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Wie mit über 30 der Seiteneinstieg ins Banking gelingt

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Auch viele Banken sind im Jugendwahn gefangen. Oftmals steigen Absolventen mit Mitte 20 bei den Instituten ein und haben schon vor ihren 30. Geburtstags eine stattliche Berufserfahrung gesammelt und sind bereits ein oder zwei Sprossen die Karriereleiter hinaufgeklettert. Doch wie sieht es mit Spätberufenen aus, die erst mit 32 ihre Leidenschaft fürs Banking entdecken?

1. Absolvieren Sie einen MBA

Falls Sie erst mit über 30 einen MBA beginnen, gehören Sie dann schon zum alten Eisen? International beginnen die meisten Studenten jedenfalls noch vor dem runden Geburtstag mit einem MBA. So liegt das Durchschnittsalter an der renommierten Harvard Business School beispielsweise bei gerade einmal 27 Lenzen. An der London Business School sind es immerhin 29 Jahre – einige davon haben jedoch bereits ihren 38. Geburtstag hinter sich.

Sicherlich ist es schwierig mit über 30 ins Associateprogramm einer Bank einzusteigen. „Die Zahl attraktiver Associate-Jobs geht bei den Investmentbanken seit zehn Jahren zurück“, erzählt Julian Birkinshaw, Professor für strategisches und internationales Management an der London Business School. „Sie gehen immer häufiger an jüngere Leute mit vorhergehender Berufserfahrung bei Banken.“

Birkinshaw empfiehlt sich bei der Karrierewahl an den Teilnehmern von Executive MBAs zu orientieren. Diese seien üblicherweise etwa fünf Jahre älter als die Absolventen eines Vollzeit-MBA, denn EMBAs werden üblicherweise nebenberuflich absolviert. Obgleich viele Teilnehmer eines EMBAs von ihrem Arbeitgeber gesponsert werden, nutzen doch einige das Programm als Sprungbrett ins Banking – allerdings nicht unbedingt ins Investment Banking. „Die Retail Banking-Welt ist viel offener“, sagt Birkinshaw. „Darüber hinaus stellen Investmentbanken Sie für das Middle und Back Office ein, wenn Sie über 30 Jahre alt sind und keine Berufserfahrung aus dem Banking mitbringen.“

2. Der Wechsel von Big 4 und Accounting

Zumindest in Großbritannien gibt es die Tradition aus dem Accounting ins M&A-Geschäft zu wechseln. Freilich handelt es sich dabei nicht um Buchhalter im gewöhnlichen Sinne. Ein Beispiel hierfür stellt Simon Hoden, Global head of telecoms banking, bei Goldman Sachs dar, der zu Beginn seiner Karriere acht Jahre für die Big 4 arbeitete.

Dennoch stellt ein solcher Wechsel vom Accounting ins Banking eine Herausforderung dar – auch und gerade wenn Sie langjährige Berufserfahrung bei den Big 4 mitbringen. Die meisten Banken bevorzugen es, jüngere Kandidaten einzustellen, die gerade ihre internationale Accounting-Qualifikation erworben haben.

Der Wechsel fällt freilich leichter, wenn die Kandidaten nicht unbedingt in Bereichen wie M&A oder Corporate Finance beginnen wollen. Wer hingegen ein Experte in Steuerfragen ist, trifft oftmals auf offene Arme. Gut stehen die Chancen ebenfalls, wenn Sie sich auf die Wirtschaftsprüfung von Banken spezialisiert haben.

3. Seiteneinstieg von einer Strategieberatung

Immer wieder kommt es vor, dass Strategieberater nach einigen Jahren ins Banking wechseln. Nach den öffentlich verfügbaren Daten scheint Goldman Sachs allein mindestens 40 Leute von McKinsey, 26 von der Boston Consulting Group und 24 von Bain zu beschäftigen. Von diesen drei Firmen beschäftigt Morgan Stanley mindestens 52, die Deutsche Bank 51 und JP Morgan 36 Ex-Mitarbeiter. Vor dem Hintergrund der gesamten Mitarbeiterzahlen scheint dies zunächst nicht allzu viel zu sein. Dennoch handelt es sich um einen erprobten Karriereweg.

So berichtet ein ehemaliger McKinsey-Consultant, dass Leute wie er nur bestimmte Posten in Investment Banken bekleiden. „Meistens gehen die Leute mit einem solchen Consulting-Hintergrund ins strategische Management einer Bank“, ergänzt er. „Wenn Sie über ein profundes Wissen in einer bestimmten Branche verfügen, dann können Sie möglichweise in M&A oder Corporate Finance wechseln, allerdings müssen Sie dann auch über Kenntnisse in Financial Modelling verfügen. Es fällt sehr schwer in Sales oder Trading anzufangen; allerdings können Sie COO im Handelssaal werden.“

4. Seiteneinstieg von der Industrie

In seltenen Fällen ist es möglich, aus dem strategischen Management oder dem Corporate Development zu Banken zu wechseln, wo genau diese Branchenexpertise verlangt wird. Laut Xanyar Kamangar,  der Director im IT, Medien und Telekommunikationsteam der Deutschen Bank ist, wird vorangehende Branchenerfahrung immer häufiger von Banken verlangt – besonders für komplexe Bereiche wie den Technologie-Sektor. Doch solange es nicht nur um den Umgang mit dem Senior Management der Kunden geht, bedürfen die meisten Jobs in M&A und Corporate Finance solider Kenntnisse in Financial Modelling. An dieser Anforderung dürfte so mancher Wechselwunsch scheitern.

5. Wechsel von Aufsichtsbehörden zu Banken

Berufserfahrung bei einer Finanzaufsichtsbehörde wie etwa der BaFin in Deutschland oder der Finma in der Schweiz kann ebenfalls ein veritables Sprungbrett zu einem Bankingjob darstellen – allerdings nur, falls die Kandidaten tatsächlich auch in den Compliance-Abteilungen der Banken landen wollen.

Ein Beispiel für eine derartige Karriere stellt der ehemalige Compliance-Chef von Barclays Hector Sands dar. Er hat fast zehn Jahre bei der britischen Finanzaufsicht Financial Services Authority verbracht und es zuletzt sogar zu deren Chef gebracht, bevor er zu der britischen Großbank wechselte. Sands hat dort zwar nur etwa ein Jahr zugebracht, während dessen er angeblich die Kleinigkeit von 3 Mio. Pfund verdient haben soll.

Ein anderes Beispiel stellt Michael Nunan dar, der eine führende Position bei der neuen britischen Finanzaufsicht Financial Conduct Authority ausübte, bevor er jüngst auf eine leitende Compliance Funktion zu Morgan Stanley wechselte. Ähnliche Beispiele ließen sich auch für andere Länder anführen.

6. Promovieren Sie in einem Orchideenfach, das für Banken relevant ist

Auch eine Promotion stellt für reifere Kandidaten einen bewährten Karriereweg ins Banking dar. „Viele Leute absolvieren ihren Master, beenden ihre Promotion und betreiben anschließend ein wenig Post-Doc-Forschung, wenn sie Ende 20 oder Anfang 30 sind“, erzählt Headhunter Nathan Haynes von GQR. Dabei hängen die Perspektiven natürlich maßgeblich vom Promotionsthema ab. Wer also im von Algorithmen gesteuerten Trading anfangen möchte, sollte sich während seiner Promotion schon mit derartigen Themen beschäftigt haben. Auch für die Arbeit mit komplexen Derivaten kann ein langjähriges Studium in Mathe, Physik oder Ingenieurswesen hilfreich sein – weil sich ohne profunde mathematische Kenntnisse viele Derivate kaum noch durchblicken lassen.

7. Top-Programmierer haben Chancen

Auch bei talentierten Programmierern schauen sich Banken das Geburtsdatum nicht allzu genau an. „Falls Sie für ein Spread Betting-Unternehmen gearbeitet haben, Satelliten-Software entwickelt haben oder in der Netzwerksteuerung eines Telekomunternehmens beschäftigt waren, dann hatten Sie wahrscheinlich schon mit ganz ähnlichen Problemen zu tun, mit denen Banken konfrontiert sind. Es dreht sich alles um Performance, zu lange Antwortzeiten, komplexe Algorithmen und niedrige Absturzraten“, sagt Headhunter Dean Looney von NJF. „Es ist viel leichter, jemanden etwas über Derivate und Risikomanagement beizubringen, als jemanden in einen erstklassigen Java- oder C++-Entwickler zu verwandeln.“

8. Vitamin B

Nicht zuletzt: Wenn Sie mit über 30 in die Bankenwelt einsteigen wollen, dann dürften einige Kontakte in diese Welt überaus hilfreich sein. Denn Sie benötigen jemanden, der sich an der richtigen Stelle für Sie und Ihre Kompetenzen einsetzt. Einschlägige Headhunter zu kennen, genügt dabei selten. Denn diese tendieren dazu, Leute mit möglichst zu 100 Prozent passenden Profilen vorzuschlagen und setzen nur selten auf Außenseiter. Seiteneinsteiger sollten daher versuchen ihr eigenes Netzwerk aufzubauen. Dazu lassen sich beispielsweise Alumni-Netzwerke, Nachbarn, Familie oder Freunde nutzen. Falls jemand bei einer Bank arbeitet und ihre Kompetenzen und Berufserfahrung schätzt, dann lässt sich daraus doch Gewinn ziehen.

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