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Kampf gegen Roboter: Wie Sie Bewerbungs-Algorithmen besiegen

ATS

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Ohne Algorithmen ist das digitale Leben kaum noch vorstellbar. Dabei handelt es sich um Gleichungen, die in einem Computerprogramm – mehr oder weniger intelligente – Entscheidungen treffen. Diese haben längst die Aplication Tracking Systeme (ATS) erobert, die große und kleine Finanzdienstleister für ihre Online-Bewerbungen nutzen. Längst treffen also nicht mehr Menschen, sondern Roboter die Vorentscheidung. Mit Big Data, also der Auswertung großer Datenmengen z.B. aus dem Internet, dürfte dies weiter verfeinert werden.

„Seit dem Jahr 2000 sind Roboter ein integraler Bestandteil der Recruitment-Systeme: 95 Prozent der Groß- und 50 Prozent der Klein- und Mittelständischen Unternehmen nutzen sie“, erläutert Laurianne Laval von MyJobCompany. Doch wie lässt sich einem Roboter Ihre Bewerbung schmackhaft machen? Dazu haben wir einige Tipps zusammengestellt.

1. Nutzen Sie gute Schlüsselwörter in Ihrem Lebenslauf

Naheliegenderweise gleichen die Roboter das Anforderungsprofil der Stelle mit den Schlüsselwörtern aus Ihrem Lebenslauf ab. Dazu zählen etwa Basel III, Java, Management, Mobilität, Flexibilität usf. Wer nicht die Kernbegriffe aus der Stellenanzeige in seiner Bewerbung wiederholt, fliegt also unter dem Radar. Dabei sollten Sie auch auf die korrekten Abkürzungen achten und ob diese groß- oder kleingeschrieben werden.

„Es kann sinnvoll sein zu recherchieren, worauf sich das Unternehmen konzentriert. Falls es sich auf den ‚Kunden fokussiert‘ oder falls es sich um eine ‚renommierte‘, ‚globale‘ oder ‚strategische Marke‘ handelt, dann fällt die Chance hoch aus, dass diese Begriffe auf der Liste der Schlüsselbegriffe stehen. Erwähnen Sie sie auch in Ihrem Lebenslauf“, rät Robert Namar, der fürs digitale HR-Marketing bei Morgan Stanley Wealth Management zuständig ist.

2. Übersehen Sie nicht die verbundenen Begriffe

Dennoch genüg es heute längst nicht mehr, die passenden Kernbegriffe fallen zu lassen. Vielmehr arbeiten die modernen ATS auf „semantischer Basis“. Es geht also darum, aus dem automatischen Sichtungsprozess ein sinnvolles Ergebnis herauszubekommen. Daher achten die Algorithmen verstärkt auf Begriffe, die in einem inneren Zusammenhang mit den Anforderungen stehen. Mithin sollten Bewerber ihre Schlüsselkompetenzen auch ein wenig erläutern.

3. Achten Sie auf ein schlichtes Layout Ihres Lebenslaufs

Roboter lassen sich leicht durch allzu kreative oder unkonventionelle Begriffe verwirren. Auch grafische Gestaltungselemente wie Bullet Points oder Tabellen sollten Sie zurückhaltend verwenden. Die Anordnung sollte so einfach und klar wie möglich sein. Besonders sollten Sie auf die korrekten Namen der Unternehmen achten, für die Sie gearbeitet haben. Denn die meisten Programme konzentrieren sich auf Arbeitgeber und die dort verbrachte Arbeitszeit. Beides sollte also klar und einheitlich dargestellt werden, damit der Roboter nicht ins Straucheln gerät.

„Ein guter Start ist, seinen Lebenslauf mit einem einfachen Textverarbeitungsprogramm wie TextEdit oder Notepad zu verfassen. Diese lassen Ihre Kreativität nicht mit Ihnen durchgehen. Nachdem Sie dann Ihren Lebenslauf in MS-Word in seine endgültige Form gebracht haben, sollten Sie ihn noch einmal kontrollieren“, erläutert Namar.

4. Aktualisieren und vereinheitlichen Sie Ihre Online-Profile

Eine besondere Herausforderung stellen die beruflichen oder sozialen Netzwerke dar. Denn die raffiniertesten Roboter stützen sich nicht allein auf die Angaben Ihrer Bewerbung, sondern gleichen diese auch mit anderen im Internet verfügbaren Profilen wie Xing, LinkedIN oder Facebook ab. Daher stellt es heute auch eine Herausforderung dar, den eigenen Lebenslauf auf jede einzelne Stelle maßzuschneidern. Die Faustregel lautet daher, auch bei den Online-Profilen auf Aktualität und Einheitlichkeit zu achten. Einige Programme suchen im Lebenslauf und anhand der Online-Profile gezielt nach Inkongruenzen. Von daher sollten Sie sich hüten im Lebenslauf anzugeben, dass Sie bei der Bank X drei Jahre gearbeitet haben, wenn es nach Ihrem Online-Profil nur zweieinhalb Jahre waren.

5. Vorsicht mit allzu simplen Online-Profilen

Die meisten Finanzprofis verfügen über Konten bei Twitter oder anderen sozialen Medien, doch bei ebenfalls den meisten fristen diese Konten ein stiefmütterliches Dasein. Das stellt einen Fehler dar, denn üblicherweise wird das Engagement der Account-Besitzer genau gemessen. Wer besonders viele Follower, Likes oder Kontakte vorweisen kann, ist im Vorteil. Dies gilt freilich nur, wenn auch die Qualität stimmt. Besonders gut kommt es an, wenn Sie bei Ihren Schlüsselkompetenzen über einschlägige Empfehlungen verfügen. Daher lohnt es sich z.B. für Sie wichtige Informationen zu re-tweeten oder weiterzuempfehlen.

6. Achten Sie auf Internet-Hygiene

Arbeitgeber und Recruiter sollten zwischen beruflichen und privaten Netzwerken unterscheiden. Es ist also in Ordnung sich auf Facebook anders zu präsentieren als auf LinkedIN. „Die gesammelten Informationen müssen in einem Zusammenhang mit der beabsichtigten Personalsuche stehen“, betont Sébastian Bompart von frz. Personalvermittlungsverband A Compétence Égale. Eigentlich sollten also Arbeitgeber und Recruiter nicht in den privaten Auftritten herumschnüffeln. Darauf kann sich jedoch kein Finanzprofi verlassen. Mithin sollte auf verfängliche Fotos von der letzten Uni-Partie oder Weihnachtsfeier lieber verzichtet werden. Denn was nicht im Internet ist, kann dort auch nicht gefunden werden. Falls jedoch erst einmal etwas ins Netz gelangt ist, lässt es sich oft kaum noch entfernen.

7. Schreiben Sie sich bei MOOC ein

Immer mehr Fortbildungen – oft auf universitärem Niveau – finden ihren Weg ins Internet. Neudeutsch werden diese als „Massive Open Online Courses“ (MOOC) bezeichnet. Auch die Teilnahme an solchen Programmen erhöht die Chance, im Internet gefunden zu werden. „Für einen Recruiter stellen die Ergebnisse der MOOC eine Fundgrube dar. Man kann die Kompetenzen einer Person analysieren, aber auch die Fähigkeit zur Zusammen- oder Teamarbeit“, erläutert Franck La Pinta, der in der HR-Abteilung der Société Générale für die Digitalstrategie zuständig ist.

Falls hinter diesen MOOC renommierte Universitäten stehen, umso besser. Denn viele Algorithmen der ATS legen ein besonderes Gewicht auf die Zieluniversitäten. Allerdings genügt es nicht, sich einfach für kostenlose Online-Seminare einzuschreiben. Vielmehr müssen Teilnehmer auch gute Resultate erzielen. Daher sollten man sich auch nur für ein oder zwei dieser Seminare pro Jahr einschreiben.

8. Nehmen Sie an Veranstaltungen der Branche teil

Sobald Sie an einer einschlägigen Branchenveranstaltung teilnehmen, besteht die Chance, dass Ihr Name vom Veranstalter ins Netz gestellt wird. Noch besser ist es, wenn Sie selbst als Sprecher oder dergleichen auftreten. All dies steigert Ihre Sichtbarkeit im Internet und wer weiß, was im Big Data-Zeitalter so alles ausgewertet wird.

9. Hauen Sie in die Tasten

Eine einschlägige Reputation lässt sich im Internet auch aufbauen, in dem man wissenschaftliche oder journalistische Artikel über relevante Themen – und nicht etwa andere – veröffentlicht. Guter Content erhält von Google oft auch ein besonders gutes Ranking. Auch dies stellt einen weiteren Pluspunkt dar.

Einige Finanzprofis haben sich sogar durch die Veröffentlichung ganzer Bücher einen Namen gemacht. Erinnert sei beispielsweise an Greg Smith von Goldman Sachs, John Lefevre von der Citigroup oder erst kürzlich Sam Polk, der früher für die Bank of America, Credit Suisse und King Street Capital Management tätig war. Kurz, je häufiger Ihr Name im Internet in Bezug auf Ihre Expertise und Ihr Kerngeschäft auftaucht, umso besser. Allerdings zählt hierbei auch Aktualität. Sie müssen also am Ball bleiben.

10. Bleiben Sie sich treu

Die Befürchtung, dass im Zeitalter von Big Data nur noch Klone der Stellenanzeige eingestellt werden, scheint unbegründet zu sein. Nach einer Studie der Universität von Minnesota sollen die Algorithmen sogar bessere Einstellungsempfehlungen geben als die menschliche Intuition. Dass Roboter keine Vorurteile kennen, mag sich für so manchen Kandidaten sogar segensreich auswirken.

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