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Ergo-Mitarbeiter fürchten wegen Markensterben weitere Jobverluste

In einem Rundschreiben an die Beschäftigten bezeichnet der Betriebsrat der Hamburg-Mannheimer (HM) die Aufgabe der Marke als “die größte Fehlentscheidung seit Bestehen der Ergo” und ruft Beschäftigte “sowie alle weiteren Interessierten auch außerhalb der HM auf”, ihrer Initiative beizutreten, die von der Gewerkschaft Verdi mitgetragen wird. Konkret geht es um eine Unterschriftenaktion.

Man wolle um die Marke Hamburg-Mannheimer kämpfen, weil die “Markentod-Entscheidung” mittelfristig Arbeitsplätze “massiv gefährde”. Man sei von der Entscheidung “vollkommen überrascht” worden, schreibt der HM-Gesamtbetriebsrat weiter.

Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, soll die Markenentscheidung in einem so engen Kreis getroffen worden sein, dass auch die Vorstände der betroffenen Einzelgesellschaften unterhalb der Holding nicht involviert waren.

Nach Einschätzung des Ergo-Konzernbetriebsrates in Düsseldorf muss der Außendienst “in Teilen mit erheblichen Einkommensverlusten rechnen”. Denn die Kunden würden nicht vergleichbar hohe Prämien mit der Marke Ergo kaufen, Interessenten würden durch das “Marken-Aus” verunsichert und der Direktversicherer agiere künftig unter der gleichen Marke wie die Serviceversicherer, schreibt der Ergo-Konzernbetriebsrat in einem Rundschreiben.

Weniger Neugeschäft stelle auch die Arbeitsplätze im Innendienst in Frage, argumentieren die Betriebsräte. Es werden weitere Zusammenlegungen bei den Vertrieben erwartet und dagegen vom Management “glasklare Vereinbarungen” gefordert.

Ergo-Sprecher Alexander Becker sagte zu möglichen Verdienstausfällen beim Außendienst, dass dies eine “These” des Betriebsrates sei. Sollte eine solche Übergangszeit eintreten, sei es guter Brauch, dass dann mit den dafür vorgesehenen Gremien des angestellten und selbstständigen Außendienstes gesprochen werde.

Der Konzernbetriebsrat kritisiert des Weiteren die Informationspolitik. So habe das Management weder eine Wirtschaftlichkeits-Berechnung noch eine Chance-/Riskobetrachtung übermittelt und sich im Wesentlichen auf die Informationen eines Mitarbeiterschreiben vom 20. November beschränkt.

Die Betriebsräte halten das aktuelle Projekt zudem für eines, das der Mitbestimmung unterliegt. Der Konzernsprecher verweist darauf, dass zeitgleich mit der Bekanntgabe der neuen Markenstrategie im Sinne des Aktienrechtes eine Wirtschaftsausschuss-Sitzung anberaumt worden sei, an der auch Arbeitnehmervertreter teilnehmen. Diese findet am Freitag statt. Zudem habe es zwischenzeitlich ein längeres Gespräch von Betriebsrat und Management gegeben.

Derzeit läuft bereits ein Sparprogramm bei Ergo, das den Abbau von 1.800 Stellen bis Ende 2010 vorsieht. Nach Angaben des Unternehmens ist dies bereits zu zwei Dritteln umgesetzt, das heißt mit rund 1.400 Mitarbeitern hat man eine Trennung vereinbart. Im Gegenzug will das Unternehmen bis 2012 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Für die Gruppe arbeiten 31.000 angestellte Mitarbeiter und 21.000 hauptberufliche Vertreter.

Ergo bekräftigte dagegen, mit der Markenumstellung sei nicht ein Stellenabbau verbunden. “Das kann ich eindeutig verneinen”, sagte ein Unternehmenssprecher. Vorstandschef Torsten Oletzky hatte bereits auf der kurzfristig per Telefonschaltung terminierten Pressekonferenz versucht, jegliche Befürchtungen der Mitarbeiter zu zerstreuen und erklärt, die Organisationsstrukturen an den Standorten sollten nicht angetastet werden. Allerdings bestreitet auch das Unternehmen nicht, dass unter den Mitarbeitern Verunsicherung herrsche.

Oletzky hatte die Belegschaft kurz vor Weihnachten mit der Mitteilung geschockt, die Marken Victoria und Hamburg Mannheimer untergehen zu lassen. “Morgens um acht Uhr ging eine Mail an 50.000 Mitarbeiter und an die Presse. Und das war’s”, sagten Arbeitnehmervertreter.

Künftig dominiert der bislang bei den Kunden wenig bekannte Holdingname Ergo. Oletzky rückt damit von der Mehrmarkenstrategie ab, die er bis dahin propagiert hatte. Auslöser waren offiziell die Schwierigkeiten der Tochter Karstadt-Quelle-Versicherungen (KQV), wegen der Arcandor-Pleite neue Kunden zu gewinnen. Die KQV heißt daher ab Mitte Februar Ergo Direkt.

Der Markt- und Markenstratege Rüdiger Szallies sagte, dass der Glanz der Marken Victoria und Hamburg Mannheimer in den vergangenen Jahren ohnehin verblasst sei. Zudem sei der Versicherungsmarkt mit seinen 600 Gesellschaften in Deutschland zu zersplittert und daher anachronistisch. “Der Markt schreit geradezu nach Konsolidierung, auch im Bereich der Markenpolitik. Ob das gelingt, ist eine andere Frage.”

Commerzbank-Analyst Roland Pfänder sagte: “Aus Sicht des Unternehmens ist das nachvollziehbar und richtig. Aus Sicht eines Kunden mit einer Victoria-Lebenspolice würde ich nicht so viel Spaß dabei haben.”

Kommentare (1)

Comments
  1. Hauptberuflich bin ich11 Jahre bei der Hamburg-Mannheimer als Agenturbetreiber selbständig. Mein Erlös aus Provision etc. hatte seit einigen Jahren einen Rückgang bei Zunehmenden Verwaltungarbeiten und Mehrkosten. Ich bin ein überzeugter Vertreter der HM gewesen, was seit ca zwei Jahren hier abläuft ist eine Schande für die leitenden Manager des Konzernes. Man versuchte bis heute gerade aus den selbständigen Außendienst sogar noch Kostenbeiträge zu quetschen. Für uns aus dem Osten, welche kaum Rückstellungen verbuchen konnten, ist es eine Katastrophe.

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