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Commerzbank drängt Dresdner-Kleinwort-Banker zu Bonusverzicht

Die Ansage war kurz und knapp. “Unser Vor-Steuer-Ergebnis war negativ. Deshalb werden unsere Mitarbeiter und die Vorstandsmitglieder für 2008 keinen Bonus erhalten”, sagte Commerzbank-Finanzvorstand Eric Strutz am Mittwoch bei der Bekanntgabe des Jahresverlusts für 2008.

Dieser Grundsatz gelte für die Commerzbank AG und alle hundertprozentigen Tochtergesellschaften – also auch für die Dresdner Bank und die Investmentbankingsparte Dresdner Kleinwort.

Variable Gehaltsbestandteile werden ebenfalls nicht ausgezahlt, weil sie unter “Dividendenvorbehalt” stehen. Da sich die Commerzbank im Zuge der Teilverstaatlichung und Inanspruchnahme des staatlichen Rettungsfonds aber verpflichten musste, auf eine Ausschüttung zu verzichten, entfallen auch vertraglich vereinbarte variable Gehaltsposten, erläuterte Strutz während einer Telefonkonferenz.

Wer nun aber glaubt, die Debatte um Bonus-Zahlungen sei damit beendet, der irrt. Schließlich hat sich die Commerzbank nach Auskunft von Strutz beim Kauf der Dresdner Bank verpflichtet, 30 Prozent des Bonuspools der Investmentbankingsparte Dresdner Kleinwort zu garantieren.

Da die Allianz der Dresdner Kleinwort im Sommer dem Vernehmen nach einen Bonus-Pool von 400 Mio. Euro zugesichert hat, können sich die weltweit 5.500 Mitarbeiter von Dresdner Kleinwort trotz der Milliardenabschreibungen im vergangenen Jahr über eine Ausschüttung von rund 140 Mio. Euro freuen.

Strutz musste wohl auch deshalb einräumen, dass die Mitarbeiter “eine individuelle Anerkennung für geleistete Mehrarbeit sowie einzelvertraglich geregelte Gehaltsbestandteile” bekommen werden.

Damit hat er im Grunde aber nur bestätigt, was sich nicht ändern lässt. Wer sich bestimmte Prämien in seinem Arbeitsvertrag bei Erreichen bestimmter Ziele hat garantieren lassen, kann die Witze um “Gier-Banker” in der Bild-Zeitung gelassen ertragen. Nach dem Motto: Wer zuletzt lacht, am lacht am besten.

Aus diesem Grund blieb Strutz auch nichts anderes übrig, als seine Investmentbanker bei Dresdner Kleinwort bei der Ehre zu packen. Er sei jedenfalls zuversichtlich, dass andere Banker dem guten Beispiel – gemeint war Ex-CEO Jentzsch, der nach öffentlichem Druck auf einen Bonus verzichtet hat – folgen werden.

Wie aus dem verkürzten, noch nicht testierten Konzernabschluss der Commerzbank hervorgeht, ist der Personalaufwand im vergangenen Jahr wegen der gestrichenen Boni um 583 Mio. Euro (19 Prozent) auf 2,5 Mrd. Euro zurückgegangen.

Das ist bemerkenswert, schließlich hat die Commerzbank die Zahl der Konzernmitarbeiter in den vergangenen zwölf Monaten – vor allem durch die Konsolidierung von übernommenen Instituten wie die Essen Hyp und die ukrainische Bank Forum – um rund 17 Prozent auf 43.169 (2007: 36.767) gesteigert.

Berücksichtigt man jetzt noch die 2007er Boni und Sonderzahlungen von 797 Mio. Euro, die die Commerzbank im vergangenen Jahr gezahlt hat, bleibt noch eine Differenz von rund 200 Mio. Euro übrig.

Die Bank wollte sich auf Nachfrage von eFinancialCareers zur Höhe der Boni nicht äußern. Eine Sprecherin bestätigte aber, was wegen des angekündigten Abbaus von 6.500 Stellen im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank ohnehin jeder wusste. De facto hat die Commerzbank einen Einstellungsstopp verhängt. “Bis auf weiteres stellen wir nur in Ausnahmefällen zusätzlich erfahrene Mitarbeiter ein”, sagte eine Sprecherin.

Von dem “Hiring-Freeze” nicht berührt ist aber die Nachwuchsrekrutierung. Im laufenden Jahr stellt die Commerzbank rund 1.000 Trainees und Azubis ein, teilte die Sprecherin weiter mit.

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