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GASTBEITRAG: Wie Sie einen Fuß in Investment Banking-Seilschaften hineinbekommen

seilschaft

Wenn Sie im Investment Banking wirklich vorankommen wollen, dann müssen Sie in Teamwork begabt sein – so lautet jedenfalls die Theorie. Tatsächlich ist die Branche voller Cliquen und Sie müssen in der richtigen davon sein, um voranzukommen.

Doch was ist überhaupt eine Clique? Im Banking handelt es sich meist um eine innig verbundene Gruppe von Freunden, die in einer Abteilung zusammenarbeiten. Diese kann das Management umfassen oder auch nur ihre Kollegen; in jedem Fall aber verbringen die Mitglieder ihre Mittagspausen zusammen, sie bestellen ihr Essen gemeinsam bei einem Lieferservice und sie lassen sich an der Kaffeemaschine bei vertraulichen Gesprächen beobachten. Sie wissen immer noch nicht, worüber ich spreche? Dann gehören Sie offenbar zu keiner solchen Seilschaft.

Sein Berufsleben außerhalb einer Clique zu fristen, fällt nicht gerade leicht. Es ist wie an der Schule, als man sich außerhalb der Gruppe der „coolen“ Leute bewegte. Allerdings werden Sie im Banking nicht von den besten Partys ausgeschlossen und Sie werden auch nicht bei gesellschaftlichen Veranstaltungen gemieden. Vielmehr werden Sie bei Beförderungen übergangen und müssen sich bei der Bonusvergabe ganz hinten anstellen.

Bei meinem Arbeitgeber – einer großen europäischen Investment Bank – hat ein Managing Director üblicherweise eine Gruppe von etwa sechs engen Mitarbeitern um sich geschart. Diese Leute werden bei Beförderungen und Boni immer besonders berücksichtigt. Der Rest von uns stellt Mitarbeiter zweiter Klasse dar. Wie müssen uns mit den Überbleibseln begnügen und niemand zieht uns bei Karrierechancen in Erwägung – ganz gleich wie gut unsere Leistungen ausgefallen sind.

Doch was lässt sich dagegen unternehmen? Ich gehe davon aus, dass Sie bereits alles Erdenkliche unternommen haben, um selbst zu einem Seilschafts-Mitglied zu avancieren: Sie sind mit Kollegen einen drinken gegangen, Sie haben versucht Anschluss zu finden und auch einige „private Scherze“ zum Besten gegeben. Dennoch sind Sie immer noch ähnlich gern gesehen wie Bernd Lucke bei einer Party der Linkspartei.

Meiner Erfahrung nach bleiben Ihnen lediglich drei Optionen – aber keine von ihnen stellt eine gute Wahl dar: Sie können versuchen dort wegzukommen, indem Sie entweder das Unternehmen oder die Abteilung verlassen. Sie können versuchen die Clique dazu zu bringen, von Ihnen in irgendeinem Punkt abhängig zu werden. Schließlich können Sie Ihren Kopf einziehen und hoffen, dass sich die Seilschaft irgendwann einmal überlebt haben wird.

Schauen wir uns die einzelnen Möglichkeiten genauer an: Die dritte und letzte Option stellt sicherlich die schlechteste dar. Das gegenseitige auf die Schulter klopfen bedeutet, dass die Mitglieder des inneren Kreises schneller befördert werden. Diese Leute kommen voran, während Sie zurückbleiben. Letztlich können sich dadurch ebenfalls Chancen eröffnen. Vielleicht sind Sie dann aber schon zu verbittert. Besser ist es, wenn der Managing Director selbst abtritt, denn ohne eine Galionsfigur tendieren Cliquen zum Zerfall.

Auch die zweite Variante funktioniert nur unter bestimmten Voraussetzungen. Verfügen Sie über bestimmte Spezialkenntnisse oder Kompetenzen, die für die Gruppe nützlich sind? Lassen sich Ihre Leistungen mit Zahlen belegen; würde Ihr Abgang also einen empfindlichen Einschnitt bedeuten? Falls dies der Fall sein sollte, dann können Sie daraus Kapital schlagen. Dazu können Sie beispielsweise die Bemerkung fallen lassen, dass Sie unzufrieden sind und über einen Fortgang nachdenken. Dies funktioniert oftmals, sofern nicht jemand anderes mit den gleichen Kompetenzen bereitsteht. In einem solchen Fall, kann die Seilschaft leicht zurückschlagen.

Auch wenn es ein wenig miesmacherisch klingt, rate ich zur ersten Option: Zu einem anderen Unternehmen oder einer anderen Firma zu wechseln, kann Ihnen neue Möglichkeiten eröffnen und Sie verlassen die vergiftete Umgebung der Clique. Die mag sich anfühlen, als würden Sie aufgeben und gehen. Doch wieso sollten Sie sich Ihre Karriere durch sinnlose politische Spielchen verderben lassen? Sofern Sie über gute Berufserfahrung und gefragte Kompetenzen verfügen, stellt ein Abgang eine sinnvolle Option dar. Und falls Sie nicht darüber verfügen? Dann haben Sie Pech gehabt.

Der Autor arbeitet bei einer großen Investment Bank in der Londoner City. Er ist Mitglied des Mentoren-Programms Wiseround.

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