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Heftiger Schlag gegen die europäische Regulierungswut: Deutsche Bank verlegt ihr Investmentbanking nach Indien

Der Finanzplatz London muss eine heftige Niederlage einstecken. Bankenabgabe, hohe Steuern und immer neue Regulierungen haben dazu geführt, dass die Deutsche Bank als erste internationale Großbank ihr Investmentbanking von der britischen Hauptstadt in die indische Metropole Mumbai verlegt.

Die Einsparungen aufgrund mangelnder Bankenabgabe und geringerer Steuern beziffert die Deutsche Bank auf einen Betrag von knapp einer Milliarde Euro jährlich. Profitieren von dem Schritt dürften auch die vielen hochbezahlten Investmentbanker des Hauses. Während sich der Spitzensteuersatz in England auf 50 Prozent für Einkommen über 150.000 Pfund beläuft, liegt dieser in Indien bei nur 35 Prozent.

Der deutsche Branchenmprimus will den Schritt jedoch nicht als Steuervermeidungs-Strategie verstanden wissen. Vielmehr entwickle sich Asien zum dynamischen Zentrum der Weltwirtschaft, wo nach Analysen der Bank ab 2020 80 Prozent der weltweiten Investmentbanking-Erträge erwirtschaftet würden. Mit der Verlagerung bekenne sich die Deutsche Bank überdies zu Indien, wo bislang die übrigen Mitbewerber vergleichsweise schwach aufgestellt seien.

Von dem Schritt sind zunächst etwa 3000 Arbeitsplätze betroffen, die von dem Standort der Deutschen Bank an der London Wall nach Mumbai verlagert werden. Der Handelssaal in der indischen Metropole soll ab dem 1. Januar 2012 seinen Betrieb aufnehmen. Nach den Beteuerungen der Bank seien indes keine Frankfurter Mitarbeiter von der Standortverlagerung betroffen.

Kritiker sehen in dem Umzug auch eine Strategie, um die Auflagen der europäischen Bankenregulierung EBA und die britischen Finanzaufsicht FSA zu umgehen. Denn in Indien sei der einträgliche Eigenhandel weiterhin erlaubt.

Laut Branchenkennern könne auch in der Herkunft des Investmentbanking-Chefs Anshu Jain ein möglicher Grund bestehen. Jain stammt aus Indien und hatte in den vergangenen Monaten mehrfach den Mangel an Talenten in London beklagt. Die indischen Banker seien besser ausgebildet und hungriger als Europäer. Außerdem würden sich indische Investmentbanker mit einer Gesamtvergütung von umgerechnet weniger als 100.000 Euro pro Jahr begnügen.

Die Deutsche Bank war gegenüber eFinancialCareers nicht zu einer Stellungnahme bereit. Das Haus kommentiere prinzipiell keine Aprilscherze – wie schade!

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