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11 Tipps, wie Berufseinsteiger ihr erstes Jahr im Investmentbanking überstehen

Handelssaal der Deutschen Bank

Handelssaal der Deutschen Bank

In Kürze werden die neuen Analysten wieder in die Investmentbanken strömen – mit Träumen von der ganz großen Karriere. Doch was sollten Berufseinsteiger beachten, damit diese Träume nicht zu Albträumen mutieren? Wir haben Branchenexperten nach ihren besten Tipps gefragt.

1. Fragen Sie nie nach Arbeit

Glauben Sie ja nicht, Sie könnten mit der Frage nach mehr Arbeit punkten. Laut Mark Hatz, der früher selbst im Investmentbanking bei Goldman Sachs und Perella Weinberg gearbeitet hat und heute Studenten berät, würden sich Analysten damit nur selbst in Schwierigkeiten manövrieren. „Sie werden ohnehin immer gut beschäftigt sein und die Leute werden sich an die Qualität Ihrer Arbeit erinnern und nicht wie viel Sie sich aufladen lassen“, warnt Hatz.

2. Machen Sie es sich nicht zu gemütlich

Analysten sind im ersten Jahr ihrer Investmentbanking-Karriere mit einer steilen Lernkurve konfrontiert. Wenn dann auch noch die langen Arbeitszeiten hinzukommen, bleibt wenig Zeit, um über die alltägliche Arbeit hinauszublicken. „Verpassen Sie nie eine Chance etwas zu lernen“, rät Ziad Awad, der früher bei der Bank of America Merrill Lynch arbeitete und heute seine eigene Boutique betreibt. „Falls Ihnen eine Führungskraft anbietet, an einem Projekt mitzuarbeiten, das sich außerhalb Ihrer Komfortzone befindet, dann sollten Sie sich nicht zieren, dies anzunehmen. Denn die Führungskraft meint wahrscheinlich, dass Sie das Zeug für den Job mitbringen. Also zeigen Sie, dass das stimmt. Im schlimmsten Fall lernen Sie aus Ihren Fehlern.“

3. Lassen Sie sich helfen, aber nicht von der Person, die Ihnen die Aufgabe gegeben hat

So mancher Analyst glaubt, dass er nach den Einführungsveranstaltungen eine Art Schonzeit genießt. Doch dies trifft nicht zu. Vielmehr wird von Berufseinsteigern vom ersten Tag an verlangt, Leistung zu erbringen. Falls Sie dabei mit einer Aufgabe zu kämpfen haben, sollten Sie sich nicht scheuen, nach Hilfe zu fragen – allerdings niemals denjenigen, der Ihnen die Aufgabe übertragen hat. „Fragen Sie jeden anderen auf diesem Planeten um Hilfe, bevor Sie sich an Ihren Manager wenden“, empfiehlt Ben Rick, der bei der Bank of America Merrill Lynch früher den europäischen Eigenhandel leitete und heute Partner bei Social and Sustainable Capital ist.

4. Alles dreht sich um das Team

So mancher Analyst hält das Bekenntnis der Banken zum Teamwork für eine leere Worthülse. Dennoch wird kein Analyst vorankommen, wenn er sich nicht mit seinem Umfeld arrangiert. „Das Wichtigste ist, ins Team zu passen“, erzählt ein DCM-Analyst nach seinem ersten Berufsjahr. „Ich hatte das Glück in einem Team mit großartigen Leuten zu landen und gleichzeitig hat mir das Produkt gefallen. Allerdings fällt es vielen Analysten wesentlich schwerer, mit ihrem Team zurechtzukommen. Das macht alles viel schwieriger.“

5. Verfallen Sie in keinen Konkurrenzkampf mit den anderen Analysten

Graham Ward war früher Co-Head des Aktiengeschäfts von Goldman Sachs in Europa und ist heute Dozent bei der INSEAD. Ward rät, sich auf seine eigenen Ziele zu konzentrieren und sich nicht zu sehr von seinem Umfeld ablenken zu lassen. „Sie sollten sich nur mit sich selbst vergleichen. Im Banking kann die Vergütung sehr hoch ausfallen, aber nur einer kann der Beste sein“, erzählt Ward. „Ihre Kollegen mögen mehr als Sie verdienen und vielleicht erhalten sie auch Karrierechancen, die eigentlich Sie verdient hätten. Die Karriereentwicklungsprogramme sind von Natur aus unvollkommen. Damit müssen Sie zu leben lernen. Falls das für Sie OK ist, sollten Sie daran arbeiten. Schließlich werden Sie auch Anerkennung ernten. Falls Sie über viele Monate lang unglücklich sind, dann sollten Sie vielleicht die Kurve kratzen.“

6. Seien Sie sich darüber klar, wohin Sie wollen

Nur wer eine langfristige Perspektive hat, kann erfolgreich sein. Verfallen Sie ja nicht auf den Irrtum, dass Ihre aktuelle Aufgabe immer so weitergehen wird. Hatz empfiehlt sich Exitoptionen zurechtzulegen und sich über deren Konsequenzen im Klaren zu sein. „Sie sollten eine Vision davon haben, wo Sie in zehn Jahren sein wollen und den besten und einfachsten Weg finden, um dorthin zu gelangen“, ergänzt Hatz.

7. Kommen Sie herum

Hatz rät, Berufserfahrung in möglichst vielen Geschäftsbereichen zu finden. Dabei handle es sich um den besten Weg, ein breiteres Produktwissen zu erwerben. Doch auch internationale Erfahrungen zu sammeln, helfe einer Karriere auf die Sprünge. „Geographische Mobilität ist ein weiterer entscheidender Faktor für einen Karriereaufbau. Dies wird weiter an Bedeutung gewinnen, da die Globalisierung der Weltwirtschaft wächst und sich das wirtschaftliche Gewicht zwischen Nord und Süd und zwischen Ost und West neu verteilt“, sagt Awad. „Obgleich ich von Paris nach London und von London nach Dubai gewechselt bin, habe ich einmal eine Chance in New York zu arbeiten abgelehnt und manchmal frage ich mich, welche Folgen dies für meine Karriere gehabt hätte.“

8. Lassen Sie sich von Ihrer Berufsbezeichnung definieren

Auch wenn Analysten ganz unten anfangen, sollten Sie schon frühzeitig die Kompetenzen zeigen, die die Banken später in der Karriere erwarten. „Glauben Sie nicht, dass von Ihnen keine Führungskompetenz verlangt wird, nur weil ihr Rang gering ist“, meint Ward. „Vorauszudenken, Einfluss auszuüben und Hilfe beim Aufbau eines Teams – dabei handelt es sich sämtlich um Führungseigenschaften, die von Anfang an registriert und geschätzt werden.“

9. Es handelt sich um ein langfristiges Engagement

Die meisten jungen Banker sind sehr kurzfristig orientiert und konzentrieren auf schnell zu erreichende Erfolge, den schicksten Jobtitel oder die beste Leistungsbeurteilung. Dennoch kann eine Karriere im Investmentbanking auch sehr lange währen – mit allen Höhen und Tiefen. „Wenn ich zurückblicke, dann gab es eine Menge Leute, die früh sehr erfolgreich waren und dann nach einigen Jahren von der Bildfläche verschwanden, während andere damals bei Beförderungen übersehen wurden und später sehr erfolgreich waren“, erinnert sich Rick. „Vieles, was passiert, liegt außerhalb Ihrer Kontrolle. Daher müssen Sie geduldig sein und darauf warten, dass sich Chancen bieten. Wenn Sie gut sind, dann werden sich diese unvermeidlich einstellen.“

10. Glauben Sie ja nicht, dass Sich Ihr Chef um Sie schert

Eine Familienkrise, abgesagte Abendessen oder gar Kehlkopfkrebs? All das wird um sie herum vorkommen und Ihr Chef wird auch Mitgefühl zeigen. Dennoch werden diese Vorkommnisse die geschäftlichen Entscheidungen Ihres Vorgesetzten nicht beeinflussen. „Glauben Sie bloß nicht, dass sich Ihr Vorgesetzter tatsächlich um Ihre privaten Probleme schert – gleich ob es sich um eine Familientragödie, Ihre bevorstehende Hochzeit oder Ihre Flitterwochen handelt“, sagt Awad. „Manche sind höflich und zeigen ihre Anteilnahme, andere nicht. Aber besonders in Großunternehmen geht es darum, ein Geschäft zu betreiben und Sie müssen Ihr Leben so einrichten, dass dies möglich ist und nicht umgekehrt.“

11. Verwandeln Sie sich nie in einen Banker

In einem Job, der eine Wochenarbeitszeit von bis zu 90 Stunden beansprucht, kann es schwer fallen, noch andere Interessen zu verfolgen. Freundschaften können zerbrechen, die Gesundheit kann leiden und selbst das mentale Wohlbefinden kann zu einer Nebensächlichkeit absinken. Dann sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass es sich lediglich um einen Job handelt. „Lassen Sie andere nicht entscheiden, was Sie von sich selbst halten. Da draußen gibt es eine ganze Welt. Gleich bei welcher Bank Sie arbeiten, gibt es doch noch eine Menge großartiger Dinge, die der Beschäftigung wert sind“, meint Ward. „Die Chancen stehen gut, dass Sie mit 65 nicht mehr bei dem gleichen Unternehmen arbeiten. Also kümmern Sie sich um sich selbst, nehmen Sie sich Zeit für Sport und bringen Sie sich in Form. Nehmen Sie Ihren gesamten Urlaub und bilden Sie sich auch jenseits der Finanzwelt fort.“

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