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Überpreisfinanzierer geben auf

Der Rückzug vor allem ausländischer Konzerne aus dem Hypothekengeschäft in Deutschland macht so manches Personal in diesem Bereich überflüssig. Ein Problem für den Arbeitsmarkt?

Mit dem jüngsten Rückzug der ABN-Amro-Hypotheken-Gruppe (AAHG) aus dem Immobiliengeschäft zum 22. April gibt ein weiterer Anbieter aus dem deutschen Hypothekenmarkt sein Geschäft auf. Die im Zuge der Übernahme der Mutter ABN Amro künftig zum belgisch-niederländischen Finanzkonzern Fortis gehörende AAHG folgt damit dem US-Finanzkonzern GMAC Financial Services.

Dessen Immobilienfinanzierungstochter GMAC RFC hatte sich wie auch die AAHG auf Voll- und Überpreisfinanzierungen spezialisiert. Solche Finanzierungen ohne Eigenkapital des Kreditnehmers zu 100 % – im Fall der Überpreisfinanzierungen sogar mehr – waren als Folge der Finanzkrise nicht mehr wirtschaftlich refinanzierbar.

Keine Wende in Sicht

“Wir sind schon seit Monaten nicht mehr in der Lage, den Refinanzierungsaufschlag, den wir zahlen, an den Kunden weiterzugeben”, so Walter Capellmann, der geschäftsführende Direktor der AAHG in Deutschland, im Handelsblatt. Eine Wende zeichnet sich Capellmann zufolge derzeit nicht ab.

Als Folge entschied die AAHG, sich aus dem deutschen Geschäft mit Voll- und Überpreisfinanzierungen zurückzuziehen. Genauso wie auch GMAC RFC will das Unternehmen die laufenden Finanzierungen weiterlaufen lassen.

Hoffnungen für die betroffenen Banker macht Matthias Junges, geschäftsführender Gesellschafter der Bad Homburger MJ Consult Junges & Schüller Personalberatung. “Die guten Leute in der Immobilienfinanzierung und im Kreditbereich finden derzeit recht gut eine neue Anstellung”.

Keine große Angebotswelle

Allerdings weist er darauf hin, dass es für reine Retailspezialisten nicht ganz von selbst geht. Weder AAHG noch GMAC RFC seien aber keine großen Spieler im Markt gewesen, so dass der Arbeitsmarkt keine große Angebotswelle als Folge aus dem Rückzug der beiden Unternehmen befürchten muss.

Doch auch andere Anbieter von Voll- oder Überpreisfinanzierungen spüren die Marktveränderungen. Gestiegene Refinanzierungssätze beobachtet beispielsweise Robert Haselsteiner, Vorstand des Immobilienvermittlers Interhyp. “Das alleinige Verlassen auf den Verbriefungsmarkt hat sich als Trugschluss herausgestellt”, so Haselsteiner im Handelsblatt. Kreditpakete, die eine kleinere Nachrangtranche beinhalten, dürften seiner Ansicht nach zukünftig eher refinanzierbar sein.

Das Segment der Vollpreisfinanzierungen werde daher weiter wachsen, wohingegen er die Zukunft für Finanzierungen, die über den Kaufpreis hinausgehen, skeptischer sieht. Insgesamt scheint der Rückzug der Überpreisfinanzierer allerdings kein alarmierendes Zeichen für den Arbeitsmarkt der Immobilienfinanzierungsspezialisten zu sein.

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