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Der ultimative Jobmotor für Frankfurt? EU-Parlament will zentrale Finanzaufsicht am Main

Schlechte Nachrichten für die Boni und gute Nachrichten für Finanzexperten in Frankfurt. Das Europarlament hatte bei seiner gestrigen Sitzung in Straßburg beides parat. So wird die Cashquote fortan auf 30 Prozent der Bonuszahlungen gedeckelt.

Doch als wesentlich wichtiger für den Finanzplatz Frankfurt könnten sich des Pläne des EU-Parlaments erweisen, eine zentrale europäische Finanzaufsicht am Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) in Mainhattan zu installieren. Denn in der Finanzkrise haben sich die Grenzen nationaler Aufsichtsbehörden überdeutlich gezeigt.

So wurde beispielsweise der Skandaltrader Steven Perkins Ende Juni von der britischen Finanzaufsicht mit einem fünfjährigen Berufsverbot belegt. Keine Woche später hatte Perkins eine neue Stelle in der Schweiz, womit sich die Aufsichtsbehörde als Papiertiger erweist.

Die konkreten Pläne des EU-Parlaments

Konkret will das EU-Parlament drei “European supervisory authorities” (ESAs) für Banken, Wertpapiere und Märkte schaffen. “Um die Zusammenarbeit zwischen den ESAs zu erleichtern, spricht sich das Parlament eher für ihre Gründung in Frankfurt aus als dass sie über Europa verteilt werden. Gleichzeitig wäre es möglich, diverse Vertretungen der ESAs an den wichtigsten Finanzzentren der EU zu haben”, heißt es in einer Mitteilung des EU-Parlaments.

Doch bei den Mitgliedsländern herrscht für diese Meinung keine einhellige Begeisterung. Denn die nationalen Regierungen fürchten um ihre Einflussmöglichkeiten. Vor allem die britische Regierung gilt als vehementer Gegner einer zentralen Finanzaufsicht, da dies die Dominanz des Finanzplatzes London in Europa beeinträchtigen könnte. Mithin wurde die Angelegenheit erst einmal auf September verschoben, womit die Gründung zum 1. Januar 2011 gefährdet ist.

Trotz Rekordsparpaketen gibt es einen Jobboom bei den Aufsichtsbehörden

Obgleich in den öffentlichen Haushalten derzeit der Rotstift regiert, könnte sich die neue Aufsichtsbehörde als Jobmotor erweisen, was ein Blick auf die nationalen Institutionen in Frankfurt, London und Paris belegt:

Deutschland: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

Bei der BaFin wurde in 2009 kräftig eingestellt. Damit stieg die Mitarbeiterzahl innerhalb eines Jahres um 180 Personen oder 6,6 Prozent auf 1829 Beschäftigte.

Großbritannien: Financial Services Authority (FSA)

Jenseits des Ärmelkanals fällt die Einstellungswelle sogar noch stärker aus. Um für die neuen Herausforderungen gewappnet zu sein, will die FSA bis zum Jahresende ihre Mitarbeiterzahl von 3300 auf 3700 aufstocken, was einem Zuwachs von sogar 12 Prozent entspricht.

Frankreich: Autorité des marchés financiers (AMF)

Dagegen beschäftigt die Pariser AMF lediglich 399 Personen. Doch auch hier wächst der Mitarbeiterstand rasant. So waren es in 2007 lediglich 354 Mitarbeiter. Bis zum Jahresende sollen 60 weitere Beschäftigte hinzukommen, was ein Plus von 15 Prozent gleichkommt.

In Frankfurt ist man von den Aussichten entzückt

In der deutschen Finanzmetropole ist man von den Aussichten entzückt. “Eine Ansiedlung der EU-Finanzaufsicht in Frankfurt würde dem Finanzplatz einen weiteren starken Schub verleihen”, sagt der Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance Hubertus Väth. “Bereits die Ansiedlung der EZB hat dafür gesorgt, dass sich eine erhebliche Kompetenz in Regulierung, Aufsichtsfragen und Risikomanagement entwickelt hat.”

Zum jetzigen Zeitpunkt sei es indes wenig sinnvoll, über die konkreten Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt zu spekulieren. “Generell zieht die Ansiedlung solcher Institutionen immer auch eine Nachfrage nach qualifiziertem Personal nach sich”, ergänzt Väth. Dies habe die EZB gezeigt. Die neue Impulse auf dem Arbeitsmarkt auch für Beratungen, Risikomanagement, Forschung und andere Dienstleistungen gebracht habe.

Kommentare (2)

Comments
  1. Da werden die Briten niemals zustimmen. Denn dann könnte die EU in ihren Wirtschaftssektor Nr. 1 hineinregieren. Die Finanzindustrie trägt in GB rund 10% zum BIP bei im Vergleich zu weniger als 4% hierzulande.

  2. Was den Fall des angeschwippsten Ölhändlers betrifft, hätte eine EU-Behörde auch nicht weitergeholfen, da die Schweiz bekanntlich kein EU-Mitglied ist.

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