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Traumberuf Heuschrecke (Teil 1)

Die Hedgefonds-Branche ist inzwischen bei vielen Politikern und auch Wirtschaftsbossen in Deutschland in Ungnade gefallen – Stichwort: “Heuschrecken”. Bei potenziellen Jung-Fondsmanagern allerdings stehen Hedgefonds ganz hoch im Kurs.

Anderthalb Jahre nach der Erstzulassung von Hedgefonds in Deutschland schwankt die Branche zwischen Optimismus und Ernüchterung. Mit dem Investmentmodernisierungsgesetz, das am 1. Januar 2004 die Zulassung von Hedgefonds in Deutschland regelte, ergriff eine Art Goldgräberstimmung die deutsche Investmentbranche.

Doch nicht nur die öffentliche Darstellung von Politikern und Wirtschaftsbossen, die in dem mittlerweile geflügelten Wort von den “Heuschrecken” gipfelte, mit dem SPD-Chef Franz Müntefering die Hedgefonds als gefräßige Schädlinge geißelte, verdirbt der deutschen Hedgefonds-Branche inzwischen die Laune.

Der Hauptgrund für die schlechte Stimmung sind die schwachen Zuwachsraten, die die deutschen Hedgefonds-Produkte vorweisen können. Bis Ende des 1. Halbjahrs 2005 waren es weniger als 1 Mrd. Euro, die die deutschen Emittenten einsammeln konnten. Dies ist zum einen der schwachen Performance geschuldet, die die deutschen Produkte aufweisen, zum anderen aber liegt es an dem Konstrukt “Dach-Hedgefonds”. Denn nur diese sind in Deutschland zugelassen – einzelne Hedgefonds hingegen nicht.

Die in den deutschen Dachfonds enthaltenen Einzelfonds müssen zudem diverse Transparenzregeln erfüllen – damit scheidet die Investition in einige der erfolgreichsten internationalen Hedgefonds für die deutschen Dachmarken aus. Schon spricht die Branche von “Überregulierung”, während diverse Politiker publikumswirksam weitere Regulierungen fordern.

Hedgefonds: International boomend

Doch was in Deutschland etwas krankt, ist international ein Renner. Mittlerweile gibt es weltweit rund 8.000 bis 10.000 Hedgefonds mit den verschiedensten Strategien. Und das nicht nur in den USA, auch im europäischen Raum zieht die Zahl der Hedgefonds weiter an. Dies belegt auch der aktuelle Morningstar European Fund Trends Survey, eine Umfrage unter 39 europäischen Fondsgesellschaften. Hier gaben im Juni 2005 64% der befragten Häuser an, in den kommenden 12 Monaten eigene Hedgefonds-Produkte auflegen zu wollen. Im Juni 2004 waren es gerade einmal die Hälfte der Befragten.

Bestes Beispiel dafür: Die Schweizer Großbank UBS. Die Zürcher haben Anfang Juli mit der “Dillon Read Capital Management” eine eigene, 120 Mann starke Hedgefonds-Einheit unter der Leitung des erfahrenen Investmentbankers John Costas gegründet. Konzernchef Peter Wuffli hatte zuvor gegenüber Bloomberg seine Meinung kundgetan, es sei kein Geheimnis, dass die UBS, wenn sie Kunden verliere, diese an Hedgefonds verliere. Und dem gälte es, gegenzusteuern.

Das hält den Optimismus am Leben. Achim Pütz, der Vorsitzende des Bundesverbandes Alternative Investments (BAI), erwartet eine Erholung des Hedgefonds-Markts im laufenden Jahr: “Mittelfristig können unter adäquaten Rahmenbedingungen nach meiner Einschätzung bis zu 200 Mrd. Euro, was ca. 20 % des gegenwärtigen Fondsvolumens in Deutschland entspricht, in Produkte, die einem Absolut-Return-Ansatz folgen, fließen.”

Doch selbst diese 200 Mrd. Euro wären noch immer nichts gegen die Gesamtsumme, die weltweit von Hedgefonds verwaltet wird. Diese hat mittlerweile Schätzungen zufolge die Billionen-US-Dollar-Grenze längst überschritten – 2004 waren es gerade einmal 40 Mrd. US-Dollar.

Weltweit interessant sind Hedgefonds also sowohl für die Emittenten als auch für die Kunden – aber vor allem auch für potenzielle Nachwuchsmanager. So gehen derzeit einem Bericht des Wall Street-Kenners Roger Lowenstein zufolge 60% mehr Absolventen der renommierten Harvard Business School in Boston zu Hedgefonds als zu konventionellen Aktien-Investmentfonds.

Spitzengehälter im dreistelligen Millionenbereich

Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Verdienstmöglichkeiten in der Hedgefondsbranche schier unendlich erscheinen. Allein die Managementgebühr von 1 bis 2% weckt angesichts der Billion US-Dollar, der von Hedgefonds verwaltet wird, Begehrlichkeiten. Und diese Managementgebühr ist noch nicht alles, auch 20% Gewinnbeteiligung sind nichts außergewöhnliches.

Das läppert sich in guten Jahren natürlich zusammen. Zwar werden die Jahresverdienste der weltweit erfolgreichsten Hedgefonds-Manager nur geschätzt, doch die Dimensionen werden schnell klar. Die US-Investorenmagazine “Institutional Investor”, “Alpha” und “Trader Monthly” veröffentlichen jährliche Listen über die Gehälter der Spitzenkräfte der Finanzbranche. “Institutional Investor” und “Alpha” kommen dabei übereinstimmend zu der Ansicht, dass Edward Lampert, geschäftsführender Teilhaber der Hedgefonds-Gesellschaft ESL Investments, 2004 der Spitzenverdiener der Hedgefondsbranche war – mit nicht weniger als 800 Mio. Euro Jahresverdienst.

James Simons von Renaissance Technologies konnte im vergangenen Jahr 540 Mio. Euro einstreichen, Bruce Kovner, Eigentümer von Caxton Associates LLC kam auf 440 Mio. Euro. Bei Trader Monthly, die die Einkünfte von Börsenhändlern unter die Lupe nahmen, hat Steven Cohen von SAC Capital Advisors mit rund 500 Mio. Euro die Nase vorn. Zwar schätzt Alpha Cohens Einkommen auf “nur” 340 Mio. Euro, aber auf einige Millionen mehr oder weniger kommt es in solchen Gehaltsbereichen auch schon nicht mehr an.

Alles nur Ausreißer nach oben? Mitnichten: Die Top 25 der Branche verdient durchschnittlich noch 200 Mio. Euro. Bei mehreren Tausend Fonds weltweit sind diese 25 natürlich nur eine Randgruppe, doch verdient ein durchschnittlicher Hedgefonds-Manager immer noch ein ansehnliches Gehalt. “Die Statistiken sprechen von einem Verdienst von rund 340.000 US-Dollar (270.000 Euro) für einen durchschnittlichen Hedgefonds-Manager,” so Peter Alex, Sprecher des BAI. “Die Top-Leute verdienen viele 100 Mio. Euro. Das zieht natürlich viele Leute an.”

Unbestrittene Spitzenverdiener der Branche sind die US-Amerikaner, doch auch in Europa darben die Manager nicht. Eine aktuelle Umfrage unter 890 britischen Vermögensverwaltern vom Londoner CFA Institute in Zusammenarbeit mit der Personalberatung Russell Reynolds Associates ergab einen Durchschnittsverdienst für die besten zehn britischen Hedgefondsmanager von rund 1,2 Mio. Euro.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie die Hedgefondsbranche für besseren Nachwuchs sorgen will und was einen guten Hedgefondsmanager in den Augen der Brancheninsider ausmacht.

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