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GASTKOMMENTAR: Wie Praktikanten stören

Ich bin nicht der größte Fan der Personalabteilung (erinnern Sie mich bitte daran, wie Sie irgendeinen Mehrwert schaffen, indem Sie ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle für komplexe Derivate veranstalten). Doch wenn die Human Resources beginnt, Emails zum Thema Praktikanten zu versenden, dann bin ich schnellstmöglich über alle Berge.

Praktikanten erweisen sich als höchst störend. Sie stören bereits, bevor sie einen Fuß in das Gebäude gesetzt haben. Ein HR-Mitarbeiter, der offensichtlich nichts besseres zu tun hat, fing kürzlich an, eifrig nach Freiwilligen für Vorstellungsgespräche und zur Überprüfung des “Programms” zu suchen. Kaum einer mochte da mitmachen und wer sich dazu bereiterklärt hat, dem sollte es untersagt werden. Entweder wollen diese Leute verzweifelt über irgendjemanden stehen und ein Praktikant ist ihre einzige Gelegenheit dazu, oder sie sollten tatsächlich im HR arbeiten.

Falls es noch schlimmer kommt, dann beginnen die Praktikanten selbst, jeden anzurufen, der ihnen bei der Suche nach einem guten Praktikumsplatz weiterhelfen könnte. Schön wenn sie die Person kennen, die sie anrufen – ansonsten kommt dies einem Selbstmord gleich.

Nachdem die Praktikanten die Türschwelle überschritten haben, steigt der Grad der Verzweiflung beträchtlich.

Human Resources hat offenkundig viele Stunden mit dem Schreiben von Emails und am Telefon verbracht, um die Anforderungen für die Stelle zu ermitteln und den entsprechenden Kandidaten ausfindig zu machen, der die Anforderungen erfüllt. Das machen sie jedes Jahr – wieso kommt es dann, dass Sie plötzlich drei statt einen bekommen. Sie treffen schon eine Woche früher ein, als Sie erwartet haben, und zwei wollen Trader werden, obgleich Sie ein Sales Team leiten.

Um fair gegenüber dem HR zu bleiben, muss ich eingestehen: In diesem zarten Alter verfügen Praktikanten kaum über ernstzunehmende Fähigkeiten. So mag es leichter fallen, sie einfach blind aus einem Hut auszuwählen.

Wenn Sie einmal der lästigen Gruppe einen Platz zugewiesen haben, dann müssen Sie ihnen etwas zu arbeiten geben. Es ist erstaunlich, wie schwer es fällt, anforderungsarme Aufgaben aufzutreiben, die sofort anstehen und dennoch keine Folgen haben, falls sie irgendwie falsch ausgeführt werden.

Besonders schwierig fällt es, wenn man bei der Suche von drei rehäugigen Praktikanten beobachtet wird (oder noch wahrscheinlicher: einer rehäugig, einer verschreckt und einer – übrigens immer männlich, der glaubt, er würde Ihnen mit seiner Anwesenheit eine Freude bereiten.

So kämpfen Sie sich durch die ersten Tage, in denen sie den Fotokopierer ruinieren, Kaffee verschütten und wie betäubt reagieren, wenn Sie ihnen Texte zur Korrektur geben, da ihnen niemand die Regeln der Grammatik oder der Rechtschreibung beigebracht hat. Falls Sie Glück haben, dann fallen sie nach einer Woche in ihre grundlegende Überlebensstrategie zurück, hören auf, um Ihren Tisch herumzulungern, und finden Mitglieder des Teams, die gewillt sind, ihnen ein wenig Zeit zu opfern. Alles beruhigt sich. Falls Sie kein Glück haben, dann mag ein Schimpfwort oder ein abwertender Vergleich im Handelssaal fallen – und alles endet wieder bei HR.

Sechs Wochen vielleicht und sie sind weg. Irritierenderweise hat sich zumindest einer als ganz nützlich erwiesen und wird tatsächlich vermisst. Der Rest von ihnen wird rasch vergessen, bis sie sechs Monate später wieder anrufen, um eine Empfehlung für ein Absolventenprogramm zu erhalten.

Kommentare (4)

Comments
  1. Hier wird mittlerweile auch der schwächste Kommentar veröffentlicht. Der Autor ist wohl ein frustrierter Praktikant.

  2. Es ist ja bekannt, dass Investmentbanker nicht die größten Führungspersönlichkeiten sind (und das meistens auch nicht sein müssen). Aber wenn sie nicht mal in der Lage sind, einem jungen Praktikanten ein paar kleine, angemessene Aufgaben zu delegieren und ihn ein wenig anzuleiten, dann ist das schon ein Armutszeugnis…

  3. Es zeigt doch eher, dass die Uni KEINE Praxis vermitteln kann – also keine Uni und statt dessen “learning by doing” – denn die übereilten Kommentare der (der nicht gefragten) Studenten brachte man am wenigsten.
    Mussten sich auch lieber zum Kaffee treffen und ausdiskutieren welchen Zug man am Freitag Mittag 14.00 zurück in die Heimat nimmt…geht gar nicht – entweder das 12-14 Stunden Programm mit durchziehen oder gar nicht erscheinen.

  4. Einer der dümmsten Kommentare, die ich hier gelesen habe! Was für armselige Gestalten arbeiten eigentlich im I-Banking? Lieber Autor – entweder bist du selbst Praktikant oder aber eben ein super wichtiger First Year was auch immer… Einfach mal in Bescheidenheit üben und ansonsten hoffen, dass kein VP oder MD Dich wegen Rechtschreibfehler ins Büro zitiert…

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