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Die vier entscheidenden Phasen einer Banking-Karriere

Wie man eine Karriere im Banking überlebt.

Wie man eine Karriere im Banking überlebt.

Nicht nur Produkte weisen einen Lebenszyklus auf, sondern auch Karrieren. Wir haben mit Experten gesprochen und untersucht, welche Karrierephasen es im Banking gibt und was in der jeweiligen Zeit für eine erfolgreiche Karriere ausschlaggebend ist.

1. Der Fachmann

Während der ersten Phase Ihrer Banking-Karriere, gleich nach der Uni mit Mitte 20, dreht sich für Analysten und Associates alles um Leistung, ein Auge fürs Detail und harte Plackerei.

„Als Analyst oder Associate müssen Sie in den fachlichen Aspekten Ihres Jobs brillieren“, betont Mary Busch, die früher als COO bei Morgan Stanley in Europa tätig war und heute als Karrierecoach arbeitet. „Sie müssen die Alltagsarbeit im Griff haben. Falls Sie in M&A arbeiten, dann bedeutet dies Finanzmodelle zu erstellen. Sofern Sie in Sales und Trading arbeiten, dann müssen Sie die Finanzmärkte verstehen.“

Bei einem Interview äußerte sich Lino Lekkas, der bei der Citigroup das Corporate and Investment Banking für Europa, den Mittleren Osten und Afrika verantwortet, vor einiger Zeit ganz ähnlich. „In Ihren frühen Karrierejahren müssen Sie sich als verlässliches und sicheres paar Hände erweisen. Falls Sie das nicht hinbekommen und nicht die Anerkennung finden, die Sie als solide Basis benötigen, dann werden Sie vielleicht als talentiert, aber unverlässlich angesehen“, erläuterte Lekkas.

Die Karriere-Fallen: Während der Zeit als Fachmann besteht eine sehr hohe Burnout-Gefährdung. Eine Studie der Universität von Kalifornien und der ehemaligen Bankerin Alexandra Michel kam zu dem Ergebnis, dass sich die Banker untereinander in einem so starken Wettbewerb befinden, dass sich in den ersten drei Jahren bereits erste Symptome für einen körperlichen Zusammenbruch einstellen. In den Jahren vier bis sechs tritt dieser oftmals tatsächlich ein, warnt Michel. Anschließend lernen die Banker entweder mit ihren Bedürfnissen umzugehen oder sie verlassen die Branche.

Falls Sie die körperliche Anstrengung überstehen, dann können Sie immer noch unter mentaler Erschöpfung leiden. Die Arbeit von Analysten und Associates kann schon eintönig werden, besonders in der Investment Banking Division (IBD), wo Einsteiger vor allem mit dem Entwerfen von Finanzmodellen beschäftigt sind. Es kommt in der Branche vor, dass die Leute nicht nur wegen der Erschöpfung, sondern auch wegen der Eintönigkeit abspringen.

2. Der Entdecker

Sobald Sie die Fachmann-Phase überstanden haben, müssen Sie sich danach umschauen, wie Sie Ihre Talente am besten einsetzen. „Finden Sie heraus, wo Ihre natürliche Heimat ist“, sagt Busch. „Sie müssen in Ihrem Kernjob ‚gut genug‘ sein und dann müssen Sie das Unternehmen erkunden und sich umschauen, wo Sie am besten arbeiten können. Sie wollen schließlich in keinem Job enden, in dem Sie schwach sind. Schauen Sie sich nach Jobs um, in denen Ihre natürlichen Fähigkeiten zum Zuge kommen und konzentrieren Sie sich darauf.“

Die Entdeckerjahre beginnen als Associate im zweiten Jahr und enden als Junior Vice President. In dieser Zeit kommt es darauf an, Beziehungen und Netzwerke innerhalb des Unternehmens aufzubauen. Sie müssen sich nach Mentoren und Förderern umschauen, die Sie unterstützen und Ihnen die Chance eröffnen sich zu beweisen.

In dieser Phase sollten Sie auch darüber nachdenken, den Arbeitgeber zu wechseln. Falls Sie bei einem Unternehmen aus der zweiten oder dritten Reihe arbeiten, sollten Sie zumindest versuchen zu einer renommierteren Adresse zu wechseln. Falls Sie in einem Team arbeiten, das keine Deals durchführt, dann sollten Sie sich nach einem umschauen, in dem tatsächlich etwas vorangeht.

Die Karriere-Fallen: Die größte Sünde eines Entdeckers besteht darin, nicht nach den eigenen Stärken zu arbeiten. Es besteht immer die Gefahr, dass Sie steckenbleiben. Falls es Ihnen nicht gelingt, die richtigen Förderer oder den passenden Job zu finden, dann werden Sie es später bereuen.

3. Der Marathonläufer

Die Marathonjahre, die von gut 30 bis in Ihre 40er dauern, stellen den Lebensabschnitt dar, in dem sich eine Karriere entscheidet. Mit etwas Glück gelingt es Ihnen in dieser Zeit, vom Vice President zum Managing Director aufzusteigen. Laut Busch müssen Sie als Marathonläufer „alles im Griff haben und schnell laufen“.

In diesem Abschnitt müssen Sie damit beginnen, für das Unternehmen Erträge zu erwirtschaften. Falls Sie in der Investment Banking Division oder Sales arbeiten, müssen Sie Ihre eigenen Kundenkontakte aufbauen. Sie müssen für Ihre Kompetenz in einem bestimmten Feld bekannt sein und Sie müssen einen Track Record an Erfolgen aufbauen. Als Trader wiederum müssen Sie sich als Produktspezialist etablieren, der einen guten Gewinn innerhalb der Risikoparameter der Bank einfahren kann.

Während der Marathonzeit müssen Sie nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb des Unternehmens Ihre Kontakte ausbauen und vertiefen. Falls Sie in dieser Zeit den Arbeitgeber wechseln, dann sollten Sie möglichst dorthin gehen, wo Sie bereits über ein gewisses Netzwerk verfügen. Daher macht es auch Sinn im Team zu wechseln oder zu einer Adresse zu gehen, wo bereits ehemaligen Kollegen und Vorgesetzte arbeiten.

Die Karriere-Fallen: In der Marathonphase geraten Karrieren ins Straucheln, wenn Sie während Ihrer Entdeckerjahre nicht genügend in die Erforschung Ihres Karriereterrains investiert haben. Falls Sie sich im falschen Job und im falschen Unternehmen ohne Förderer befinden, dann dürften Sie kaum vorankommen.

Laut Busch geraten Karrieren auch ins Taumeln, wenn die Leute zu ungeduldig sind und ein mangelndes Verständnis für den Aufbau von internen Netzwerken mitbringen. „Ich sehe regelmäßig Leute entgleisen, weil Sie keine Beziehungen zu ihren Kollegen aufgebaut haben“, erläutert die Expertin. „Sie glauben es genüge, ihren Kopf einzuziehen und den Job gut zu erledigen. Doch das stimmt nicht.“

In dieser Zeit müssen Sie auch beginnen, Ihre Karriere pro-aktiver zu managen. „Als Analyst und Associate bewegen Sie sich in vorgegebenen Bahnen. Als Vice President ändert sich das, dann gibt es keine Unterstützung mehr für Ihre Karriere“, mahnt Busch.

Marathonläufer sind auch besonders anfällig für unglückliche Zufälle. Falls sie auf Produkte wie Kreditderivate spezialisiert sind, die außer Mode geraten, dann stellt dies schon eine Entgleisung der Karriere dar. Falls Ihre Förderer das Unternehmen verlassen, dann finden Sie sich in einer schwierigen Situation wieder und Ihre Karriere kann sich verlangsamen. „Hierbei spielt Glück eine große Rolle“, sagt Clive. „Entweder befinden Sie sich in einem Geschäftsfeld, welches sich gut entwickelt oder nicht. Entweder befinden Sie sich in einer Position, wo es Beförderungschancen gibt oder nicht. Im letzteren Fall müssen Sie das Unternehmen wechseln.“

4. Der Weise

Die Phase des Weisen stellt den Höhepunkt einer jeden Karriere dar. Dabei handelt es sich z.B. um Managing Directors mit starker Kundenbasis, die die Kunst des internen und externen Netzwerkens beherrschen. „Es handelt sich um eine Mischung von Fleiß, Glück und Fähigkeit“, meint Clive. „Wer es so weit gebracht hat, arbeitet hart, kommt voran und verärgert keine anderen Leute. Es handelt sich um Leute, die gut zurechtkommen, auch wenn es einmal steinig wird, die im Unternehmen über Ansehen genießen und als ein paar zuverlässiges Paar Hände betrachtet werden.“

Die Weisen sind üblicherweise mindestens Ende 30. „Sie verfügen über interne Förderer“, sagt Busch. „Sie haben während ihres langen Weges Feedback erhalten und dementsprechend gehandelt, so dass sie wachsen und sich verbessern konnten. Sie sind exzellent in ihrem Job und unterhalten gleichzeitig etablierte Beziehungen zu internen und externen Persönlichkeiten. Und Sie haben bereits Resultate geliefert.“

Laut Busch handelt es sich bei Bankern, die diesen Karrierelevel erreicht haben, um geschickte Manager, die mit Menschen umzugehen wissen. „Sie haben gelernt, nicht zuzustimmen ohne unangenehm zu werden, und sie sind gut darin, Angelegenheiten positiv zu beeinflussen. Sie jammern und beschweren sich nicht und sie stellen nichts schwarzweiß dar. Vielmehr sagen sie: Hier ist ein Problem und hier die Lösung und die Chance.“

Die Karriere-Fallen: Trotz aller ihrer Vorzüge sind die Weisen angreifbar, da sie recht teure Arbeitskräfte darstellen. Falls Sie sich ihre Märkte im Abwärtstrend befinden, dann werden sie auch rasch vor die Tür gesetzt. Daher besteht das Leben eines Weisen darin, sein Verdienstpotenzial so lange wie möglich auszuschöpfen. Auf diesem Karrierelevel kann es Sinn machen, den Arbeitgeber zu wechseln und sogar zu einem Unternehmen aus der zweiten oder dritten Reihe zu gehen, das Ihre Kompetenzen zu schätzen weiß – aber nur wenn sie dafür auch zahlen. „Falls Sie erstklassig sind und ein Unternehmen aus der zweiten Reihe bereit ist, Ihnen eine Menge Geld zu zahlen, dann kann ein Wechsel sinnvoll sein“, sagt Clive. „Aber es besteht das Risiko, dass es Ihnen niemals wieder gelingt zu einer erstrangingen Bank zurückzukehren und dass es sich um das Ende Ihrer Karriere handelt.“

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