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Wieso die Vorstände deutscher Finanzdienstleister ihr Geld nicht wert sind und dennoch lachen können

Durch den beträchtlichen Anteil variabler Vergütungen sind die Gehälter bei Finanzdienstleistern und gerade den Banken an die Geschäftsentwicklung gebunden. Purzeln die Gewinne wie zumeist in 2010, so fallen auch die Vergütungen der Mitarbeiter bescheidener aus.

Nach den Geschäftszahlen trifft dies auch zu: So brach der Vorsteuergewinn bei der Deutschen Bank in 2010 um 23,6 Prozent auf unter 4 Mrd. Euro ein. Folglich verringerte sich auch der durchschnittliche Personalaufwand pro Kopf um 15,4 Prozent auf gut 124.000 Euro.

Vorstandsbezüge steigen, während Gewinne und Personalvergütungen fallen

Doch dieser klare Zusammenhang scheint vor der Chefetage haltzumachen, wie eine Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSV) zur Vorstandsvergütung sämtlicher Unternehmen aus DAX und MDAX jetzt belegt. Demnach stiegen die Vorstandsbezüge der sieben in den beiden Indizes enthaltenen Finanzdienstleister an, obgleich die Vorsteuergewinne bei den meisten dieser Unternehmen nachgaben oder auf Vorjahresniveau verharrten.

So genossen Josef Ackermann, Anshu Jain und ihre Kollegen im Vorstand der Deutschen Bank einen Vergütungszuwachs um durchschnittlich 17 Prozent auf gut 6,5 Mio. Euro pro Kopf – versteht sich.

Noch krasser fällt das Missverhältnis bei der Deutschen Börse aus. Dort purzelte der Vorsteuergewinn um 14,8 Prozent auf knapp 418 Mio. Euro, während die Vorstandsmitglieder mit einem Vergütungszuwachs von satten 50 Prozent auf gut 2,5 Mio. Euro “belohnt” wurden.

Auf den ersten Blick scheint die Deutsche Börse auch ihre übrigen Beschäftigen ausgesprochen großzügig zu entlohnen, denn der durchschnittliche Personalaufwand kletterte in 2010 um stolze 28,6 Prozent auf gut 150.000 Euro. Doch diese glänzenden Zahlen kommen nur zustande, weil im Personalaufwand größere Summen für Abfindungszahlungen für den anstehenden Personalabbau anfallen.

Prof. Gunther Friedl von der DSW sieht diese widersprüchliche Entwicklung kritisch: “Auch bei der Deutschen Bank verwundert der starke Anstieg der variablen Barvergütung angesichts des stark gesunkenen EPS (Earnings per share). Bei der Ermittlung des Bonus spielt indes auch die Eigenkapitalrendite eine wichtige Rolle, aber auch diese Kennzahl ist im Vergleich zu 2009 gesunken. Ähnlich verwunderlich ist die Steigerung der variablen Barvergütung bei der Deutschen Börse, die als Bemessungsgrundlage den Konzern-Jahresabschluss zugrunde legt. Dieser ist im Vergleich zu 2009 gesunken, während die Boni um über 60 Prozent gestiegen sind.”

Vorstandsbezüge der Finanzdienstleister aus DAX und MDAX

1. Deutsche Bank: 6,526 Mio. Euro (+17,19 Prozent)

2. Allianz: 3,784 Mio. Euro (+22,59 Prozent)

3. Deutsche Börse: 2,528 Mio. Euro (+49,98 Prozent)

4. Münchner Rück: 2,369 Mio. Euro (+19,95 Prozent)

5. Hannover Rück: 909.000 Euro (+36,78 Prozent)

6. Commerzbank: 575.000 Euro (+4,58 Prozent)

7. Aareal Bank: 535.000 Euro (+0,58 Prozent)

Quelle: DSW

Vorsteuergewinn der Finanzdienstleister aus DAX und MDAX

1. Allianz: 5,209 Mrd. Euro (+12,0 Prozent)

2. Deutsche Bank: 3,975 Mrd. Euro (-23,6 Prozent)

3. Münchner Rück: 3,122 Mrd. Euro (-18,4 Prozent)

4. Commerzbank:1,353 Mrd. Euro (Vorjahr Verluste)

5. Hannover Rück: 1,174 Mrd. Euro (+2,7 Prozent)

6. Deutsche Börse: 417,8 Mio. Euro (-15,8 Prozent)

7. Aareal Bank: 134 Mio. Euro (+54 Prozent)

Quelle: Geschäftsberichte

Personalaufwand pro Kopf dieser Finanzdienstleister

1. Deutsche Börse: 152.121 (+28,6 Prozent)

2. Deutsche Bank: 124.150 Euro (-15,4 Prozent)

3. Aareal Bank: 93.893 (-1,6 Prozent)

4. Hannover Rück: 90.538 (+9,1 Prozent)

5. Commerzbank: 74.753 (-0,3 Prozent)

6. Allianz: 69.718 (+8,1 Prozent)

7. Münchner Rück: 68.022 Euro (+10,8 Prozent)

Quelle: Geschäftsberichte

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