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Das Geschäftsmodell der “globalen Investmentbank” steht vor dem Aus

Wiederholt sich gerade etwa die Geschichte?

Vor 75 Jahren steckte die Welt in einer schweren Krise, die Preise stiegen, das Wachstum stagnierte, zahlreiche Banken gingen pleite. Der US-Kongress reagierte und verabschiedete das nach zwei Senatoren benannte “Glass-Steagall”-Gesetz. Seitdem waren Geschäftsbanken und Investmentbanken strikt getrennt. Erst 1999 wurde die Vorschrift auf Druck großer Geschäftsbanken in weiten Teilen außer Kraft gesetzt.

Die fusionierten schon bald zu Mega-Instituten (Citigroup, JP Morgan Chase) und schluckten am Fließband Investmentbanken wie Donaldson, Lufkin & Jenrette (Credit Suisse) und Paine Webber (UBS).

Nun ist mit der Subprimekrise wieder ein globales Unwetter über die Weltfinanzmärkte gezogen und hat wie ein Wirbelsturm im Wald der Investmentbanken gewütet. Als einziger Vertreter hat Branchenprimus Goldman Sachs von der Krise bei Hypothenkrediten profitiert. Und während Morgan Stanley gerade noch die Kurve gekriegt hat, sind zunächst Bear Stearns und jetzt auch noch Lehman Brothers und Merrill Lynch aus der Kurve geflogen.

Wer weiß, was aus der Deutschen Bank geworden wäre, hätte das Institut den umgekehrten Weg eingeschlagen und sich von einer Universalbank in eine Investmentbank verwandelt. Es ist gerade drei Jahre her, dass Vorstandschef Joe Ackermann die Frankfurter Großbank in eine weltweit “führende Investmentbank mit starkem Privatkundengeschäft” umdeklarierte – eine Verbeugung vor den mächtigen Finanz-Ingenieuren in London und New York und ein Affront gegen die Masse der Beschäftigten, die in Frankfurt und den zahlreichen Filialen “Leistung aus Leidenschaft” zeigten.

Hätte es damals, als das Investmentbanking noch Traum-Renditen abwarf, einen Käufer für das Privatkundengeschäft gegeben, wäre die Deutsche Bank unter der Regie des gelernten Investmentbankers Ackermann vermutlich in einen “Pure-Player” verwandelt worden. Vielleicht säße die Führung dann heute mit den Kollegen von Lehman Brothers in einem englischen Pub und trauerte bei einem lauwarmen “Pint” dem Gewinnpuffer Privatkundengeschäft hinterher.

Tatsächlich sind es die Lehman-Pleite und der Merrill-Verkauf, die den Kauf der Postbank in einem anderen Licht erscheinen lassen. Die Übernahme der Post-Tochter ist weder mutig, noch ein Schachzug, um ausländische Konkurrenten abzuwehren.

Die Postbank hilft Ackermann, die Gewichte innerhalb des Apparates Deutsche Bank möglichst rasch wieder mehr in Richtung Gleichgewicht zu verschieben. Die Bonner Bank für das gemeine Volk macht die Deutsche Bank zunächst einmal krisensicherer – und in ferner Zukunft vielleicht auch noch profitabler.

Vielleicht werden Wirtschaftshistoriker irgendwann zu dem Schluss kommen, das das Glass-Steagall-Gesetz die natürliche Lebenserwartung des Geschäftsmodells Investmentbank lediglich künstlich verlängert hat. Während die führenden Universalbanken dem “Jahrhundert-Finanzsturm” standhielten und in Einzelfällen mit kleinen Amputationen davonkamen, hat der Subprime-Wirbelsturm das Geschäftsmodell globale Investmentbank unwiderruflich in seine Einzelteile zerlegt.

Eine Rückkehr zur Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken kann es deshalb mangels Masse nicht mehr geben. Mit Goldman Sachs dürfte auf Dauer lediglich ein Spieler übrigbleiben, der die Finanzkraft besitzen, um gegen die breit aufgestellten global operierenden Geschäftsbanken zu bestehen.

Kommentare (1)

Comments
  1. Man mag es auch jetzt noch nicht wahrhaben wollen, doch was vor 30 Jahren gut war beweist sich heute als ein rettendes Anker! Transaction banking is out – Relationship banking is in! Nicht der schnelle Profit nach angelsächsischer Manier überdauert solche Krisen, die er eigentlich selbst verursacht, sondern stetig wachsende, langanhaltende (Firmen-)Kundenbeziehungen die schwere Zeiten (auf beiden Seiten des Tisches) überdauern. Das ist vielleicht altmodisch, doch eine feste Basis für nachhaltige Geschäfte mit ebenso nachhaltigen Erträgen. Es ist jedoch tragisch, dass so viele Menschen, wertvolle und erfahrene Banker durch einen einzigen menschlichen Faktor ihren Job verloren haben: Gier!

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