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Deutsche Bank nimmt Anlauf zu neuem Spargrogramm

Die Deutsche Bank stimmt Mitarbeiter und Öffentlichkeit langsam auf einen neuen Kahlschlag bei den Kosten ein. Die Bank arbeitet derzeit an einer Neuausrichtung der Strategie, die sie im zweiten Quartal vorstellen will. Man habe gute Fortschritte erzielt, aber man stehe nicht da, wo man hinwolle, sagte Deutsche Bank Finanzchef Stefan Krause bei der Präsentation des Jahresergebnisses 2014 am heutigen Donnerstag (29. Januar).

Entgegen den Erwartungen stiegen die Gesamtkosten des Konzerns in 2014 gegenüber dem Vorjahr um rund 700 Mio. auf 23,8 Mrd. Euro. Zwar habe das laufende Einsparprogramm in Zuge der Strategie 2015+  eine jährliche Kostensenkung von 1,3 Mrd. gebracht, doch dieser Erfolg wurde durch zusätzlichen Ausgaben mehr als aufgezehrt. „In diesem schwierigen Umfeld ist Kostendisziplin entscheidend und wir sind keinesfalls zufrieden, wo wir bei den Kosten stehen”, sagte Co-Chef Jürgen Fitschen.

1000 neue Jobs in Compliance

So kletterten die Kosten in Folge der wachsenden Regulierung allein um etwa 800 Mio. Euro. Dies machte den Aufbau von rund 700 Jobs in der Compliance erforderlich. Die Deutsche Bank geht indes davon aus, dass hier noch über 300 weitere Stellen hinzukommen werden.

Daneben schlägt eine Veränderung der Vergütungsstruktur mit Mehrkosten von 300 Mio. Euro zu Buche. Dies führte die Bank auf die EU-Bonusdeckelung zurück. Demnach dürfen die variablen Vergütungen maximal das Doppelte der Grundgehälter betragen. Mithin musste die Bank die Grundgehälter ihrer von hohen Boni verwöhnten Investmentbanker steigern.

Quelle: Deutsche Bank

Quelle: Deutsche Bank

Von daher verwundert es nicht, dass die Aufwands-Ertrags-Quote mit 87 Prozent immer noch sehr schlecht ausfällt. Die Deutsche Bank musste in 2014 für jeden Euro Ertrag also 87 Cent springen lassen.

Unter dem Strich konnte die Bank ihren Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorjahr auf 3,1 Mrd. Euro mehr als verdoppeln. Mit dem Ergebnis vor Steuern im vierten Quartal über 441 Mio. Euro übertraf die Bank sogar die Analysten-Erwartungen. Für den Erfolg waren indes hauptsächlich niedrigere Kosten als in 2013 für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten verantwortlich.

Dennoch gibt es keinen Anlass zur Freude. So bleibt die Deutsche Bank bei der Profitabilität deutlich hinter ihren US-Wettbewerbern zurück. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern fällt mit 2,7 Prozent in 2014 höchst bescheiden aus. Daher wundert es auch nicht, dass die Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen darüber nachdenkt, wie sie die Kosten senken und die Aktionäre mit einer besseren Rendite beglücken kann.

Investmentbanker können Vorsteuergewinn verdoppeln

Im Investmentbanking legte der Vorsteuergewinn um 3 Prozent auf 3,3 Mrd. Euro zu. Auch die Erträge kletterten um 2 Prozent auf 13,7 Mrd. Euro. Selbst im schwierigen Debt Sales & Trading konnte die Deutsche Bank ihre Erträge marginal auf gut 6,8 Mrd. Euro steigern. Die Kollegen aus dem Equity Sales & Trading konnten sich durch die Börsenhöchststände über ei Plus von 7 Prozent freuen. Mit Erträgen von 2,9 Mrd. Euro erzielte das Aktiengeschäft nicht einmal die Hälfte der Erträge aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. Ähnlich ging es im Geschäft mit Origination & Advisory um 6 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro bergauf. Insgesamt verbesserte sich die Aufwands-Ertrags-Quote von 82 auf 75 Prozent, was immer noch deutlich zu hoch ist.

700 neue Stellen im Investment Banking

Ein Blick auf die Entwicklung des Personalaufwands zeigt, wieso sich das Vorstandsduo über zu hohe Kosten beklagt. Denn die Personalkosten kletterten um weitere 3 Prozent auf gut 5,4 Mrd. Euro. Während im Front Office 150 Stellen eingespart wurden, wuchs die Gesamtbeschäftigung der Sparte um 700 Stellen auf gut 25.800 Mitarbeiter. Der Löwenanteil des Stellensegens dürfte auf die Compliance entfallen. Der Personalaufwand pro Kopf erhöhte sich unterdessen nur marginal auf 210.000 Euro.

Vorstand plant Teilrückzug aus Fixed Income-Geschäft

Allerdings droht vor allem den Fixed Income-Beschäftigten Ungemach. Finanz- und Strategiechef Krause versicherte, dass der Vorstand auch weiterhin im Fixed Income die gesamte Produktpalette anbieten wolle. „Sie können sicher sein, dass wir zum Investment Banking stehen“, sagte Krause. „Es wird sicherlich eine moderate Anpassung im Fixed Income-Geschäft gehen.“ Auf eine nähere Erläuterung wollte sich Krause indes nicht einlassen.

Im Vorfeld der Jahreszahlen hatte ein Analyst gegenüber eFinancialCareers gesagt, dass sich die Deutsche Bank beispielsweise aus Teilen des kapitalintensiven Fixed Income-Geschäfts in den USA zurückziehen könne. Allerdings würde die Bank mit einem Teilrückzug aus den USA auch ihre weltweit führende Stellung im Geschäft mit festverzinslichen Anlagen riskieren.

Personalaufbau im Filialgeschäft

Nicht wirklich überzeugen konnte auch das Privatkundengeschäft. Während die Erträge im abgelaufenen Jahr leicht auf 9,6 Mrd. Euro zulegten, purzelte der Vorsteuergewinn um 14 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. Die Aufwand-Ertrags-Quote verschlechterte sich von 76 auf 80 Prozent. Auch im Filialgeschäft wurden gut 800 Stellen geschaffen, der Personalaufwand pro Kopf gab hier indes um 2 Prozent auf knapp 78.000 Euro nach.

Überzeugende Zahlen im Transaction Banking und Asset & Wealth Management

Im Global Transaction Banking erzielte die Deutsche Bank bei Erträgen von gut 4,1 Mrd. ein Vorsteuerergebnis von knapp 1,2 Mrd. Euro. Damit lag die Eigenkapitalrendite bei überzeugenden 13,5 Prozent und die Aufwands-Ertrags-Quote bei 67 Prozent. Für jeden der gut 11.000 Mitarbeiter der Sparte ließ die Deutsche Bank gut 107.000 Euro springen.

Auch im Asset & Wealth Mangement geht es bei der Deutschen Bank voran. Der Vorsteuergewinn kletterte um 11 Prozent auf gut 1 Mrd. Euro, obgleich die Erträge sogar leicht nachgaben. Wenigstens hier konnten sich die Mitarbeiter über ein Gehaltsplus freuen: Der Personalaufwand pro Kopf legtet um 7 Prozent auf gut 163.000 Euro zu. Allerdings liegt die Aufwands-Ertrags-Quote mit 78 Prozent immer noch recht hoch.


 

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