehmen sucht tatsächlich einen Associate für die „Activism defense practice“. Dabei geht es um die Beratung von Firmenkunden zu den Gefahren von überaktiven Aktionären und feindlichen Aktivitäten wie Übernahmeversuchen. Wer immer den Job bekommt, befindet sich in „Nahkampf-Situationen“. Bei so viel militärischer Metaphorik ist es eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass sich die Vakanz in New York befindet.

2. Société Générale, Bitcoin developer

Die Bankenbranche sattelt auf den Bitcoin-Trend auf. So will die französische Großbank BNP Paribas beispielsweise Bitcoins in ihren Devisenfonds aufnehmen. Keine Frage, dass die Erzrivalin Société Générale nachzieht und einen „Bitcoin developer“ sucht. Der Stelleninhaber soll sich um Bitcoins, Blockchains und andere Internet-Währungen kümmern. Er soll verfolgen, was in der Szene der Pseudo-Währungen vor sich geht. Es dürfte sich um einen optimalen Job für Leute mit Neigungen zu Verschwörungstheorien handeln.

3. Deutsche Bank: Illiquid bond trader

Noch bevor der ehemalige Deutsche Bank Co-Chef Anshu Jain abtrat, hat er über die wachsende Illiquidität des Anleihemarktes geklagt. Die zunehmende Regulierung erschwere das Market Making. Mit dieser Einschätzung steht Jain nicht allein dar. Von daher kommt es nicht überraschend, dass der deutsche Branchenprimus jetzt nach einem Trader für genau diese Anleiheklasse sucht.

4. Citigroup: Relationship Analyst / Associate für Athen

Da die griechische Börse seit bald einem Monat geschlossen ist, dürften Aktienhändler und Sales-Spezialisten derzeit in Athen nicht viel zu tun haben. Dennoch will Citi auch weiterhin eine breite Palette ihrer Finanzprodukte an griechische Unternehmenskunden vertreiben. Daher suchte die US-Bank nach einem Firmenkundenbetreuer, um das Geschäft mit griechischen Kunden „auf- und auszubauen“. Nach der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen durch die griechische Regierung dürfte es sich um eine wahre Herausforderung handeln.

5. Goldman Sachs: Machine learning architect

Neuerdings scheint „Machine learning“ das Zauberwort für besonders interessante Jobs bei Finanzdienstleistern und IT-Unternehmen zu sein. So sucht auch Goldman Sachs nach einem „Machine learning architect“ von einer erstklassigen Uni, der sich mit dem Sammeln, der Aggregation und Auswertung großer Datenmengen beschäftigt und dafür geeignete Algorithmen entwickelt. Hört sich das für Sie interessant an? Nach ein paar Jahren können Sie immerhin noch zu Google wechseln.

6. JP Morgan: LIBOR submission controler

Nach dem Skandal um die Manipulation des Londoner Referenzzinssatzes LIBOR wurde dessen Berechnung geändert, wobei die Transaktionsdaten eine größere Rolle als das menschliche Urteil spielen. Statt des Britischen Bankenverbands ist die International Exchange für die Ermittlung des LIBOR zuständig. Auch die Banken versuchen sicherzustellen, dass es künftig nicht mehr zu einem Foulspiel kommt. So sucht JP Morgan beispielsweise einen „Bechnmark submission control and reporting professional“ in London. Nach der Stellenbeschreibung handelt es sich um eine Tätigkeit an der Schnittstelle zwischen Regulierung und Datensammlung. Auch wenn sich dies nicht sonderlich spannend anhört: Es handelt sich um die Art von Stellen, die derzeit bei Banken zu vergeben sind.

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