☰ Menu eFinancialCareers

Schleudersitz Finanzbranche: Nirgendwo werden Chefs so häufig gewechselt wie im deutschsprachigen Raum

Nirgendwo rund um den Globus leben Vorstandschefs (CEOs) so gefährlich wie in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Laut der Studie “Global CEO-Succession” der Strategieberatung Booz & Company belief sich die Fluktuation hierzulande auf 21,3 Prozent. Somit musste in 2009 fast jeder fünfte Unternehmenslenker freiwillig oder unfreiwillig seinen Posten verlassen.

Restrukturierer statt Schönwetterkapitäne gefragt

Traditionell wechselten sich in Deutschland die “Schönwetterkapitäne und die Restrukturierer” ab, kommentiert Andreas Weik, Managing Director des Executive Search-Unternehmens Heads, das Ergebnis. Im Krisenjahr 2009 habe ein solcher Wechsel wieder angestanden. Überdies vollziehe sich in Deutschland auch ein Generationenwechsel. “Die alte Deutschland AG wird immer mehr durch jüngere Vorstände ersetzt”, sagt Weik.

Neben diesen beiden Punkten sieht Andreas Christl, Gründer des Executive Search-Unternehmens Talentspy, auch in der gewandelten Aufsichtsratskultur einen Grund. Die Mitglieder des Aufsichtsrates griffen heute schneller in das operative Geschäft ein, als das in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. “Mittlerweile weht da ein ganz anderer Wind”, sagt Christl.

Auch in der internationaleren Aktionärsstruktur könnte laut Christl ein Grund für den häufigen Austausch von CEOs bestehen.

Finanzsektor weltweit an der Spitze

Weiter heißt es in der Studie: “Die weltweit heißesten Stühle standen letztes Jahr in den Vorstandsetagen der internationalen Banken und Versicherungen. 17,2 Prozent der CEOs des Finanzsektors mussten 2009 ihren Schreibtisch räumen. Ein knappes Drittel davon unfreiwillig sowie vor Ablauf der Vertragslaufzeit.”

Überdies bevorzugen die Aufsichtsräte immer häufiger Kandidaten aus dem eigenen Haus zur Besetzung der Spitzenpositionen und die Geduld mit den frisch ernannten CEOs nimmt ab.

“Neue CEOs müssen heute innerhalb kürzester Zeit die kriegsentscheidende Strategie entwickeln. Diese muss kurzfristig den Gewinnerwartungen der Aktionäre gerecht werden sowie langfristig Marktanteile und Wachstum sichern”, sagt Booz & Company Deutschland-Chef Stefan Eikelmann.

“Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Spitzenleuten mit einer langen Historie im Unternehmen und entsprechender Erfahrung die besseren Voraussetzungen für die strategischen Herausforderungen der CEO-Position zugetraut werden”, ergänzt Eikelmann.

Bessere Leistung von Outsidern im deutschsprachigen Raum

Allerdings nährt die Studie auch Zweifel, ob die Aufsichtsräte mit dieser Wahl immer richtig liegen. Denn im deutschsprachigen Raum erzielten Vorstandschef, die von anderen Unternehmen gekommen sind, mit 8,8 Prozent eine deutlich bessere Aktienrendite als “Insider”.

Für die Studie hat Booz & Hamilton die 2500 größten börsennotierten Unternehmen rund um den Globus untersucht.

Kommentare (1)

Comments
  1. Die Zahl der Banken, die in den zurückliegenden Jahren fast pleite gegagen sind, ist beachtlich. Kein Wunder, dass da so mancher Verantwortliche seinen Hut nehmen musste.

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier