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Nachfrage extrem: Consulting-Boom rund um die Banken kennt kein Ende

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Konsterniert musste Commerzbank-Finanzchef Stephan Engels in der vergangenen Woche zugeben, dass der Sachaufwand im dritten Quartal im Vorjahresvergleich um die Kleinigkeit von 50 Mio. Euro zugelegt hat. Als Begründung führte er wachsenden Beratungsbedarf aufgrund der zunehmenden Regulierung an.

Tatsächlich stellen Banken und andere Finanzdienstleister spätestens seit der Finanzkrise den sprichwörtlichen Goldesel der Consulting-Branche dar. So bezifferte allein Deloitte den Umsatzanteil der Finanzdienstleistungen in Deutschland in 2014/15 auf 27 Prozent oder 202 Mio. Euro. Das große Geschäft mit den Finanzdienstleistern führt auch zu einer anhaltend starken Nachfrage nach Consultants.

Nachfrage dürfte auch in 2015 ungebrochen ausfallen

„Die Nachfrage nach erfahrenen Financial Services-Beratern ist extrem hoch“, sagt der auf Consulting spezialisierte Personalberater Aleksander Montalbetti von Indigo Headhunters in Frankfurt. „Ich kenne keine Beratung, die nicht suchen würde.“ Allein der Asset Quality Review (AQR) und der Stresstest der Europäischen Zentralbank sind für die Banken zu einer Herkulesaufgabe geworden, die unzählige Aufseher, Prüfer, Berater sowie Mitarbeiter der Banken beschäftige. Nach Branchenbeobachtern hat dies allein in Deutschland rund 1500 Prüfer und Consultants mit Arbeit versorgt. Hinzu kämen noch die zahllosen Restrukturierungs- und Integrationsprojekte. Auch die Versicherer hätten beträchtlichen Beratungsbedarf. Montalbetti rechnet jedenfalls auch für das neue Jahr mit einer ungebrochenen Nachfrage.

„Wir registrieren nach wie vor eine große Personalnachfrage aus der Consulting-Branche“, sagt auch Headhunter Andreas Christl von Talentspy in München. „Unglaublich. Die Nachfrage befindet sich auf konstant hohem Niveau“, ergänzt Headhunter Raphael Rosenfeld von Argos Advisors in München. „Gleich ob Strategie- oder Management-Beratung, Prozessberatung oder Implementierungsberatung – alle suchen.“

Arbeitgeber suchen händeringend nach Personal

Dies bestätigen auch Arbeitgeber. „Wir werden auch im kommenden Jahr zahlreiche neue Stellen schaffen, allein für Deutschland, Österreich und die Schweiz suchen wir 200 neue Mitarbeiter“, sagt Hans-Martin Kraus, Capco-CEO Germany & Central and Eastern Europe. „Die zahlreichen regulatorischen Änderungen, die Veränderung der Wertschöpfungstiefe sowie die Herausforderung der Digitalisierung sind drei wesentliche Treiber der Nachfrage der Bankindustrie nach unseren integrierten Transformationsdienstleistungen: Anders als viele Wettbewerber entwerfen wir nicht nur Lösungsstrategien und -konzepte für C-Level-Entscheider, sondern stehen für praktische Realisierung und operative Transformation mit und in der jeweiligen Organisation.“

Die zweifache Dimension der Personalnachfrage

„Die Nachfrage ist gewissermaßen zweidimensional“, erläutert Christl. Einerseits herrsche bei den Kunden ein hoher Beratungsbedarf, weshalb die Consultingunternehmen ständig neues Personal suchen. „Auf der anderen Seite gibt es viel Bewegung. Große Beratungsunternehmen kaufen dazu. Einzelne Berater und sogar ganze Teams wechseln von A zu B. Darüber hinaus entstehen kleine Boutiquen, die oft Spin-Offs größerer Beratungen sind.“ Diese hohe Fluktuation feuere die Nachfrage nach Consultants weiter an.

Geschäftsmodell der Beratungen stützt sich auf viele Absolventen

Zum Geschäftsmodell der Beratungsbranche gehört ein hoher Anteil an Junior-Mitarbeitern, meint Christl. Den Kunden würden unterschiedliche Tagessätze – je nach Hierarchie der Mitarbeiter – in Rechnung gestellt. Oft würden ganze Teams mit einem höheren Anteil jüngerer und damit günstigerer Consultants bei den Kunden arbeiten. Insgesamt gelte eine Mischkalkulation. Auf diese Weise werde Geld verdient. Dies sei ein Grund für die hohe Nachfrage nach Uniabsolventen.

Das Up-or-out-Prinzip

Im Grunde gebe es in der Beratungs-Branche zwei grundlegende Karrieremodelle: Einem Teil der Berufseinsteiger gelinge eine Fachkarriere und der Vorstoß bis in die mittlere Karriereebene. Dann werde oft die Gelegenheit genutzt, nach einigen Jahren in eine andere Branche oder zumindest eine andere Beratung zu wechseln.

Nur einer Minderheit gelinge es zum Partner oder zu einer Führungskraft aufzusteigen. Dazu sei viel Geschick im Umgang mit Menschen erforderlich. „Es geht dann immer mehr darum, die Projekte zu verkaufen“, betont Rosenfeld. „Desto höher man gelangt, umso größer fällt die Vertriebskomponente aus.“ In vielen Beratungen gelte das Up-or-out-Prinzip, da die Pyramidenstruktur gewahrt werden muss. Doch auch die Aussteiger fänden anderswo attraktive Jobs.

Strategieberatungen suchen nach Genialität

Laut Christl würden die Anforderungen an Absolventen unterschiedlich ausfallen. Wer bei einer der renommierten Strategieberatungen anfangen wolle, müsse in Studium und Abitur eine „1 vor dem Komma“ mitbringen. Auch ein Auslandsaufenthalt und einschlägige Praktika seien Pflicht. „Auslandserfahrung stellt dort ein K.o.-Kriterium dar“, ergänzt Christl. Bei den großen Strategieberatungen bekämen indes Absolventen vergleichsweise exotischer Fächer Chancen. „Die suchen nach Genialität in einem Thema“, betont Christl.

Dagegen seien die Anforderungen bei den Big 4 nicht ganz so streng. Diese würden zumeist Absolventen der Wirtschaftswissenschaften anheuern. Generell müssten die Kandidaten strukturiert, analytisch und belastungsfähig sein. „Es wird viel gearbeitet in der Beratung“, sagt Christl.

Strategieberatungen zahlen mehr als Big 4

Die Gehaltsunterschiede zwischen den renommierten Strategieberatungen und den Big 4 fallen beträchtlich aus. Rosenfeld beziffert den Unterschied abhängig von den Hierarchiestufen auf bis zu 40 bis 50 Prozent. „Das gilt aber nur für Deutschland. In der Schweiz fällt der Abstand geringer aus“, sagt Rosenfeld.

Tendenz zu erfahreneren Mitarbeitern

Christl registriert auf dem Markt eine Tendenz erfahrenere Consultants anzuheuern. Die Kunden würden immer häufiger auf qualifizierteren und erfahreneren Consultants bestehen. Darüber hinaus steige die Fluktuation in der Branche. „Die Leute wechseln häufiger als noch vor ein paar Jahren“, sagt Christl. Niemand habe mehr die Zeit, neue Mitarbeiter erst noch lange anzulernen, daher seien Plug-&-Play-Kandidaten gefragt. „Die Beratungen suchen nach Leuten, die sofort mitarbeiten können.“

Trend Inhouse-Consulting

Immer mehr Finanzdienstleister – wie etwa die Deutsche Bank – bauen ein Inhouse Consulting auf. Auf diese Weise würden die Unternehmen Kosten sparen, sich aber auch eigene Expertise heranziehen. „Wer ein paar Jahre im Inhouse Consulting gearbeitet hat, der kennt sich im Unternehmen gut aus“, sagt Christl. Im Inhouse Consulting werde auch umsetzungs- und prozessorientierter gearbeitet. „Die Implementierung spielt eine größere Rolle“, erläutert Christl. Die Ansprüche an die Kandidaten seien ähnliche wie in der Beratungsbranche selbst. Es würden auch viele ehemalige Externe im Inhouse Consulting arbeiten. Oft falle die Reisetätigkeit in der internen Beratung geringer als in der externen aus. „Manchmal erweist sich das aber auch als Illusion“, warnt Christl.


 

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