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UBS machts vor: Wie sich Banker anständig kleiden

Rund um den Globus herrscht großes Gelächter über den Dresscode der UBS. “Die UBS möchte besser aussehen als ihre Bilanz”, schrieb beispielsweise John Gapper von der englischen Financial Times.

Dabei schreibt die UBS in ihrem 44 Seiten langen Ratgeber lediglich auf, was sich in der Branche gehört. Da der Dresscode nur auf Französisch in die Presse gelangte, hat eFinancialCareers.ch die wichtigsten Passagen ins Deutsche übersetzt, damit sich Leser das Schriftstück ausdrucken und in ihren Kleiderschrank heften können:

Eine philosophische Frage oder wieso Kleidung zu einem besseren Karma verhilft

“Für unser Geschäft ist es von entscheidender Bedeutung, solide Beziehungen zu unseren Kunden, Aktionären und zu unserer Umgebung herzustellen – auf der Basis des gegenseitigen Respekts”, schreibt die UBS in einem eleganten Französisch. “Die Reputation der UBS stellt unser wertvollstes Gut dar.”

Dabei ist der Dresscode wohldurchdacht und mag so manchem Marketingprofessor entzücken. Denn bei der Kleidung handle es sich um den Hauptträger der “nichtverbalen Kommunikation”. “Die Beachtung des Dresscodes diktiert eine gepflegte Erscheinung und ein korrekter Auftritt trägt dazu bei, unsere Werte und unsere Kultur zu kommunizieren.”

Daher sind gedeckte Farben für UBS-Mitarbeiter Pflicht: “Unser Kleidungsstil reflektiert unsere Arbeitsweise. Individuen werden hauptsächlich nach ihrer Erscheinung beurteilt. Dunkles Anthrazit, Schwarz und Dunkelblau symbolisieren Kompetenz, Förmlichkeit und Seriosität.”

Laut den Autoren des Dresscodes scheint eine gediegene Kleidung auch das Karma zu fördern: “Eine einwandfreie Erscheinung verhilft zum inneren Frieden und zu einem Gefühl von Sicherheit.”

Für die Damen

Bei der Länge der Röcke versteht die UBS keinen Spaß: “Die Länge des idealen Rocks reicht bis zur Mitte des Knies und fällt bis zu fünf Zentimeter unterhalb des Knies hinab (die Maße verstehen sich ab Mitte des Knies).” Dabei darf der Rock beim gehen keinesfalls nach oben rutschen.

Ausgiebig widmen sich die Autoren der Unterwäsche ihres weiblichen Personals: “Die Unterwäsche stellt eines der intimsten Teile unserer Bekleidung dar. Daher darf sie nicht unbeachtet bleiben, ganz im Gegenteil, sie muss Ihnen perfekt passen, niemals zwicken, nicht in die Haut einschneiden und natürlich nicht unter Ihrer Kleidung sichtbar sein.”

Auch die Strumpfhosen stellen aus Sicht der UBS einen heiklen Punkt dar. Sie dürfen keinesfalls gemustert sein. Daher ist auch ein Machtwort angebracht: “Das Tragen undurchsichtiger Strumpfhosen, Netzstrumpfhosen, Strümpfen mit phantasievollen Mustern oder allzu glänzende Strumpfhosen ist untersagt.”

Bei der Verwendung von Deodorants und Parfüms wird es wieder philosophischer: “Wie die Mehrheit von uns denkt, spielen die Gerüche und Farben eine wichtige Rolle für unsere äußere Erscheinung. Und wie Ihr Make-up bringt Ihr Parfüm Ihre Persönlichkeit zum Ausdruck.” Mithin sollte das Parfüm diskret und nur in Armlänge wahrnehmbar sein.

Dabei hat die UBS auch interessante Informationen zum richtigen Timing beim Parfürmieren parat: “Der ideale Moment, um sich zu parfümieren, ist direkt nach einer heißen Dusche, da dann die Poren der Haut noch geöffnet sind. So halten die Gerüche länger.”

Für die Herren

Für die Herren ist ein dunkler Anzug selbstverständlich. “Das Jackett muss vollständig ihren Hintern bedecken. Beachten Sie, dass das Hosenende eine leichte leichte Falte oberhalb des Schuhes bildet.”

“Einem Auftritt ohne adäquate Schuhe mangelt es an Kohärenz. Die Schuhe stellen wortwörtlich die Basis Ihres Auftritts dar”, stellen die Autoren fest. Ungeschnürte Modelle sind ebenso tabu wie Cowboystiefel, worauf die UBS ausdrücklich (!) hinweist. Auch hier besitzt die UBS ein Gespür für Details: “Wechseln Sie Ihre Schuhe täglich: mit frischen’ Schuhen riechen Sie besser und verbessern Ihre Arbeitsleistung.”

Abschließend wenden sich die Autoren der Schmuckfrage zu. “Es ist unnötig, hiervon zu viel zu tragen. Wählen Sie vielmehr einige farbige und elegante Accessoires, die Ihrem Aussehen den letzten Schliff verleihen.” Dabei sollten nicht mehr als drei derartige Accessoires getragen werden, wobei farbige Brillengestelle mitgerechnet werden. Sonnenbrillen dürfen indes nicht getragen werden, schon gar nicht hochgesteckt. Und am Ende wird es noch einmal förmlich: “Der Dresscode verlangt, keine Armreifen oder Ohrringe zu tragen. Piercings und Tattoos sind untersagt.”

Kommentare (4)

Comments
  1. Mit Verhaltensregeln wie diesem Dresscode ist es immer das gleiche. Diejenigen Menschen, deren Erziehung von vornherein solche Regeln überflüssig machen, lesen sicher mit Interesse diesen Artikel. Aber solche Menschen, die ihn dringend lesen und verinnerlichen müssten, interessieren sich nicht dafür!

  2. Zitat:
    “…Tipps und Tricks:
    Die Brille sollte sauber gehalten werden: erstens kann man
    dann besser durch sie hindurchsehen (!) und zweitens wirken
    schmierige Augengläser äusserst ungepflegt.”

    Und solche “Individuen” sollen andere hinsichtlich ihrer Geldanlage beraten…

  3. @ Thomas Weber

    lieber den Dresscode so, als ein “Every Casual Day”, wo es dann einige immerwieder auf die Spitze treiben, und in einer verschlissenen Jeans und T-Shirt ankommen, die zwei Stunden zuvor noch in der durchnächtigten Disco getragen wurde – das ist kein Scherz, sondern Realität gewesen!

    “Kleide Dich so, wie Du sein willst” – nämlich verantwortungsvoller und -bewußter Manager!

  4. Die, die es verinnerlichen müssten, interessieren sich schon dafür, aber nur um über die fiesen Arbeitgeber zu lästern. Pflege ist für sie ein Eingriff in die Privatsphäre. Ich arbeite zwar nur in einem Großraumbüro, aber dennoch bin ich entsetzt, wie die Kollegen sich teilweise geben.

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