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Heißer Sommer in der Schweiz: Zehn Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt

Von einem Sommerloch kann in diesem August keine Rede sein: US-Herabstufung, Euro-Staatsschuldenkrise, Börsencrash, starker Franken und schlechte Quartalszahlen der Banken lassen keine Langweile aufkommen. Doch welche Konsequenzen hat das Sommergewitter bei den Nachrichten auf den Schweizer Arbeitsmarkt für Finanzprofis?

1. Geht der Arbeitsmarkt in die Schockstarre über?

Anfang des Jahres sah alles danach aus, als wenn 2011 ähnlich gut verlaufen würde wie das Vorjahr. Laut dem Executive Search-Experten Klaus Robert Biermann von Biermann Partners hatten nach der Finanzkrise viele Banken ihre Geschäftspläne aus den Schubladen gezogen und vor allem ausländische Institute wieder neue Teams in der Schweiz aufgebaut.

Doch der Aufschwung scheint jetzt der Schockstarre zu weichen. “Die Investmentbanken sind fast alle in Freeze. Die meisten Arbeitgeber sagen: Wir stellen nicht mehr groß ein”, sagt Biermann. Dennoch sei die Grundstimmung auch weiterhin besser als in 2008/9 und viele Häuser positionierten sich zumindest am Personalmarkt. Dagegen ist der Recruiter Stephan Surber von Michael Page optimistischer: “Vom Sommerloch spüren wir nur sehr wenig, es gibt nur marginal weniger Aktivitäten.”

“Wir sehen bei den Grossbanken seit dem zweiten Quartal eine verhaltene Gangart. Sie rekrutieren weniger schnell und haben – wie der Presse zu entnehmen war – sogar Leute abgebaut. Hiring Freeze sehen wir noch nicht und die Entlassungen werden erst in ein paar Monaten spürbar sein – wenn überhaupt. Es sind eher IT oder das Backoffice, welche betroffen sind”, ergänzt Surber.

Auch Lars Brändle von kessler.vogler sieht nicht schwarz: “Deutliche Trends sind weniger zu beobachten. Man sucht immer noch in den verschiedensten Bereichen.” In der Sommerzeit sei es immer schwierig und ruhig.

2. Die Bedrohung durch den starken Franken

Niemand kann ihn stoppen: Der Franken erweist sich zunehmend als Rambo unter den Währungen. So kletterte der Franken zwischen Jahresbeginn und Dienstag um 24 Prozent auf 1,3290 US-Dollar und um 20,3 Prozent auf 0,9632 Euro.

“Der starke Franken stellt ein Riesenproblem dar. Vermögensverwalter und Asset Manager generieren ihre Erträge fast alle in Euro oder US-Dollar”, sagt Biermann. Die Gehälter würden indes in Franken bezahlt. Folglich schmelzen die Gewinne dahin. Zusammen mit der Weißgeldstrategie steht damit vor allem das Wealth Management vor großen Herausforderungen.

3. Das Gehaltsniveau wird zu einem Problem

Durch den starken Franken wird das Gehaltsniveau in der Schweiz zu einem virulenten Problem. Das Gehaltsniveau entferne sich zunehmend von dem, was in London oder Frankfurt gezahlt werde, dies sei auf Dauer nicht vertretbar. “Die Gehälter werden sinken”, prophezeit Biermann. Nur so könne die Schweiz im Wettbewerb bestehen.

Den angekündigten Kahlschlag bei den Banken führt Biermann auch auf die Reform der Vergütungssysteme infolge der Finanzkrise zurück. Laut Biermann hätten sich die Banken durch die Erhöhung der Fixgehälter zulasten der Boni einer wichtigen Stellschraube beraubt. Früher wurden einfach Boni gestrichen, um die Personalkosten anzupassen.

4. Bewerber werden vorsichtiger

Die Negativschlagzeilen gehen nicht spurlos an den Bewerbern vorüber. “Wir beobachten eine deutliche Verunsicherung auf der Kandidatenseite”, sagt Brändle. Aufgrund der fallenden Märkte würden viele Client Relationship Manager nervös. Unter solchen Vorzeichen würden die Bewerber bei einem Jobwechsel zögern.

Doch dies ist nur die eine Seite der Verunsicherung. So mancher Kandidat würde aufgrund der unübersichtlichen Situation bereits bei Headhuntern vorfühlen, um einen Notfallplan parat zu haben. “Derartige Anfragen haben zugenommen, aber wir werden nicht überflutet”, ergänzt Brändle. Mittlerweile würden sich auch Senior Profile melden – im Bereich Operations gebe es das immer. Biermann beobachtet indes, dass sich viele Banken “opportunistisch” umsähen.

5. Sprudelnde Unternehmensgewinne beflügeln Corporate Finance

Die wirtschaftliche Erholung der zurückliegenden Monate hat die Unternehmensgewinne sprudeln lassen, wodurch u.a. auch das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A sowie Private Equity) beflügelt wurde. “Auf der Frontoffice-Seite suchen wir Corporate Finance Spezialisten, z.B. M&A, Private Equity oder klassische Relationship Manager fürs Firmenkundengeschäft”, sagt Surber.

6. Im Business Development und Projektmanagement herrscht Konjunktur

Starker Franken, stärkere Regulierung, volatile Märkte und die Weißgeldstrategie – selten hat sich das Bankgeschäft so rasant gewandelt. Daher überprüfen und optimieren diverse Institute ihre Geschäftsmodelle. Laut Brändle werden daher reichlich Projektmanager, Analyser und Business Developer etc. für die unterschiedlichsten Bereiche nachgefragt.

7. Fürs Middleoffice wird noch gesucht

“Es werden aktuell vor allem Middleoffice-Profile gesucht wie z.B. fürs Finanzmanagement, Controlling, Reporting, Accounting oder Risk Management und Tax”, beobachtet Surber.

Auch Brändle registriert eine anhaltende Nachfrage für die Bereiche Legal, Compliance und Risk Management, die infolge der Finanzkrise einen Aufschwung verzeichneten. Dem stimmt Biermann zu: “Da geht einfach etwas.”

8. Betreuer von Vermögensverwaltern sind begehrt

Die Zahl der Family Offices in der Schweiz steigt und auch die kleinen Asset Manager mit einer dünnen Infrastruktur stellen eine interessante Kundengruppe für Banken dar. Denn diese Kunden fragen verstärkt Dienstleistungen und Produkte unterschiedlichster Art nach.

Laut Biermann seien daher Akquisiteure für diese Kundschaft begehrt. Demnach seien bei bestimmten Häusern kleine Teams in vergleichsweise kurzer Zeit auf 200 Beschäftigte aufgestockt worden.

9. Experten für UCITS und SICAV werden gesucht

Immer mehr Hedgefonds transferieren ihre Finanzvehikel von Strukturen der Cayman Islands zu Lösungen nach der europäischen Fondsrichtlinie UCITS oder nach SICAV. “Damit generieren die Banken derzeit gute Erträge”, sagt Biermann. Mithin beobachtet der Headhunter eine verstärkte Nachfrage nach entsprechenden Experten.

10. Prognosen unsicher

Noch herrscht ein wenige Ratlosigkeit in der Schweiz. Erst nach der Sommerpause wird sich wohl der Nebel lichten. Brändle resümiert: “Im Moment fällt es schwer, einen Trend zu erkennen. In einem solchen Umfeld ist es schwierig, Prognosen zu stellen.”

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