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Wie ein schottischer Banker die greifbare Unabhängigkeit seiner Heimat sieht

Alex Salmond leitet die Kampagne für die Unabhängigkeit.  (Foto: Getty Images)

Alex Salmond leitet die Kampagne für die Unabhängigkeit. (Foto: Getty Images)

Der Countdown läuft, an dessen Ende die größte politische Erschütterung Großbritanniens seit dem Ende des Empire droht. Am Donnerstag kommender Woche stimmen die Schotten darüber ab, ob sie nach über 300 Jahren aus der Union mit England, Wales und Nordirland austreten wollen. Die Banken in Edinburgh – allen voran die Royal Bank of Scotland und Lloyds – haben vorsorglich schon einmal mit der Verlagerung ihres Hauptsitzes samt tausender von Arbeitsplätzen nach London gedroht.

Doch es gibt auch Banker, die sich für mehr Abstand zu London einsetzen. Dazu zählt Ben Thomson, der ehemalige Chef der Noble Group, einer Investment Banking- und Asset Management- Boutique, die seinerzeit 150 Mitarbeiter beschäftigte – 50 davon allein in Edinburgh.

Die Noble Group wurde in 2010 von der Execution Holdings übernommen, die später an die portugiesische Bank Espirito Santo ging. Zu diesem Zeitpunkt war Thomson gerade einmal 43 Lenze alt. Heute dagegen beteiligt er sich an der hitzigen Diskussion über die in greifbarer Nähe scheinende Unabhängigkeit Schottlands.

„Wir haben von Anfang an gesagt, dass es in Schottland eine bestimmte Form von Föderalismus geben  müsse“, sagt Thomson gegenüber eFinancialCareers.co.uk. „Wir nennen das ‚Devo(lution) Plus‘. Wir haben uns für diese dritte Option auf dem Wahlschein eingesetzt.“

Doch nachdem es diese dritte Möglichkeit nicht gibt, wird sich Thomson für oder gegen die Unabhängigkeit entscheiden? Der Ex-Banker reagiert auf diese Frage ausweichend: „Meine Stimme geht an die Seite, die für den Föderalismus eintritt, für den wir stehen.“

Thomson setzt sich für seine Vision eines föderalistischen Schottlands ein, seitdem er Noble verließ. Damals teilte er dem Scottish Herald mit, dass er zu „allen Formen der Bösartigkeit“ bereit sei. Dazu gründete er den Think-Tank „Reform Scotland“, der sich für ein wohlhabendes und föderales Schottland einsetzt.

Auch nach seinem Ausstieg bei Noble konnte er seine Hände nicht aus dem Investment Banking lassen. So betreibt er Inverleith Capital und Urbicus, die Dienstleistungen rund um M&A-Advisory und Schuldenrestrukturierung anbieten. Thomson ist von der Bedeutung des Bankensektors für Schottland überzeugt. „Es ist sehr wichtig für die Stärke einer Region, dass sie über ein starkes Investment Banking verfügt“, sagt Thomson. „Derzeit holen sich viele schottische Unternehmen diese Beratung in London.“

Doch Thomson sieht sich selbst nicht als die richtige Person, dieses schottische Investment Banking aufzubauen. „Als ich bei Noble anfing, gab es dort gerade einmal sechs Leute. Nachdem ich Noble von der Pike auf aufgebaut habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich so etwas noch einmal machen möchte. Das überlasse ich lieber der Jugend. Dennoch unterstützte ich jeden, der eine solche Advisory-Bank in Schottland aufbaut.“

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