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Die hohe Kunst der nonverbalen Kommunikation in einem Vorstellungsgespräch

Manche Leute verraten sich schon durch ihre Körpersprache. Hier Angela Merkel. (Foto: Getty Images).

Manche Leute verraten sich schon durch ihre Körpersprache. Hier Angela Merkel. (Foto: Getty Images).

Kandidaten können sich in einem Vorstellungsgespräch um Chancen bringen, selbst wenn sie sämtliche Fragen goldrichtig beantworten. Denn zum Erfolg im Vorstellungsgespräch trägt auch die nonverbale Kommunikation wie Mimik und Gestik entscheidend bei – zumal die fachliche Eignung eines Kandidaten bereits aus den Bewerbungsunterlagen hevorgehen sollte. Vielmehr müssen die Kandidaten in einem Vorstellungsgespräch Sympathiepunkte sammeln, wozu die nonverbale Kommunikation einen wertvollen Beitrag leisten kann. Wir haben Karrierecoachs und Personalexperten um ihre besten Tipps geben.

Die Macht der Körpersprache

Amy Cuddy ist Sozialpsychologin und Assistenz-Professorin an der Harvard Business School. Laut Cuddy schätzen uns nicht nur andere Leute nach unserer Körpersprache ein, sondern auch wir selbst. Es gebe einen engen Zusammenhang zwischen unserem Eigenempfinden und unserer Körperhaltung. Wer sich also machtlos fühlt, nimmt eine defensive Körperhaltung ein, verschränkt die Arme und macht sich klein. Umgekehrt füllt jemand, der sich einflussreich fühlt, den Raum aus und nutzt ausgreifende Gesten.

Cuddy zufolge hängt dies eng mit den Pegeln des Dominanz-Hormons Testosteron und des Stress-Hormons Cortisol zusammen. Wer sich selbstbewusst fühle, habe einen hohen Testosteron- und einen niedrigen Cortisol-Spiegel. Die Pointe dabei: Dies lässt sich aktiv beeinflussen.

Cuddy rät kurz vor einem Vorstellungsgespräch zwei Minuten z.B. auf der Toilette zu verschwinden und Power-Posen einzuüben. Bei Tests mit virtuellen Vorstellungsgesprächen tendierten Kandidaten nach dieser kleinen Übung erfolgreicher abzuschneiden. Wer dies oft genug wiederhole, internalisiere dies. „Geben Sie es solange vor, bis Sie es sind“, empfiehlt Cuddy.

Die innere Einstellung beeinflusst die Körpersprache

„Ebenso wie die Körperhaltung die eigenen Empfindungen und Gedanken beeinflusst, üben unsere Gedanken und geistigen Haltungen einen Einfluss auf die Körpersprache aus”, erläutert Karrierecoach Jochen Gabrisch aus Frankfurt. „Empfehlenswert ist deshalb, die eigene Haltung vor einem Interview zu reflektieren und ggf. bewusst gegenzusteuern.” Kandidaten sollten sich darauf konzentrieren, ein gutes Gespräch zu führen und sich realistisch zu positionieren. „Vermeiden Sie die Zielsetzung, den Job unbedingt bekommen zu wollen”, sagt Gabrisch. Keinesfalls dürfe sich ein Kandidat als Bittsteller begreifen. „Sehen Sie die Position als eine Option, die vielleicht gut passen könnte, andere und ggf. bessere weden folgen”, empfiehlt der Coach.

Vermeiden Sie Übersprungshandlungen

Wie verheerend eine defensive Körpersprache wirken kann, erläutert Karrierecoach Gunnar Belden von der Maturias Personalberatung in Potsdam am Beispiel der Übersprungshandlungen. Dabei handle es sich um Verhaltensmuster, zu denen Menschen in Stresssituationen neigen – und eine solche stellen Vorstellungsgespräche zweifellos dar. Diese könnten recht vielfältig ausfallen, aber sie seien stets unbewusst: Das Drücken von Kugelschreibern, das Wippen eines Fußes oder Kratzen. „Das wird zwar nicht von dem Kandidaten, aber von den Gesprächspartnern wahrgenommen und wirkt unprofessionell“, warnt Belden.

„Daher spielen Coaches solche Situationen durch, bringen die Kandidaten in eine Stresssituation und achten ganz genau darauf, wie sie sich verhalten“, verrät Belden. Der Experte empfiehlt Kandidaten vor einem Vorstellungsgespräch die Situation probeweise durchzuspielen und das eigene Verhalten von einem Beobachter dokumentieren zu lassen.

Der Imitationstrick

Oft wissen Kandidaten in einem Vorstellungsgespräch nicht, wohin mit ihren Händen. Für alle, die aufgeregt sind, hat Headhunter Aleksandar Rakovic von Robert Walters in Frankfurt einen einfachen Trick parat. „Imitieren Sie einfach ihr Gegenüber. Wenn dieser seine Hände auf dem Tisch faltet, dann falten Sie einfach auch ihre Hände“, empfiehlt Rakovic. „Das schafft beim Gesprächspartner unbewusst Sympathien.“ Allerdings dürfe man es mit der Imitation nicht so weit treiben, dass es dem Gesprächspartner auffalle.

Augenkontakt halten

Nach Rakovics Beobachtungen neigen Kandidaten unter Stress dazu, auf ihren Lebenslauf zu blicken, der oft vor ihnen auf dem Tisch liegt. „Das wirkt dann immer, als ob sie ablesen und sendet ein schlechtes Signal aus“, warnt Rakovic. Noch schlechter komme es an, wenn ein Kandidat in die Luft oder an den Gesprächspartnern vorbeischaue.

Vielmehr sollte ein Kandidat stets versuchen, den Augenkontakt zu halten. „Oft sitzen Kandidaten mit zwei oder mehr Teilnehmern zusammen. Dann gilt es die verschiedenen Gesprächspartner abwechselnd anzuschauen“, rät Rakovic. Damit fühle sich jeder Teilnehmer in das Gespräch einbezogen. Kandidaten sollten den Eindruck eines Dialogs unter mehreren Gesprächspartnern und nicht den eines Vortrags vermitteln.

Immer lächeln – aber nur wenn es passt

Auch Lächeln komme meist gut an, erläutert Belden. „Aber auch das muss zur Situation passen“, erläutert der Experte. Bei Begrüßungen sei Lächeln Pflicht, nicht aber wenn ein Kandidat erläutert, wieso er seine Arbeitsstelle verloren hat.

Wahren Sie Abstand zum Gesprächspartner

Der Abstand zwischen zwei Personen vermittelt ebenfalls wichtige Signale über ihr Verhältnis zueinander. In der beruflichen Zusammenarbeit ist eine gewisse Distanz angebracht. „Kandidaten sollten bei körperlicher Nähe vorsichtig sein“, warnt Belden. „Auch dabei handelt es sich um ein Werkzeug der nonverbalen Kommunikation.“

Achten Sie auf den bewussten Einsatz Ihrer Stimme

Beim Umgang mit der Stimme handelt es sich zwar um einen Teil der verbalen Kommunikation, dennoch lassen sich auch hier Fehler begehen, die nicht aus dem Inhalt des Gesagten herrühren. Belden empfiehlt auf Modulation, Lautstärke und Tempo zu achten. „Generell sollten diese drei Punkte mit dem Inhalt des Gesagten übereinstimmen“, sagt der Coach. „Wenn man z.B. jemanden beruhigen möchte, dann spricht man langsam und leise.“

Die Kleidung muss einen professionellen Eindruck vermitteln

Mit der korrekten Kleidung lassen sich zwar kaum Extrapunkte sammeln, aber vieles falsch machen. Dabei besteht bei der Kleidung im Bereich Banking und Finanzdienstleistungen kaum Spielraum. Herren müssen im dunklen Anzug, hellem einfarbigem Hemd sowie Krawatte erscheinen. „Gelegentlich erscheinen Kandidaten in orangen, grünen oder lila Hemden. Das passt nicht“, erzählt Rakovic. Vielmehr seien weiße oder hellblaue Hemden angebracht.

Bartträger sollten darauf achten, dass die Haarpracht gepflegt sei. „Das gilt auch für die gerade modischen Drei-, Fünf- oder Zehntagebärte“, betont Rakovic. „Da müssen zumindest die Ränder sauber geschnitten sein.“

Auch bei den Damen gibt es wenig Spielraum. Rakovic rät zu Hosenanzug oder zu einem Rock, der über die Knie reicht. „Dezente Kleidung, dezente Schminke und dezenter Schmuck vermitteln Professionalität. Die Kleidung darf keine zentrale Rolle spielen“, warnt Rakovic. Hervorstechen dürften allenfalls Details wie die Krawatte. „Es geht darum, einen professionellen Eindruck zu vermitteln.“


Kommentare (1)

Comments
  1. Wer sich aber verstellt, manipuliert., schauspielert und Chefs, Kollegen und Stelle bekommt, die zu ihm nicht passt, gewinnt nichts.
    Außerdem sollten Personaler und Chefs etwas demütiger sein, da hier ein asymmetrisches Machtverhältnis der Bewerber abhängiger von der Zusage als der Chef, aber auch materiell. Daher ist Bescheidenheit und Demut von dieser Seite erforderlich, zumal den Chefs und Personalern genauso viele Fehler unterlaufen. Sind schließlich auch “nur” Menschen!

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