☰ Menu eFinancialCareers

Müssen sich Banker benehmen? Was der Kulturwandel der Deutschen Bank tatsächlich bedeutet

Colin Fan

Colin Fan admonishing with Deutsche traders on his viral video

„Händler kündigen, weil sie sich benehmen müssen“, titelte beispielsweise Spiegel Online. Was war passiert? Die Financial Times hatte geschrieben, wie der Kulturwandel die Investmentbanker zu einem Wechsel zu Hedgefonds und Boutiquen treibt, in denen das persönliche Gewinnstreben weniger durch Regularien eingeengt ist.

Demnach gestand Colin Fan, Co-Chef des Investment Bankings der Deutschen Bank: „Wir sehen definitiv einen Aderlass.“ Doch diesen Personen weine das Institut keine Träne nach. „Einige Leute orientieren sich einfach nur am Geld und sie wechseln zu weniger regulierten Orten, sei es in der Technologie oder auch zu Hedgefonds. Wir wünschen ihnen alles Gute. Diese Leute passen wahrscheinlich ohnehin nicht in das neue Banking-Umfeld“, sagte Fan.

Derartige Äußerungen von Fan sind nicht neu. Bereits vor einigen Monaten hatte ein Video an die Mitarbeiter die Runde gemacht, in denen sich Fan über die laute, indiskrete und sogar vulgäre Sprache einiger Kollegen echauffierte.

Doch wie sehen die Realitäten aus? Die Deutsche Bank versuchte ein Vergütungs- und Beförderungssystem zu implementieren, in dem neben finanziellen Leistungen auch die Unternehmenswerte eine Rolle spielen. Dazu wollte sie sogenannte „rote Flaggen“ einführen. Diese Rechnung hatte die Unternehmensführung ohne den Betriebsrat gemacht, der die Reform krachend ausbremste.

Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult aus Bad Nauheim sieht den angestrebten Kulturwandel in der Branche mit Skepsis. „Wie alle anderen Unternehmen auch wollen Banken Gewinne erwirtschaften“, sagt Behrens. „Ein Managing Director wird letztlich daran gemessen, welche Erträge und Profite er generiert. Daran orientiert sich auch sein Bonus.“ Dennoch kämen auch die Banken um einen fairen Umgang mit den Kunden nicht länger herum. „Die Kunden lassen sich nicht mehr alles gefallen“, sagt Behrens.

Dagegen beobachtet Behrens einen Kulturwandel bei den Kandidaten. „Die Leute achten immer mehr auf die Work-Life-Balance“, sagt Behrens. „Viele wollen nicht mehr 14 Stunden am Tag, die Nächte und die Wochenenden durcharbeiten.“

Laut Personalberater Tim Zühlke von Indigo Headhunters in Frankfurt hätten Arbeitgeber bei Kandidaten an Attraktivität gewonnen, die weniger durch Negativschlagzeilen aufgefallen seien. „So gesehen spielt der Kulturwandel indirekt schon eine Rolle“, sagt Zühlke. Dennoch würden Kandidaten auch weiterhin darauf achten, ob eine Bank besser als der Wettbewerb zahle.

Einen Exodus von der Deutschen Bank kann Zühlke in Frankfurt jedenfalls nicht erkennen. „Die Wahrnehmung der Deutschen Bank ist in Deutschland sicherlich anders als in London“, sagt Zühlke. Überdies gebe es hierzulande kaum Hedgefonds, zu denen verdrossene Mitarbeiter wechseln könnten.

Trotz alledem könnte die Deutsche Bank mit ihrem Kulturwandel durchaus auf der richtigen Spur sein. Ein Frankfurter Headhunter, der lieber nicht genannt werden möchte, berichtet von einem Kandidaten, der bei der Deutschen Bank arbeitete und dort mit seinem Job eigentlich zufrieden war. „Dennoch wollte er aus zwei Gründen wechseln: Er wollte nicht mehr ständig negative News über seinen Arbeitgeber lesen und er störte sich daran, dass die x-te Umstrukturierung für Unruhe sorgte.“

Ähnliche Artikel:

Rote Flaggen ade: Wie der Betriebsrat den Kulturwandel der Deutschen Bank stoppt

Fan-Video im Original: Welche Verhaltensweisen bei der Deutschen Bank künftig tabu sind

Die Frankfurter Fixed Income-Junkies: Deutsche Bank ist Nummer 2 im weltweiten Investment Banking

Kommentare (0)

Comments

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier