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Strategiewende: Wieso die Deutsche Bank niemals ein Frankfurter Goldman Sachs werden wird

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Nach den jüngsten Medienberichten wird der Aufsichtsrat der Deutschen Bank auf seiner außerordentlichen Sitzung am 24. April über die künftige Strategie der Deutschen Bank entscheiden. Im Grunde sind zwei Modelle im Gespräch: die Aufspaltung in eine Corporate und Investment Banking-Einheit mit angehängtem Asset & Wealth Managment oder die Beibehaltung des Universalbankenmodells mit einem neuen Sparprogramm, dem Teilrückzug aus dem Fixed Income-Geschäft und der möglichen Abspaltung der Postbank. Nähere Informationen werden bei der Publikation der Quartalszahlen am 29. April erwartet.

Unterdessen kann sich der Konzern vor guten Ratschlägen seitens der Konkurrenz kaum retten. In das Analysten-Konzert stimmen jetzt auch die Kollegen aus dem Research von Morgan Stanley ein. Demnach ist es reichlich unwahrscheinlich, dass sich die Deutsche Bank nach Abspaltung des Privatkundengeschäfts zu einem zweiten Goldman Sachs entwickelt. Dazu seien die Unterschiede einfach zu gewaltig:

1. Goldman Sachs ist ein Wachstumsmotor, die Deutsche Bank nicht

Laut Morgan Stanley habe der Buchwert von Goldman Sachs seit 2010 um 10 Prozent zugelegt. Bei der deutschen Konkurrenz handelt es sich hingegen nur um magere 1 Prozent. Und es kommt noch schlimmer: Nach den Morgan Stanley-Analysten wird dieser Unterschied auf absehbare Zukunft erhalten bleiben.

2. Goldman Sachs kommt mit einer geringen Leverage aus, die Deutsche Bank nicht

Dennoch bestehen zwischen den US-Amerikanern und den Deutschen durchaus Ähnlichkeiten, wie auch Morgan Stanley eingesteht. Ohne das Filialgeschäft würden beim deutschen Branchenprimus rund 30 Prozent der Erträge auf das Geschäft mit festverzinslichen Anleihen und Währungen entfallen (FICC und DCM) – ganz ähnlich wie bei Goldman Sachs. Wenn man die teilweise horrenden Kosten aus den rechtlichen Altlasten ausblendet, generierten beide Institute in ihrem Investment Banking im vergangenen Jahr eine Eigenkapitalrendite von 11 Prozent.

Doch damit hören die Ähnlichkeiten auch schon auf. Die Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass die Deutsche Bank eine doppelt so hohe Bilanzsumme benötigt, um einen ähnlichen Profit wie die Frankfurter Konkurrenz zu erzielen. Sobald die Deutsche Bank ihre Leverage verringert, könnte sie ein Ertragsproblem bekommen.

3. Das Nicht-Kerngeschäft der Deutschen Bank bereitet ernste Probleme, GS besitzt so etwas nicht einmal

Die Analysten von Morgan Stanley betrachten das Nicht-Kerngeschäft (Non Core Operations Unit) des deutschen Bankenriesen mit Sorge.

Die risikogewichteten Aktiva (RWA) außerhalb des Kerngeschäfts der Deutschen Bank sind bereits hoch und steigen zumindest in relativen Werten weiter an. Laut Morgan Stanley sind sie von 94 Prozent relativ zum Kerngeschäft Ende 2013 auf 151 Prozent ein Jahr später angewachsen. Ein großer Teil hiervon entfalle auf Kredite und sei daher ausfallgefährdet. „Anders ausgedrückt: Die Kredithöhe ist dreimal größer als bei der Commerzbank, wo die Investoren bei der jüngsten Konferenz sich besorgt über das Verlustpotenzial zeigten“, schreiben die Analysten. Mit derartigen Problemen hat Goldman Sachs nicht zu kämpfen.

4. Bei Kapitalausstattung und Eigenkapitalrendite hinkt die Deutsche Bank hinterher

Bei der Dividendenrendite schneidet die Deutsche Bank besser als Goldman Sachs ab, nicht jedoch bei den meisten übrigen Kriterien.

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5. Die Deutsche Bank kämpft mit rechtlichen Altlasten, Goldman Sachs nicht

Bis 2017 werden laut Morgan Stanley auf die Deutsche Bank Kosten für die anhängenden Rechtstreitigkeiten von etwa 4,5 Mrd. Euro zukommen, was etwa das Doppelte der entsprechenden Kosten von Goldman Sachs bedeutet. Die gebildeten Rückstellungen dürften hierfür nicht ausreichen. Auch mit diesem Problem hat Goldman Sachs nicht zu kämpfen.

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