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INTERVIEW mit M&A-Chef der Commerzbank: Wie die Karriere im Investment Banking gelingt

Der M&A-Chef der Commerzbank Christoph Thierolf ist promovierter Mediziner.

Der M&A-Chef der Commerzbank Christoph Thierolf ist promovierter Mediziner.

Einen Vorsteuergewinn von 961 Mio. Euro hat die Commerzbank in 2014 erzielt. Dazu trug das Mittelstandsgeschäft 1,2 Mrd. und das Investment Banking 675 Mio. Euro bei. Anlässlich des Jahresergebnisses haben wir mit Christoph Thierolf, Global head of M&A der Commerzbank, gesprochen. In einem Interview mit eFinancialCareers.de verrät der studierte Mediziner, wieso er für das M&A-Geschäft in 2015 zuversichtlich ist und was Berufseinsteiger und junge Investmentbanker für eine erfolgreiche Karriere in M&A benötigen.

Der Corporate Finance Ausblick 2015 der Commerzbank von Ende November vergangenen Jahres ist recht positiv ausgefallen. Wie schätzen Sie die Geschäftsentwicklung in M&A im Jahr 2015 ein?

Für das abgelaufene Jahr können wir noch keine genauen Zahlen nennen. Aber wir gehen – in einer Linie mit den Markterwartungen – davon aus, dass der M&A-Markt sowohl in der Summe als auch regional, sprich in Europa und Deutschland, 2014 einen deutlichen Aufschwung erlebt hat – wenn auch mit Schwankungen. Das gilt sowohl für die Anzahl als auch für den Wert der Transaktionen. Der Aufschwung hat im Verlauf des Jahres deutlich zugenommen. Dabei sind die Grundparameter schon 2013 grundsätzlich positiv gewesen. Damals fehlte aber noch der Zündfunke. Dieser folgte Anfang 2014, als große Transaktionen angekündigt wurden. Sobald die Wettbewerber aktivier werden, steigt der Druck für Unternehmen selbst etwas in dieser Richtung zu unternehmen.

Das Entscheidende sind die Grundparameter: Das Geld ist „billig“, die Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht und schließlich hat auch die „Währung Aktie“ Höchststände erreicht. Aus diesem Grund sprechen viele Parameter dafür, dass das anorganische Wachstum vorangetrieben wird. Dazu kommt noch, dass Finanzinvestoren sehr viel Geld zur Verfügung steht, das sie investieren wollen.

Leveraged Finance soll sich ebenfalls deutlich erholt haben…

Das ist richtig. Alle Investorengruppen haben entsprechend mehr Feuerkraft. Die Globalisierung auch in Nischenmärkten schreitet voran. Neben dem gestiegenen Umfang nationaler Transaktionen haben vor allem internationale Transaktionen in allen großen Weltregionen den M&A-Markt vorangetrieben. Auffallend war im Jahr 2014, dass auch die Aktivitäten der asiatischen Investoren weiter zugenommen haben. Dies zeigt, wie die Märkte international zusammenwachsen. Insgesamt steigt so der Anspruch, das Wachstum weiter auf anorganische Weise voranzutreiben.

Noch einmal konkret: Wie lautet Ihr Ausblick für 2015?

Grundsätzlich positiv, aber was wir sicherlich nicht einschätzen können, sind die makroökonomischen und geopolitischen Unsicherheiten: Staatsanleihenaufkauf der Europäischen Zentralbank, Frankenfreigabe, Euroschwäche und Ukrainekrise. Solche Ereignisse können die Aktivitäten relativ schnell wieder einbremsen.

Welche Folgen hat dieser Aufschwung für die Beschäftigung? Haben Sie im vergangenen Jahr Personal aufgebaut und wie sehen Ihre Pläne für 2015 aus?

Grundsätzlich sind wir hier durch unsere mittel- und langfristigen Überlegungen geprägt. Wir passen so das Personal sehr wohlüberlegt an.

Darüber hinaus führen wir gerade zwei Beratungseinheiten zusammen, das M&A-Advisory- und das Corporate-Finance-Advisory-Geschäft, und stellen es sektoral auf. Das ist das eigentlich Neue für eine mittelstandsorientierte Bank wie die unsere. Wir stellen das ganze Beratungsgeschäft auf eine breitere Basis. Zu welchen Personalveränderungen das führen wird, kann ich noch nicht sagen.

Ich hatte den Eindruck, dass in der Branche derzeit generell gerne das M&A-Geschäft mit Teilen von Corporate Finance oder Equity Capital Markets (ECM) zusammengelegt wird. Was ist der Sinn davon: breiterer Kundenkontakt und Cross-Selling?

In der Tat werden M&A und ECM oder das Advisory-Geschäft häufig auf gemeinsamer Basis betrieben – wie in Teilen bei uns auch. Das kann bestimmte Synergien generieren: Auf der Junior-Ebene werden die Leute breiter ausgebildet und wir können sie entsprechend breiter einsetzen. Das ist für unsere Juniors von enormem Vorteil, ebenso wie für uns als Arbeitgeber, da wir so ein größere Kompetenz akkumulieren und bewahren. So können wir dies auch für die Sektorexpertise nutzen. Wenn wir mit einem Kunden seine Strategie diskutieren, dann kann dies nicht nur Implikationen auf den An- und Verkauf haben, sondern auch auf die Frage, wie er sich finanziert, d.h. wie verändert sich z.B. die Fremd- oder Eigenkapitalseite. Das liegt alles sehr eng beieinander und eine strikte Trennung wäre meist nicht von Vorteil.

Wie viele Absolventen stellen Sie in Ihrem Bereich im Jahr ein?

Etwa eine Handvoll, was eigentlich eine relativ große Zahl ist.

Welche Empfehlungen würden Sie jüngeren Leuten mitgeben, die von der Uni kommen und in M&A einsteigen wollen?

Für uns ist es wichtig, dass sich die Leute mit Praktika schon eine gewisse Erfahrung angeeignet haben – bei uns oder bei anderen Häusern. In einem Praktikum werden einem meist schon Grundlagen vermittelt, das Handwerkszeug für die künftige Tätigkeit an die Hand gegeben.

Muss das ein Praktikum in M&A gewesen sein?

Ein M&A-Praktikum ist durchaus ein Differenzierungsmerkmal. Es gibt so viele Bewerber, dass das immer ein wichtiges Auswahlkriterium darstellt. Die Leute sind schlicht besser vor- bzw. ausgebildet.

Wie wichtig sind bei Ihnen erstklassige Hochschulabschlüsse, Auslandsaufenthalte und Internationalität?

Auch wenn wir uns auf das Mittelstandsgeschäft konzentrieren, sind wir global aufgestellt. Unsere Teams sitzen in Frankfurt, London, New York und Hongkong. Internationalität spielt also eine große Rolle. Mir ist allerdings wichtiger, dass jemand ein M&A-Praktikum bei einem vernünftigen Haus gemacht hat als irgendein Praktikum in einem völlig anderen Bereich im Ausland. Dennoch ist Englisch Pflicht und wenn man weitere Sprachkenntnisse mitbringt, die für Kunden später relevant sein könnten, etwa Spanisch oder Chinesisch, dann ist das sicherlich von Vorteil.

Auch Unis stellen ein Differenzierungsmerkmal dar. Es gibt Hochschulen, die in diesem Bereich sehr gut ausbilden. Das gibt es Namen, die man immer wieder hört, wenn es um das Investmentbanking geht.

Also ich höre immer wieder WHU, EBS und Mannheim. Welche hören Sie denn?

Das sind diejenigen, die auch mir sofort einfallen. Wir haben aber auch schon sehr gute Kandidaten aus ganz anderen Universitäten gehabt. Das Problem liegt darin, dass Sie an irgendeiner Stelle zwischen der Vielzahl von Bewerbern differenzieren müssen, und sich anzusehen, von welcher Uni ein Bewerber kommt, ist besonders einfach. Die Kollegen, die die Unterlagen der Kandidaten evaluieren, sind häufig auch Absolventen derselben Uni.

Und welche Tipps würden sie denen geben, die schon ein, zwei Jahre dabei sind?

Jeder sollte versuchen, sich einen „Track Record“ an Transaktionen aufzubauen, sich nicht zu früh zu spezialisieren und sich im Beratungsgeschäft breit aufzustellen. Am wichtigsten ist es aber, Transaktionen durchzuführen – und das ist leichter gesagt als getan. Auf jeden Fall muss nachvollziehbar sein, woran Sie gearbeitet haben.

Wenn sich Arbeitnehmer zwei, drei Jahre ausschließlich mit Marketing, oder nur Datenraumarbeit befasst haben, ist die Ausbildung potentiell sehr einseitig. Denn Mitarbeiter mit zwei, drei Jahren Erfahrung bilden mitunter bereits mit unsere Juniors aus. Wenn man dann nicht breit genug aufgestellt ist, stellt das durchaus einen Mangel dar.

Man sollte also „hands on“ dabei gewesen sein?

Ja, bildlich gesprochen muss man die Ärmel hochgekrempelt und mitgearbeitet haben. Man sollte möglichst viel gesehen haben, mal im Datenraum gearbeitet, mal ein Teilprojekt geleitet, mal Modelle oder eine Finanzierung bearbeitet haben. Ein großer Erfahrungsschatz zeichnet letztendlich einen guten Beratungs- und M&A-Banker aus.


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