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Verzweiflung an der Themse: Londoner Banken suchen immer öfter M&A- und ECM-Personal in Frankfurt

Selten gab es für Senior Analysts und Associates aus Frankfurt in den Bereichen M&A und Equity Capital Markets (ECM) so große Karrierechancen in London wie heute. Denn durch den akuten Mangel in diesen Karrierestufen dehnen Banken und Boutiquen von der Themse ihre Suche immer häufiger nach Kontinentaleuropa aus.

„Ja, wir schauen uns in Kontinentaleuropa um“, sagt der auf M&A und Private Equity spezialisierte Headhunter Ross Stokes von Circle Square in London. Dies gelte besonders für Deutschland und Frankreich, aber auch für Spanien. „Kandidaten müssen aber an echten Deals in ihren Ländern mitgearbeitet haben“, ergänzt Stokes.

Die Nachfrage komme vor allen von Banken, die ihr gesamteuropäisches Geschäft von London aus betreiben. Bei Private Equity-Gesellschaften oder Boutiquen mit britischen Fokus fielen die Chancen natürlich geringer aus. Umgekehrt stellt Stokes eine große Aufgeschlossenheit bei kontinentaleuropäischen Kandidaten fest. Schließlich ist London das Finanzzentrum Nummer 1 in Europa.

Dabei scheinen sogar M&A- und ECM-Juniors von Banken aus der zweiten Reihe Chancen zu haben. So konnte Philipp Süß laut dem Register der britischen Finanzaufsicht FCA im August vom ECM-Geschäft der Hypo Vereinsbank in München zu Morgan Stanley in London wechseln. Allerdings hatte Süß vor drei Jahren schon für die Bayern in London gearbeitet. Selbst Kandidaten von z.B. der Commerzbank oder Jefferies in Frankfurt haben laut Stokes Chancen.

Auch die auf M&A spezialisierte Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt beobachtet, dass sich Londoner Banken verstärkt am Main umsehen. „Ich habe selbst schon Kandidaten nach London vermittelt“, sagt Tamm. „Die sind offen für kontinentaleuropäische Kandidaten.“

Laut Tamm würden Londoner Headhunter schon länger Kandidaten in Frankfurt angehen. Doch aufgrund des ausgetrockneten Marktes beauftragen die Banken von der Themse mittlerweile sogar deutsche Headhunter. „Ich musste kürzlich erst zwei Suchanfragen ablehnen, weil ich keine Chance sah, diese zu besetzen. Bestimmte Karrierestufen sind so knapp, dass Londoner Banken und Boutiquen Frankfurter Headhunter anheuern, um den Markt optimal zu covern“, erläutert Tamm.

Headhunter Dirk Albütz von Fibance in Frankfurt berichtet ebenfalls, dass er an einem Suchauftrag für eine nordamerikanische Bank in London arbeite. „Für Associates war London in der Vergangenheit ein Magnet, da eine berufliche Station in der City die Karriereaussichten verbesserte“, erläutert Albütz. „Daher haben die Kandidaten pro-aktiv selbst Londoner Headhunter angesprochen oder sich bei den Banken direkt beworben.“

Dass Londoner Banken jetzt aktiv in Deutschland oder der Schweiz suchen, führt Albütz auf den Mangel von Senior Analysts und Associates zurück. „Der Fachkräftemangel ist gesamteuropäisch“, betont Albütz.

Dennoch warnt der Headhunter vor überzogenen Karrierephantasien. Die Banken aus der ersten Liga würden sich die Kandidaten von Banken aus der zweiten Reihe ganz genau ansehen. „Chancen haben eigentlich nur die Leute aus den Large Cap Teams, die an den großen Transaktionen mitgearbeitet haben, die sogenannten Top-Matchs.“

„Die Chancen von einer Bank aus der zweiten Reihe von Deutschland nach London zu gehen sind schon seit langem nicht mehr so gut gewesen“, entgegnet Tamm indes. „Die Kandidaten von kleineren Adressen müssen aber glaubhaft versichern, dass sie technisch und analytisch mit den Großen mithalten können.“

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