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Mit welchen Fragen M&A-Experten in Vorstellungsgesprächen rechnen müssen

Können Sie einen Leveraged Buy Out erklären?

Können Sie einen Leveraged Buy Out erklären?

Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen hat ein glänzendes Jahr hinter sich. Daher stellen die M&A-Teams jetzt auch neues Personal ein, wobei im deutschsprachigen Raum vor allem Juniors heiß begehrt sind. Der eine oder andere mag der Verlockung erliegen, Chancen bei einem neuen Arbeitgeber wahrzunehmen. Doch vor dem Traumjob steht das Vorstellungsgespräch. Wir haben zusammengestellt, auf welche Fragen sich Teilnehmer an einem M&A-Interview einstellen sollten.

1. Rechnen Sie mit der Frage, ob Sie zum Unternehmen oder Team passen

In der Branche sind Arbeitszeiten von 90 Stunden pro Woche keine Seltenheit. Viele M&A-Banker verbringen daher den Großteil ihrer wachen Stunden mit ihren Kollegen. Umso wichtiger ist es, dass Sie mit Ihren Kollegen gut auskommen. „Wenn ich gleichwertige Kandidaten mit einer soliden Ausbildung und einem guten Track Record vor mir habe, dann entscheide ich mich für den, mit dem man mehr Spaß hat“, erzählt beispielsweise Linoks Lekkas von der Citigroup. „In dieser Branche verbringen Sie eine Menge Zeit mit Ihren Kollegen und das Leben ist zu kurz, um Trübsal zu blasen“, ergänzt Lekkas.

Doch mit welchen Fragen müssen Teilnehmer an einem M&A-Vorstellungsgespräch rechnen? Laut dem ehemaligen M&A-Analysten und heutigen Karrierecoach Guillaume Tardy-Joubert von Coaching Assembly müsse man auf die Klassiker vorbereitet sein wie: „Wieso möchten Sie den Job haben? Wieso wollen Sie gerade bei uns anfangen? Und was sind Ihre Interessen außerhalb der Arbeit?“

Zur Beantwortung dieser Frage rät Tardy-Joubert gewissermaßen zwischen den Zeilen zu lesen und zu ermessen, was die Banken tatsächlich erfahren wollen. Wenn sie also fragen, wieso Sie den Job wollen, dann möchten sie tatsächlich wissen, wieso sie Tag und Nacht über Jahre hinweg durcharbeiten wollen. Wenn gefragt wird, wieso Sie für dieses Unternehmen arbeiten möchten, dann wollen Sie hören, dass Sie sich gut über das Unternehmen und sein Geschäftsmodell informiert haben. Und wenn es um Ihre Hobbies geht, dann wollen Sie abgleichen, ob man mit Ihnen Spaß haben kann.

Auch Mark Hatz hat früher im Investment Banking von Goldman Sachs und Perella Weinberg gearbeitet. Laut dem heutigen Karrierecoach würden viele M&A-Spezialisten einen ähnlichen Hintergrund mitbringen. Daher müssen Sie sich in Ihren Antworten von Ihren Mitbewerbern abheben. „Jeder erzählt, dass er Tennis, Golf usf. spielt. Falls Sie tatsächlich irgendwelche außergewöhnliche Interessen verfolgen, dann sollten Sie sie auch erwähnen und darüber detailliert sprechen.“

Die Fragen, ob Sie dazu passen, können auch als Fragen zu Ihren Kompetenzen daherkommen. Damit möchten die Banken erfahren, ob Ihre Fähigkeiten und Verhaltensweisen dem Gesuchten entsprechen. „Sie bitten Sie von Ihrer Berufserfahrung, Ihren Leistungen oder Ihren Konflikten am Arbeitsplatz zu erzählen“, sagt Hatz.

Derartige Fragen lassen sich am leichtesten mit der STAR-Methode beantworten, wobei STAR für „Situation, Task, Action und Results“ steht. Zunächst stellen Sie also das Problem dar und welche Lösung Sie dafür vorgesehen haben. Anschließend erläutern Sie, wie Sie das Problem gelöst haben und zu welchen Erfolgen dies geführt hat. Derartige Fragen gehören zum Standard-Repertoire von Vorstellungsgesprächen und lassen sich entsprechend leicht vorbereiten. Hatz rät dabei auch auf die Performance zu achten: „Ihrem Auftreten kommt hierbei eine große Rolle zu. Sie müssen lächeln, klar und deutlich sprechen, gut zuhören und niemanden unterbrechen.“

2. Rechnen Sie mit Denkaufgaben

Denkaufgaben sind ein wenig aus der Mode gekommen, nachdem sich bei Google herausstellte, dass sie keine Aussagekraft über die Eignung eines Kandidaten besitzen. Dennoch kommen sie immer noch vor. Dabei handelt es sich um so wichtige Fragen wie: „Wie viele Schweine gibt es in China?“ Bei der Beantwortung kommt es weniger auf eine korrekte Antwort an. Vielmehr will der Arbeitgeber in spe sehen, wie Sie eine solche Aufgabe gedanklich angehen. „Es dreht sich alles um die Einstellung“, meint Hatz. „Sie müssen zeigen, dass Sie rational und flexibel denken können.“

3. Rechnen Sie mit Fragen nach Bewertungsmethoden

Auch Fachfragen werden bei Vorstellungsgesprächen gerne vorgebracht. Im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen wollen die Teilnehmer an einem Vorstellungsgespräch regelmäßig wissen, ob der Kandidat die einschlägigen Methoden zur Unternehmensbewertung beherrscht. Laut dem ehemaligen JP Morgan-Mitarbeiter und heutigem Karrierecoach Matan Feldman von Wall Street Prep werden Fachfragen sogar immer beliebter. „Die Dynamik des Einstellungsprozesses hat sich seit der Krise gewandelt“, beobachtet Feldman. Die Banken stellen mehr Leute mit Hauptfächern in Betriebswirtschaft und Finance ein und stellen in den Vorstellungsgesprächen höhere Anforderungen. Fachfragen dienen als Lackmustest, ob Sie sich tatsächlich für die Bankenbranchen interessieren.“

Die beliebteste Frage sei: „Wie bewertet man ein Unternehmen?“ Dazu müssen Sie über den Discounted Cash Flow (DCF) sprechen. Dieses Modell geht davon aus, dass ein Unternehmenswert den Barwert der künftigen Cash Flows darstellt. Auch müssen Sie die Relative Valuation kennen, wobei ein Unternehmen mit Hilfe von vergleichbaren Firmen bewertet wird. Gleiches gilt für den Buchwert oder das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Vor einem Vorstellungsgespräch sollte man sich eine bestimmte Branche anhand dieser Bewertungskriterien anschauen.

4. Rechnen Sie mit Fragen zum Leveraged Buy Out

Falls Sie vom Leveraged Buy Out (LBO) noch nie etwas gehört haben, dann sollten Sie keinen Fuß in ein M&A-Vorstellungsgespräch setzen. Hierbei handelt es sich um die Grundregeln einer fremdfinanzierten Unternehmensübernahme. „Sie werden normalerweise nach LBO-Modellen gefragt“, sagt Hatz. „Nur die besten Kandidaten kennen sich hier aus. Daher stellt es eine gute Chance dar, um sich von der Masse abzusetzen.“

Doch wie sollten Sie eine solche Frage beantworten? „Die kurze Antwort lautet, dass die Eigenkapitalrendite auf der Basis des Ein- und Ausstiegs des Investors berechnet wird“, erläutert Hatz. „Daher sollten Sie die Rendite auf der Grundlage des vom Investor angenommenen Unternehmenswerts beim Ausstieg berechnen. Den Einstiegspreis sollten Sie bereits kennen.“ Meist werden jedoch noch deutlich komplexere Antworten erwartet.

5. Rechnen Sie damit, einen Cash Flow zu erklären

Die Fachfragen in M&A-Vorstellungsgesprächen drehen sich oft um Probleme der Rechnungslegung. Feldman empfiehlt, dass sich Kandidaten auf Fragen zum Cash Flow eines Unternehmens einstellen. Wall Street Prep rät mit dem Nettogewinn anzufangen und dann die Gewinn und Verlustrechnung Zeile für Zeile durchzugehen. Dabei sollten Sie Abschreibungen, Veränderungen des Eigenkapitals und Steuerrückstellungen nicht vergessen.

6. Rechnen Sie mit der Frage, was die Firmenübernahme für die Bilanz bedeutet

Laut Feldman sollten sich Bewerber auf die Frage vorbereiten, welche Folgen die Übernahme eines anderen Unternehmens auf die Bücher hat. Dabei müsse die Antwort nuanciert ausfallen. „Der Einfluss auf den Abschluss des zukaufenden Unternehmens hängt von der Art der Übernahme ab“, sagt Feldman. „Falls das Geschäft mit eigenen Aktien bezahlt wird, dann besteht der Haupteinfluss darin, dass die zusätzlichen Aktien den Anteil der Altaktionäre verwässern.“

Falls die Übernahme mit Cash bezahlt wird, dann hat dies hierauf keinen Einfluss. „Stattdessen besteht die Hauptfolge in einer Steigerung des Zinsaufwandes, wenn das Geschäft über neue Schulden finanziert wurde oder der bisherige Zinsertrag entfällt, sofern das Geschäft mit Barreserven bezahlt wurde. Ähnlich wie ein Aktiendeal wirkt sich dies negativ auf die Konsolidierung in der Erfolgsrechnung des Käufer aus.“

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