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INTERVIEW mit Dorothee Blessing: Was plant J.P. Morgan im Investment Banking in Deutschland?

Dorothee Blessing

Dorothee Blessing

Vor Kurzem wurde bekannt, dass J.P. Morgan sich in Deutschland verstärken möchte. Dorothee Blessing, Vice Chairmain Investment Banking der US-Investment Bank für Europa, den Mittleren Osten und Afrika erläutert in einem Interview mit eFinancialCareers.de die Pläne und gibt Nachwuchsbankern nützliche Tipps mit auf den Karriereweg. Die 47jährige hat 1992 ihre Karriere nach einem BWL-Studium an der Uni St. Gallen und der HEC Paris bei Goldman Sachs begonnen, wo sie zur Co-Chefin für Deutschland und Österreich aufstieg. Seit 2014 arbeitet die Ehefrau von Commerzbank-Chef Martin Blessing bei J.P. Morgan.

Wie lauten Ihre Prognosen für die Entwicklung des Investment Banking-Geschäfts in Deutschland 2015?

Wir befinden uns weiterhin in einer Phase des Aufschwungs im Investmentbanking Share on twitter. Und wir kommen bereits aus einem aktiven Jahr, sowohl in Bezug auf Eigen- und Fremdkapitalfinanzierungen, IPOs und einem sehr regen M&A-Markt. Allerdings gibt es in den Märkten aus unterschiedlichen Gründen auch volatilere Phasen: Denken Sie an die Währungsschwankungen, die Wahlen in Großbritannien, geopolitische Entwicklungen – alle diese Ereignisse können Einfluss nehmen und müssen insbesondere bei Kapitalmarkttransaktionen berücksichtigt werden.

Welche Pläne verfolgt J.P. Morgan im Investmentbanking in Deutschland? In welchen Sektoren (z.B. M&A, ECM) sehen Sie die besten Chancen?

Nach einem sehr aktiven M&A- und ECM-Jahr in 2014 liegt die Messlatte hoch, aber wir erwarten ein ähnlich produktives Jahr 2015. Wir hatten mit dem von uns geführten Börsengang von Tele Columbus einen besonders guten Start in das Jahr, es war der erste IPO weltweit. 2014 war ein Rekordjahr in Bezug auf Börsengänge, daher muss man realistisch bleiben bei den zu erwartenden IPOs für 2015, aber wir haben eine gute Pipeline und erwarten in etwa die gleiche Anzahl wie im vergangenen Jahr. Auch das M&A-Jahr war 2014 in Deutschland besonders aktiv, wir waren bei den größten Transaktionen involviert, wie beispielsweise bei Merck, Deutsche Annington, oder auch die Beratung von Macquarie bei EON. 2015 verspricht ein sehr aktives M&A-Jahr zu werden. Wir sehen im Moment sowohl grenzüberschreitende Transaktionen als auch Konsolidierungen in einigen Industrien, aber auch die Aktivität der Private Equity-Investoren auf der Käufer- und der Verkäuferseite ist rege.

Gibt es so etwas wie eine Mittelstandsinitiative bei J.P. Morgan oder konzentriert sich J.P. Morgan in Deutschland auf das Geschäft mit DAX- und MDAX-Konzernen?

Wir bei J.P. Morgan haben eine langjährige Geschichte als Bank in der deutschen Unternehmenslandschaft. Unsere Klienten finden sich sowohl im Bereich der globalen Großunternehmen, als auch im deutschen Mittelstand, ob börsennotiert oder in privater Hand. Für uns steht nicht die Unternehmensgröße im Vordergrund, sondern wie wir als Haus mit unseren Dienstleistungen und Produkten lösungsorientiert Unternehmen und ihre Entscheidungsträger unterstützen können.

Wie viele Mitarbeiter gedenkt J.P. Morgan 2015 in Deutschland im Investmentbanking einzustellen? Wird es unter dem Strich einen Personalaufbau geben?

Wir äußern uns nicht zu konkreten Zielgrößen, aber wir haben ein sehr gutes Team und sind selbstverständlich am Recruiting Markt aktiv, um dieses weiterzuentwickeln.

Im deutschen Investment Banking wird regelmäßig über einen akuten Junior-Mangel geklagt (Senior Analysts, Associates). Wie stellt sich die Situation bei J.P. Morgan dar?

Die Ausbildung für unsere Junior Banker wird bei J.P. Morgan sehr groß geschrieben und unser Ausbildungsprogramm genießt einen sehr guten Ruf unter Absolventen. Es endet nicht mit dem anfänglichen Schulungsprogramm in New York und London, sondern genauso wichtig ist die kontinuierliche Weiterbildung auf allen Ebenen. Wir haben im vergangenen Jahr weltweit die Anzahl der Junior-Banker um circa 10 Prozent erhöht.

Welche Tipps würden Sie Studenten und Absolventen für eine erfolgreiche Karriereentwicklung mit auf den Weg geben?

Viele Studenten nutzen bereits während ihres Studiums die Semesterferien, um frühzeitig durch Praktika erste Berufserfahrung zu sammeln und für sich zu identifizieren, wo ihre Interessen und auch Stärken liegen. Dies halte ich für enorm wichtig, denn auch wir nutzen diese Möglichkeit gleichermaßen, neue Talente „on the job“ zu entdecken. Ein weiterer Tipp an Berufsanfänger ist, sich  eine professionelle Neugierde aufrechtzuerhalten und auch keine Scheu zu haben, Gegebenes zu hinterfragen.

… und welche jungen Investmentbankern?

Junge Investmentbanker sollten die Möglichkeiten nutzen, die ihnen gerade große Investmentbanken bieten können. Dazu zählen neben den Trainings- und Fortbildungsprogrammen auch internationale Mobilität durch Rotationsprogramme an andere Standorte. Auch die Möglichkeit verschiedene Produkt- und Industriegruppen kennenzulernen sollte unbedingt genutzt werden.


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