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EUROPA-STUDIE: Deutsche Banken von Finanzkrise überproportional betroffen

Von der Finanz- und Wirtschaftskrise sind besonders Deutschland und Großbritannien betroffen. Relativ stabil zeigten sich dagegen die Bankenmärkte in Spanien, in den skandinavischen Ländern sowie in den meisten Staaten Mittel- und Osteuropas. Insgesamt war die Rentabilität des europäischen Bankensektors im Jahr 2008 erstmals negativ. Das sind Ergebnisse der European Banking Study (EBS) 2008, die die Beratungsgesellschaft ZEB jetzt vorgestellt hat.

Die Ergebnissituation soll sich zwar in den kommenden Jahren schrittweise verbessern, das Rentabilitätsniveau der Rekordjahre 2005 und 2006 wird aber mittelfristig nicht wieder erreicht.

In der Krise waren Banken mit klarem Geschäftsmodell stabiler und ertragreicher. Sie zeichnen sich durch eine konsequente Positionierung im Kundengeschäft, internationale Diversifizierung und eine ausreichende Kapitalausstattung aus und können daher als eigentliche Gewinner der Krise gelten.

2005 und 2006 erwirtschaftete die europäische Kreditwirtschaft noch Eigenkapitalrenditen von mehr als 18 Prozent – die höchsten Werte seit der Jahrtausendwende. Seitdem verringerte sich der Jahresüberschuss der Banken in Europa innerhalb von nur zwei Jahren um rund 460 Mrd. Euro.

Dieser massive Ergebniseinbruch führte im Jahr 2008 erstmals zu einer insgesamt negativen Eigenkapitalrentabilität vor Steuern von -3,1 Prozent. Auf nationaler Ebene variieren die Ergebnisse stark.

Deutschland und Großbritannien gehörten im vergangenen Jahr mit Eigenkapitalrenditen von -8,3 Prozent bzw. -14,6 Prozent und Cost-Income-Ratios von mehr als 90 Prozent zu den Schlusslichtern in Europa.

Dagegen zeigen sich die Märkte, die bereits in der Vergangenheit Bankenkrisen zu bewältigen hatten, in der aktuellen Krise deutlich stabiler und krisenresistenter. So erzielen Banken aus Spanien und den skandinavischen Ländern sowie aus einigen Märkten Mittel- und Osteuropas im Durchschnitt nach wie vor Renditen von mehr als 15 Prozent.

Eine Analyse der Ergebnisse von 30 europäischen Großbanken zeigt, dass das Geschäftsmodells für den Erfolg eines Kreditinstituts in der Krise entscheidend ist.

So profitieren europäische Großbanken von dem Engagement in unterschiedlichen Auslandsmärkten und damit einer internationalen Diversifikation. Darüber hinaus sollten sich Kreditinstitute entweder konsequent auf das Retail- und Firmenkundengeschäft oder aber auf das Investmentbanking fokussieren.

Institute, die in der Vergangenheit versucht haben, rückläufige Erträge im Kundengeschäft durch verstärkte Aktivitäten in einem Nichtkernbereich, etwa dem Investmentbanking, auszugleichen, zählen aus heutiger Sicht zu den Verlierern der Krise.

“Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind durch ihre Spezialisierung auf das Kundengeschäft und ihre gute Kapitalausstattung bisher stabiler durch die Krise gekommen”, sagte ZEB-Partner André Ehlerding. Dennoch habe sich der Renditeabstand des deutschen Bankenmarktes zu anderen Ländern insgesamt vergrößert. Zurückzuführen ist dies auf nicht ausreichend werthaltige Strategien und Geschäftsmodelle. Deutsche Banken werden daher ihre Anstrengungen erhöhen müssen, wenn sie eine gute Position im europäischen Bankenmarkt erreichen wollen.”

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