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GASTKOMMENTAR: Was ich am Middleoffice hasse

1. Es ist langweilig

Generell ist das Middleoffice eine sinnesbetäubende und erniedrigende Tätigkeit. Jeder Tag verläuft nahezu gleich – der einzige Unterschied besteht darin, welche Systeme gerade nicht funktionieren und das heißt, dass Sie darüber nachdenken müssen, woher die Daten stammen und worin sie bestehen. Am schlimmsten ist es, die Abteilungen mit den einfachsten Produkten zu unterstützen – oder diejenigen mit den komplexesten.

Die Bereiche mit den einfachsten Produkten sind meist voller Cowboys, jener Art von Tradern, die wahrscheinlich nicht einmal eine quadratische Gleichung lesen können und womöglich auch noch darauf stolz sind. Die andere Gruppe kennt den Kurs und das Risiko von allem – aber den Wert von gar nichts. Das gleiche trifft auch auf das Middleoffice zu, das diese Abteilungen unterstützt. Denn die Leute, die die einfachen Produkte unterstützen, verfügen oftmals über eine schwache akademische Ausbildung. Anders als viele glauben, stammen die für komplexe Produkte Zuständigen oftmals von guten Universitäten, mit anständigen Noten, einem Master und dergleichen.

Die Leute im Middleoffice sind nett. Doch der Gedanke, einer von ihnen zu werden, erschreckt mich. Ich kann nicht verstehen, wieso jemand hier arbeiten möchte, außer er hegt Ambitionen, ins Frontoffice aufzusteigen. Als ich anfing, konnte ich es ehrlich gesagt zunächst nicht verstehen. Allerdings gibt es viele Mitarbeiter, die offensichtlich für keine Aufgaben jenseits des Middleoffice geeignet wären, obgleich doch viele von Topuniversitäten stammen und ein gutes Abitur vorweisen können. Sie sind damit glücklich, ihr Leben mit dem Scrollen am Bildschirm zu vergeuden.

2. Zufriedenheit im Job

Überdies gibt es kaum Anerkennung oder auch nur Zufriedenheit in den Jobs, die von den Stelleninhabern ausgeübt werden. Es wird lediglich bemerkt, wenn aufgrund von Datenfeeds und dergleichen etwas länger als erwartet gedauert hat. Es kann zu einem Problem werden, wenn Sie einen Handelssaal in Großbritannien zuarbeiten und jeder das Büro um Punkt 17 Uhr verlässt. Die Arbeitszeiten können an diejenigen im Frontoffice heranreichen, was von den Märkten abhängt, die ihre Abteilung abdeckt. Oft arbeitet das Middleoffice-Personal regelmäßig von 8 bis 18 oder 19 Uhr, was bei mangelnden Karrierechancen, geringeren Verdiensten und einem generellen Mangel an Jobzufriedenheit fragwürdig ist.

3. Der Gelegenheits-Supertrader

Der Umgang mit den Beschäftigten aus dem Frontoffice kann gelegentlich schwierig sein. Schwache Trader können Ihnen gelegentlich eine schwierige Zeit bereiten, die alles nur mögliche versuchen, um von ihrer eigenen Schuld abzulenken. Nach meiner Erfahrung befinden sich die Teamleiter meist auf dem Boden der Tatsachen; es sind vielmehr die kleinen Fische, die sich für Haie halten und zu Pedanterie neigen.

4. Der Karriereweg

Eine Karriere im Middleoffice bietet wenig Anreize zu einer Leistungssteigerung. Falls dies tatsächlich als eine Karriere bezeichnet werden kann – denn es handelt sich vielmehr um eine Verwaltungstätigkeit, wo einfach bestimmte Regeln berücksichtigt werden müssen. Und auch die Verdienstmöglichkeiten sind eher begrenzt.

5. Das Personal im Middleoffice

Wie ich bereits gesagt habe, handelt es sich bei den Beschäftigten im Middleoffice zumeist um nette Leute, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Lustig am Middleoffice ist, dass die Managing Directors des Middleoffice sehr oft arroganter und wichtigtuerisch sind als ihre Pendants aus dem Frontoffice. Managing Directors aus dem Middleoffice genießen ähnliche nichtvergütungs-orientierte Vergünstigungen wie das Frontoffice-Personal und dies mag zu Größenwahn verleiten.

Die Moral von der Geschichte

Leute mit einem guten Studienabschluss sollten – ehrlich gesagt – noch einmal darüber nachdenken, was sie machen wollen. Denn die Jagd nach einer Karriere im Frontoffice über den Umweg des Middleoffice stellt eine armselige Wahl zu anderen machbaren Alternativen wie Jura oder Medizin dar.

Etwas anders sieht es für Einsteiger aus. Für jemanden ohne bestehende Finanzkenntnisse mögen Fortbildungen und der Umgang mit Tradern ermöglichen, Wissen über Märkte und Produkte zu erwerben. Ebenso können einige Jahre Berufserfahrung in der Branche, der Erwerb von Softskills und eine Investmentbank im Lebenslauf hilfreich für eine Karriere in anderen Gebieten der Finanzdienstleistungen sein.

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