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INTERVIEW: Wie gleich nach der Uni der Einstieg in Private Equity gelingt

Auch so kann der Alltag in Private Equity aussehen. (Foto: Getty Images)

Auch so kann der Alltag in Private Equity aussehen. (Foto: Getty Images)

Der Einstieg in die Private Equity-Branche führt meist über die Analysten-Programme der Investmentbanken. Nach einigen Jahren bei einer Bank versuchen viele dann einen Quereinstieg ins Private Equity-Geschäft. Auf jede freie Stelle gehen schnell 200 bis 300 Bewerbungen ein.

Dagegen fällt der Direkteinstieg in die Branche unmittelbar nach der Uni schwer. Eine der wenigen Adressen, die einen Direkteinstieg ermöglichen, stellt die britische Private Equity-Gesellschaft Terra Firma dar, die von Guy Hands vor 20 Jahren gegründet wurde. Seit 2009 offeriert sie ein dreijähriges Analysten-Programm. 37 ihrer rund 100 Angestellten hat Terra Firma mittlerweile über dieses Programm angeheuert. Doch der Wettbewerb um die Einstiegsstellen ist groß. Im vergangenen Jahr sind auf sechs Einstiegspositionen stolze 1589 Bewerbungen eingegangen – 265 für jede Stelle.

Wir haben mit Charlotte Broadbent gesprochen, die in 2011 über das Programm bei Terra Firma eingestiegen und jetzt als Associate beschäftigt ist. Broadbent bringt einen Bachelor in Geographie von der Uni Bristol mit.

Wieso haben Sie den Einstieg bei einer Private Equity-Gesellschaft gewählt?

An der Uni habe ich viel Zeit mit der Arbeit für ein Beratungsunternehmen verbracht. Daher war ich gewohnt auf Projektbasis mit Kunden zusammenzuarbeiten und ich habe es geliebt. Allerdings war es schon ein wenig frustrierend, dass ich nicht immer mitverfolgen konnte, wie das Projekt umgesetzt wurde und außerdem wurden viele meiner Ideen verwässert.

Eine Private Equity-Karriere bot mir die gleiche Chance zu strategischer und analytischer Arbeit, aber als aktive Anteilseigner sind wir stärker mit dem Geschäft vertraut und arbeiten uns durch den Investmentzyklus hindurch. Das hat mir wirklich gefallen und unterscheidet sich erheblich vom Einstieg als Analyst im Banking, wo der Schwerpunkt allein auf den Transaktionen liegt.

Ich konnte kein Praktikum im Investment Banking vorweisen und es gibt nur wenige Private Equity-Unternehmen, die direkt von der Uni einstellen. Bei Terra Firma anzufangen unterscheidet sich gewaltig vom Einstieg bei einer Großbank. Die Zahl der Analysten ist recht klein und die Hierarchien sehr steil, was bedeutet, dass sie schnell mitarbeiten müssen. Sie fangen zwar ganz unten an, aber sie haben viel mit den Directors, Managing Directors und gelegentlich sogar mit Guy Hands selbst zu tun. Sie müssen wirklich die Ärmel hochkrempeln.

Fiel Ihnen der Einstieg mit einem Geographie-Abschluss besonders schwer?

Als ich mich bei der Uni bewarb, wollte ich etwas studieren, was mich wirklich interessiert, aber nicht meine Karrierechancen einschränkt. Auch wenn ich mich nicht wirklich auf eine Karriere in den Finanzdienstleistungen konzentriert habe, brachte ich doch immer ein starkes Interesse dafür mit.

Tatsächlich wurde es zu meinem Alleinstellungsmerkmal und etwas, wovon aus man ein Gespräch mit den Managing Directors entwickeln konnte, weil ich nicht die gleichen Erfahrungen wie die meisten anderen Kandidaten mitbringe.

Welche Hürden mussten Sie nehmen, um den Job bei Terra Firma zu bekommen?

Ich habe den Bewerbungsprozess im Januar 2011 durchgemacht und ich weiß, dass er sich seither ein wenig verändert hat. Nach meiner Bewerbung wurde ich zu einem Telefoninterview mit einer Recruitment-Agentur eingeladen. Dabei handelte es sich um eine Vorauswahl, bevor ich zu Terra Firma zu mathematischen und verbalen Tests eingeladen wurde. An einem Tag hatte ich sechs oder sieben Vorstellungsgespräche mit Teammitgliedern. Anstatt um Abhaken im Stil von Personalabteilungen ging es dort um die Persönlichkeit.

Von mir wurde eine Fallstudie erwartet, ich sollte eine Investmentchance vor einem Managing Director präsentieren und schließlich folgte eine Gruppenübung, um zu sehen, wie ich mit Kollegen zusammenarbeite. Grundsätzlich wurden sehr gute Noten vorausgesetzt. Weiter sprach ich mit den Führungskräften über meinen Hintergrund und meine Berufserfahrungen. Die Vorstellungsgespräche stellten keinen Zuckerschlecken dar, aber es handelte sich um angenehme Gespräche über Dinge, für die ich mich interessierte und nicht um Stressfragen.

Am Ende wurden wir nach Guernsey zu einem Gespräch mit Guy Hands eingeladen und erst dabei erhielt ich einen Eindruck, wie stark der Wettbewerb und wie unterschiedlich die Kandidaten waren – alle im Alter zwischen 20 und 30. Es wurde großer Wert auf Teamwork gelegt und dass man zur Unternehmenskultur passt, weshalb auch die aggressivsten Kandidaten leer ausgingen. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann werden heute Teamfähigkeit und Persönlichkeit bereits vor dem Assessment Center geprüft.

Worin besteht heute Ihr Arbeitsalltag?

In den ersten Jahren als Analyst gibt es eine steile Lernkurve, in der Sie ein Verständnis über die Grundlagen der Branche gewinnen und das analytische Instrumentarium erlernen, um an Transaktionen mitzuwirken und zu verstehen, wie das Portfolio aufgestellt ist. Es gibt auch Rotationen. So habe ich einige Zeit in Investor Relations verbracht, wo ich mich auf Fundrising kümmerte, in der Chief Investment Officer Division mit Guy Hands und ich habe mit den Transaktions-Teams für die Gesundheitsbranche und die Erneuerbaren Energien zusammengearbeitet.

Es handelt sich um eine Tatsache, dass es keinen typischen Tag in der Private Equity-Branche gibt und genau das liebe ich an dem Job. Obgleich wir unsere Investments viel länger als an den Kapitalmärkten halten, reagieren wird doch ständig auf Veränderungen in unserem Portfolio oder bei einzelnen Transaktionen. Sie verbringen Ihre gesamte Zeit auch nicht mit Excel. Kürzlich habe ich sogar einige Zeit im australischen Outback verbracht, um den Cowboys zu helfen, ihr Geschäft zu verstehen.

Wie bitte?

Einer unserer Directors hat die Stelle als Interimschef von Terra Firmas Viehgeschäft CPC übernommen und er benötigte Unterstützung zur Datenanalyse. Also hat er mich gefragt. Das Unternehmen macht eine Transformationsperiode von fünf Jahren durch. Es war sehr interessant, sich mit einem Geschäft zu beschäftigen und viel dabei zu lernen.

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