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Wären Sie als Unternehmensberater besser dran?

Vor ein paar Jahren hat Goldman Sachs für seine Sommer-MBA-Praktikanten eine Präsentation mit zehn Gründen vorgestellt, warum sie nicht für den wichtigsten Konkurrenten arbeiten sollten: McKinsey.

Das klingt zunächst schräg, aber die Mitarbeiter der führenden Investmentbanken und Unternehmensberatungen sind viel leichter auszutauschen, als man glauben möchte. Es gibt viele ehemalige Unternehmensberater unter den Investmentbankern und viele ehemalige Investmentbanker sind heute erfolgreiche Unternehmensberater. Da ich in beiden Branchen gearbeitet habe, kann ich etwas über ihre Attraktivität sagen.

Die Kraft des Lebenslaufs

Wer einmal für eine führende Investmentbank oder Unternehmensberatung gearbeitet hat, hat einen Fahrschein für eine erfolgreiche Zukunft praktisch im Lebenslauf gelöst. Dabei haben Unternehmensberater wegen der großen übertragbaren Zahl an Fertigkeiten einen kleinen Vorteil.

Einkommen

Natürlich verdient man bei einer Investmentbank besser, oder? Nun, das hängt von einigen Dingen ab. Der Vorteil trifft für Berufsanfänger nur bedingt zu – vor allem in einem Bärenmarkt. Aber nach drei Jahren im Job verdienen M&A-Banker und Wertpapierhändler deutlich mehr als ihre Gegenüber bei Unternehmensberatungen. Managing Directors verdienen dagegen annähernd gleich viel. Richtig in die Vollen gehen Unternehmensberater, wenn sie Senior Partner geworden sind.

Lebensqualität

Ich dachte naiverweise zunächst, dass Unternehmensberater mehr vom Leben hätten, als zum Beispiel als ein Jung-Analyst. Der einzige Unterschied ist aber wohl der, dass man als Consultant auch mal ein freies Wochenende hat, im Gegensatz zu Leuten im Corporate Finance. Vergleichen mit Sales und Trading ist Unternehmensberatung was die Arbeitszeit betrifft aber viel anstrengender. Die Abende während der Woche kann man vergessen. Wer vor 22 Uhr zu Hause ist, hat Glück gehabt – vorausgesetzt, man ist dann auch wirklich in seinem Wohnort. Am schlimmsten ist das Reisen. Man ist ständig auf Achse. Eine Karriere als Unternehmensberater ist prima, wenn man Flugkilometer sammelt, aber nicht so toll für das Privatleben.

Stress

Ich habe die Arbeit als Unternehmensberater stressiger empfunden als Investmentbanker – und zwar wider Erwarten. Geschäftsabschlüsse im Corporate Finance haben ihre Stressphasen, aber auch viel Phasen mit ruhigerem Fahrwasser. Dagegen steht man als Unternehmensberater ständig unter Strom. Die Kunden erwarten keinen Börsengang oder eine Übernahme, sondern ständige Höchstleistung. Die Unternehmensberater-Kultur ist brutaler – jeder Schritt wird mit Argusaugen überwacht. Fast jeder neue McKinsey-Berater glaubt, dass er oder sie im ersten Jahr nichts richtig machen kann. Dagegen sind die Überprüfungen im Investmentbanking ein Witz: Wer gut ist, wird geliebt – wer nicht, nicht. So einfach ist das.

Arbeitsinhalte

Viele Investmentbanker werfen Unternehmensberater vor, im Geschäftsleben nur an der Seite zu stehen. Sie kommentieren nur, übernehmen aber keine Verantwortung. Da ist durchaus etwas dran, aber Unternehmensberater arbeiten dafür vielfältiger.

Wer als Fusionsberater arbeitet, oder Börsengänge managt, arbeitet zwar unter Umständen in verschiedenen Branchen, aber schaut doch dabei immer durch die gleiche Brille – mit tieferliegenden Problemen hat man aber nichts zu tun. Sales? Reden tagaus, tagein nur über Marktpreise. Wertpapierhandel ist noch schlimmer. Jeden Tag die gleichen Bildschirme.

Was die intellektuelle Herausforderung betrifft, haben Unternehmensberater in diesem Punkt klar die Nase vorn.

Die Wahl

Wer halbwegs normal ist, wird wahrscheinlich weder das eine noch das andere machen. Meine persönliche Erfahrung sagt mir, dass die eher aufdringlichen, arroganten, geldfixitierten Typen zu Banken tendieren, die eher belesenen, prestigeorientierten dagegen zu den führenden Unternehmensberatungen.

Kommentare (2)

Comments
  1. Ich spüre gewisse Vorliebe… aber an einer Stelle muss ich sagen, dass die Aussage alles als objektiv ist: Wenn es um intellektuelle Herausforderung geht, soll man sehr klar zwischen den Bereichen in der Investment Bank unterscheiden… ich würde dem durchschnittlichen Berater den lockeren Umgang mit der Mathematik, die z.B. in der Optionspreisbewertung benutzt wird, nicht zumuten.

    Für mich ist der entscheidende Unterschied zwischen den Industrien die Verantwortung. Ich würde an der Stelle sagen wer Verantwortung tragen kann und damit Leben kann, dass ein Fehler im Übernahme- oder Fusionsprozess hunderte von Millionen von Euro kosten kann, oder aber, dass die falsche Einschätzung des Marktes dem eigenen Unternehmen auch einen Haufen Geld kosten kann, der kann ins i-Banking. Wer dagegen lieber seine schöne Strategie präsentiert und abhauen möchte, der sollte Berater werden. Mir ist bewusst, dass die Beratungsfirmen zunehmend ergebnisorient vergütet werden, immerhin sehe ich es risikoaverser Berater zu werden.

    Bei mir ist auch gewisse Vorliebe zu merken… :)

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