☰ Menu eFinancialCareers

Wieso ich meinen Job bei Pimco für mein eigenes Startup aufgegeben habe

selbstaendig

Viele Investmentbanker träumen davon, der Branche den Rücken zuzukehren und ihr eigenes kleines Unternehmen aufzuziehen. Einige wollen sogar an der Lösung ernster gesellschaftlicher Probleme mitwirken. Mutaz Qubbaj ist beides gelungen.

Nach einer 15jährigen Karriere in den Finanzdienstleistungen hat er sich entschieden, auf der Fintech-Welle mitzureiten. So hat er eine Plattform für „finanzielle Wellness“ aufgemacht. Seinen guten Job beim weltgrößten Anleihefonds Pimco, einer Allianztocher, hat er dafür gern aufgegeben. Mit dem Projekt will er gegen die „Halsabschneiderei“ der in Großbritannien boomenden Sofortkredit-Webseiten vorgehen. Dort können sich klamme Leute für exzessive Zinsen Geld bis zur nächsten Gehaltszahlung leihen.

„Die Sofortkredit-Unternehmen plündern die finanziell Verletzlichen aus, aber die meisten von ihren Kunden besitzen eine Arbeit. Die traurige Tatsache lautet, dass viele Leute in Großbritannien ein verfügbares Einkommen von weniger als 8 Pfund (10 Euro) am Tag haben und einer von vier hat am Ende des Monats nur noch 50 Pfund (70 Euro) übrig. Dann kann man ganz schnell in Schwierigkeiten geraten“, betont Qubbaj.

Die Grundidee von seinem Projekt „Squirrel“ – was Eichhörnchen auf Englisch bedeutet – geht davon aus, dass die Finanzen in Ordnung sind, bevor das Gehalt auf dem Privatkonto landet. Für die anfälligen Rechnungen gibt es ein Budget, es werden Ersparnisse gebildet und das Monatsgehalt wird gestaffelt, um sicherzustellen, dass man innerhalb des Budgets bleibt und das Geld nicht vor dem Monatsende ausgeht.

Qubbaj hat seine Karriere im Trading mit verbrieften Hypotheken bei Morgan Stanley in New York begonnen, als die Dotcom-Blase gerade ihr größtes Ausmaß erreichte. Die Investmentbanken haben sich auf dem Campus des renommierten Massachusetts Institute of Technology umgeschaut, wo Qubbaj gerade seinen Abschluss in Ingenieurswissenschaften und IT machte. Dort versuchten sie reihenweise Absolventen mit einem mathematisch-technischen Background anzuheuern.

„Ich arbeitete ein Jahr bei einem Internet-Startup. Damals waren die Hürden allerdings wesentlich höher, ein Produkt in den Markt einzuführen und es wäre schon ein ziemliches Risiko gewesen, den unternehmerischen Weg einzuschlagen“, sagt er. „Ich habe mich für ein regelmäßiges Gehalt entschieden und die Arbeit für ein multinationales Unternehmen erleichterte mir es, ein Arbeitsvisum für die USA zu bekommen. Ich war zufrieden damit, ein kleines Rädchen in einer großen Maschine zu sein.“

Doch Qubbaj ist nicht nur Unternehmensgründer, sondern bringt auch ein Verkaufstalent mit. So gelang es Squirrel gleich von mehreren Fördergrammen für Fintech-Startups zu profitieren – darunter das Barclays Fintech Accelerator Programm.

„Das Accelerator-Programm eröffnet uns den Zugang zu über 100 Mentoren. Uns fragen tatsächlich Leute jeden Tag, wieso es uns noch gibt“, erzählt er. „Das ist schon demütigend, dennoch half es uns dabei, Vertrauen in unser Produkt zu gewinnen und es weiterzuentwickeln.“

Trotz aller philanthropischen Absichten lässt Qubbaj keine Gelegenheit aus, die Marktchancen seines Produktes anzupreisen und er kennt seine Zahlen. So weiß er, dass 20 Mio. Menschen im Vereinigten Königreich weniger als 25.000 Pfund (33.500 Euro) im Jahr verdienen und dass Stress und Krankheiten die Unternehmen mindestens 4 Prozent ihres Gewinns kosten.

Wie die meisten Startups hat auch Squirrel mit Kinderkrankheiten zu kämpfen. So berichtet Qubbaj von den ersten Monaten, als sie das Personal aus ihrer eigenen Tasche bezahlen mussten. Wie nicht anders zu erwarten, fielen auch die Arbeitszeiten lang aus, aber wenigstens seien sie ihre eigenen Herren. „Ich wache um 2 Uhr mit einer neuen Idee auf, wie man das Produkt verbessern könne und habe eine Stunde damit verbracht, eine E-Mail an das Team zu schreiben, bevor ich wieder ins Bett gegangen bin.“

Laut Qubbaj hat Squirrel bislang nur acht Angestellte. Dennoch suche sein Unternehmen nach Programmierern und Designern, die Verständnis für Finanzfragen mitbringen „Falls Sie Talent haben und in Lichtgeschwindigkeit arbeiten können, dann sollten wir vielleicht miteinander sprechen.“

Kommentare (0)

Comments

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier