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Der richtige Headhunter macht den Unterschied

Das ist der Rat von Richard Gissing, Technologischer Leiter von Gissing Software in Kent, der Headhunter für die Suche nach Technikern für seine Finanz-IT-Firma einsetzt. Was ihn am meisten stört, sind Headhunter, die sich noch nicht einmal die Zeit nehmen, genau zu verstehen, nach was er eigentlich sucht und ihn stattdessen mit Lebensläufen überschwemmen.

“Wenn man einen Programmierer für C++ sucht, schicken sie einem alle Lebensläufe, in denen C++ vorkommt, und wir verschwenden letztendlich unsere Zeit damit, die Lebensläufe durchzusieben,” stöhnt Gissing. “Wenn sich das nicht ändert, werden wir künftig nicht mehr mit ihnen zusammenarbeiten.”

Er bevorzugt den Typ Headhunter, der sich Zeit nimmt um das Unternehmen und die Fähigkeiten, nach denen gesucht wird, zu verstehen und den Typ Mensch erkennt, der gut in die Unternehmenskultur passt. “Das bedeutet, dass wir keine Zeit mit Leuten verschwenden, die ganz und gar ungeeignet sind. Wir sind ein kleines Unternehmen und Leute, die lieber in großen Konzernen arbeiten möchten, haben beispielsweise wahrscheinlich gar kein Interesse an einem Job bei uns.”

Die Personalberatung Robert Half International versucht, das Problem der Headhunter, die die Kunden nicht verstehen, zu umgehen, indem nur Personalvermittler angestellt werden, die sich mit der Materie auskennen. Dino Grigorakakis, Regional-Vize-Präsident für Beratungsdienstleistungen, erklärt: “Wir stellen CPA’s, MBA’s und IT-Fachleute ein, so dass unsere Kunden sich Recruitern gegenüber sehen, die in der gleichen Branche tätig waren und wesentlich mehr darüber wissen als nur einige Schlagworte.”

Das Unternehmen testet Bewerber und führt Referenzprüfungen durch. Grigorakakis berichtet: “Wir senden nicht nur Lebensläufe, sondern wir führen das erste Treffen des Kunden mit dem Bewerber durch, zu dem wir die ideale Person für den Job mitbringen, und unser Kunde nimmt den Bewerber mit ins Büro. Das wird oft bereits der erste Arbeitstag für den Bewerber.”

Mit seiner Zentrale in Bromley zieht Gissing vor allem IT-Veteranen an, die keine Lust mehr auf den täglichen Berufsverkehr in London haben, und trotzdem der Finanz-IT-Branche treu bleiben wollen.

“Wir haben Arbeitskräfte, die mit Dienstverträgen bereits gutes Geld in der Londoner City verdient haben, die aber jetzt lieber einen flexibleren Job mit weniger Druck haben möchten,” berichtet Gissing. “Oder sie haben Kinder und möchten gerne von zuhause aus arbeiten. Eine kleine Firma wie wir kann ihnen dies bieten, während man in einer Bank von ihnen erwartet, dass sie von 8 bis mindestens 18 Uhr anwesend sind.”

Die Erfahrungen Gissings aus England lassen sich auch auf den deutschen Markt übertragen. Einer aktuellen Umfrage des Personalberatungsdienstleisters TopKandidat24.com, der auf die Vermittlung von Headhuntern an wechselwillige Arbeitskräfte spezialisiert ist, zufolge beurteilen lediglich 37 % der Befragten ihre Erfahrungen mit Headhuntern als gut oder sehr gut. Sogar 98 % der Befragten sind der Meinung, dass es in der Personalberaterbranche starke Qualitätsunterschiede gibt.

Der Brite Gissing hat noch einen weiteren Punkt, der ihm an so manchem Recruiter missfällt: die aggressiven Gebührenforderungen. Sein Unternehmen zahlt in der Regel 15 % Provision, aber er trifft oft auf Headhunter, die 30 % verlangen, um sich dann schlussendlich doch noch auf 15 % einzulassen.

Dennoch glaubt er, dass Recruiter ihm wirklich helfen können, Zeit zu sparen. Sein Unternehmen hat in der Vergangenheit versucht, in großen Zeitungen direkt zu inserieren, doch musste feststellen, dass nur 5 % der Bewerber daraufhin annähernd passend waren.

Auch hier bestätigt die deutsche Umfrage von TopKandidat24.com, dessen Kunden vorwiegend aus den Branchen Finanzdienstleistungen, IT und Telekommunikation kommen, die Ansichten des britischen Unternehmers. 84 % der Befragten halten den Weg über einen Headhunter erfolgversprechender als andere Wege, 60 % würden anderen Jobsuchenden empfehlen, diesen Weg auch wirklich zu wählen.

Gissings große Vorliebe allerdings gilt neuen Mitarbeitern, die durch Empfehlung bereits für ihn arbeitender Leute zu ihm kommen. Er zahlt seinen Angestellten eine Prämie für einen empfohlenen neuen Mitarbeiter und glaubt, dass Leute, die aufgrund von Empfehlungen ihrer Freunde kommen, in der Regel gut passen, während die Kosten sogar noch niedriger sind als wenn er Headhunter beauftragen würde. Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, dass so der Pool der Bewerber kleiner ist.

“Finanz-IT ist ein sehr, sehr großes Markt mit Hunderttausenden von Arbeitskräften, aber er scheint doch eher inzestuös zu sein,” meint Gissing.

Die Lehre, die Jobsuchende daraus ziehen sollten: Wenn Sie ein Spezialist sind, sollten Sie einen Headhunter finden, der Ihre Fähigkeiten und versteht und sich in Ihrer Branche auskennt. Und vergessen Sie nicht, Ihren Freunden zu sagen, dass Sie auf der Suche nach einem neuen Job sind. Es könnte ihnen etwas Geld einbringen und Sie könnten sich in einer guten Position wiederfinden.”

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