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Fusionitis im Investmentbanking: Was bringt die Zusammenlegung von Geschäftsbereichen für Jungbanker?

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Die Zeiten, als sich Absolventen beim Einstieg für M&A, Equity Capital Markets (ECM) und Debt Capital Markets (DCM) entscheiden mussten und damit eine wichtige Weiche für ihre Karriere stellten, neigen sich dem Ende zu. Immer mehr Banken legen Teile oder sogar ihr gesamtes Advisory-Business zusammen. Von dem Trend wird jetzt auch die Berenberg Bank erfasst, die ihr ECM-, DCM- und M&A-Geschäft fusioniert. Mit der Leitung des neuen 40köpfigen Corporate Finance Teams wurde Oliver Diehl betraut, wie ein Sprecher der Bank bestätigte.

Bislang hatte Diehl schon das florierende ECM-Geschäft geleitet. Neben dem eigentlichen Standort in Frankfurt wurde unter Diehl in 2014 ein zehnköpfiges Team in London aufgebaut, um von dort aus im internationalen ECM-Geschäft mitzumischen. So konnte Berenberg den knapp 1,3 Mrd. Euro schweren Börsengang des Schweizer Telekomanbieters Sunrise Communications gewinnen.

Damit kletterte Berenberg nach dem Ranking des Datenanbieters Dealogic auf den 16. Platz des europäischen ECM-Geschäfts. Dagegen spielt Berenberg im M&A- und DCM-Geschäft in Europa nur eine Nebenrolle. Dort reichte es nur für einen 34. bzw. 134. Platz. Beide Geschäftsbereiche sind in Frankfurt angesiedelt. Von der Fusion sind hingegen das umfangreiche Aktien-Research und das Sales-Geschäft in London nicht betroffen.

Juniors erhalten breitere Ausbildung

„Es handelte sich um eine stressreiche Zeit für ECM und daher haben wir ECM, DCM und M&A in einem neuen Corporate Finance Team fusioniert, um die Ressourcen effizienter zu nutzen“, sagte Diehl gegenüber dem Fachblatt Financial News. „Der Junior Pool wird jetzt dort eingesetzt, wo die Projekte sind.“

Unterdessen betonte ein Unternehmenssprecher die Vorteile für Analysten und Associates: „Für die Juniors wird die Arbeit interessanter. Sie erhalten einen Einblick in weitere Tätigkeitsbereiche.“ Dagegen würde die Zusammenlegung für die Analysten und Associates keinen erhöhten Reisebedarf bedeuten.

Mit dem Schritt folgt Berenberg lediglich größeren Banken. So sind bei der Deutschen Bank traditionell das M&A und ECM-Geschäft in Frankfurt zusammengefasst. Die Commerzbank wiederum hat kürzlich ihr M&A mit ECM und DCM zusammengelegt.

Junior Mangel führt zu „Wild West-Methoden”

Die auf die Vermittlung von Junior Investmentbanker spezialisierte Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt bringt diesen Trend mit dem grassierenden Mangel an Analysten und Associates im Investment Banking in Verbindung. Durch die Zusammenlegung könnten die Banken ihre unzureichenden Kapazitäten zumindest effizienter nutzen.

Für die Juniors selbst müsse dies keinen Nachteil bedeuten. Denn durch die Zusammenlegung würden diese eine breitere Ausbildung erfahren. Laut Tamm mache die Zusammenlegung von M&A und ECM durchaus Sinn, da beide Bereiche Überschneidungen aufwiesen. Ihrer Erfahrung nach würden jedoch die meisten Analysten nach drei Jahren lieber ins M&A-Geschäft als in ECM gehen. Weniger Sinn sieht sie allerdings in der Integration des DCM. „Die Debt-Produkte unterscheiden sich einfach zu sehr von M&A und ECM.“

Generell werde die Konkurrenz der Investmentbanken um die Juniors immer schärfer. „Da herrschen teilweise schon Wild West-Methoden“, sagt Tamm. Falls Juniors, die zum Absprung von ihrem alten Arbeitgeber bereit seien, ein Gegenangebot vorgelegt würde, sollten sie sich nicht auf bloß mündliche Abmachungen verlassen, sondern sich alles schriftlich geben lassen.


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