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Brutal ehrlich: Wie das Leben eines jungen Investmentbankers tatsächlich aussieht

Blick hinter die Kulissen eines Handelssaals. (Foto: Getty Images)

Blick hinter die Kulissen eines Handelssaals. (Foto: Getty Images)

Am Tage mit Milliarden jonglieren und abends heiße Bräute mit dem Ferrari zu Edelbars chauffieren – es gibt unzählige Klischees übers Investmentbanking. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Wir haben mit einem ehemaligen Investmentbanker gesprochen, der nach einigen Jahren in der Branche sein eigenes Unternehmen gegründet hat. Da seine Schilderungen schonungslos ausfallen, möchte er lieber anonym bleiben:

Welche Leute sind dazu bestimmt, als Investmentbanker zu scheitern?

Wem die Sozialkompetenz fehlt, mit den Kunden ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen und ihnen deutlich zu machen, welchen Mehrwert die Bank bieten kann, wird auf dem Director-Level scheitern. Falls Sie ein Zahlenmensch oder nur ein effizienter ausführender Mitarbeiter sind, dann benötigen Sie nur analytische Fähigkeiten. Aber um Geschäft zu generieren, müssen Sie auch Sozialkompetenz besitzen, um Kunden einzuwerben. Viele Banken bieten die gleichen Produkte an; der Kunde arbeitet mit einer Bank zusammen, der er vertraut, die er versteht und die er mag.

Mal ehrlich, wie lange war so ein Arbeitstag?

Die Arbeitszeiten sind brutal: Fast täglich von 8.30 oder 10 Uhr bis Mitternacht – oft auch bis 1 oder 2 Uhr nachts. Es gibt auch viel Wochenendarbeit. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 80 Stunden.

Mit welchen Tricks können Investmentbanker Marathon-Tage vermeiden?

Sie sollten schon früh am Tag effizient sein, alle Aufgaben so rasch wie möglich erledigen und niemals etwas verschieben, was Sie sofort erledigen können. Fragen Sie die leitenden Teammitglieder nach einer möglichst langfristigen Planung, damit Sie in der Lage sind, Prioritäten zu setzen und Aufgaben zu erledigen, bevor die Deadlines sie unter Druck setzen und Sie den Nachbrenner zünden müssen. Dies ist allerdings manchmal unvermeidbar; mit einem pro-aktiven Management lässt sich dies jedoch minimieren.

Wie bleiben die Leute so lange wach? Greifen sie zu Amphetaminen?

Ich habe keinen großen Konsum von Amphetaminen registriert. Vielleicht nehmen die Leute heimlich Ritalin oder Adderall, aber meistens handelte es sich um Kaffee, Energiedrinks oder ähnliche Getränke. Ich glaube die Zeiten der Kokain-Cowboys aus den 80er Jahren sind gezählt.

Sind die ganzen Kundenpräsentationen wirklich erforderlich?

Wir haben eine neue Investment Banking Division eines großen bereits bestehenden Konzerns aufgebaut. Dabei waren unsere Präsentationen auf konkrete Deals gerichtet. Allerdings dienten sie auch dazu, unser Team und unsere Fähigkeiten vorzustellen, um eine Beziehung für künftige Geschäfte aufzubauen. Für jüngere Teammitglieder ist es frustrierend, solche Präsentationen zu erstellen, nur damit sie auf einem Schreibtisch herumliegen und niemals angeschaut werden.

Welche Erfahrungen haben Sie im Investmentbanking gesammelt, die Ihnen beim Aufbau ihres neuen Geschäfts helfen?

Ich habe ein Verständnis davon gewonnen, wie man Geschäftsergebnisse und Märkte beurteilt, ein Team aufbaut und leitet und wie man 100 Stunden und mehr in einer Woche arbeitet. All das ist erforderlich, um ein eigenes Geschäft aufzuziehen und das lernt man als Investmentbanker.

Ich treffe viele Leute, die ein Kleinunternehmen betreiben und niemals die Zeit investieren oder wissen, wie viel Zeit erforderlich ist, um erfolgreich zu sein und die Konkurrenz zu überwinden. Sie denken, es handle sich um einen langen Arbeitstag, wenn sie sieben bis neun Stunden arbeiten. Sie ziehen nicht einmal in Erwägung, eine Nacht durchzuarbeiten oder so lange zu arbeiten, bis alles erledigt ist.

Die Leute glauben, ich würde lügen, wenn ich ihnen erzähle, wie viel ich im Banking oder meine Frau als Rechtsanwältin gearbeitet haben. Sie scheinen nicht zu verstehen, dass sie nur halb so viel arbeiten und nichts von ihren Privatleben opfern. Das ist auch der Grund dafür, wieso sie nur 50.000 anstatt von 250.000 Euro verdienen.

Welchen Rat würden Sie einem Einsteiger im Investmentbanking mitgeben?

Tauchen Sie zu 100 Prozent ein. Begreifen Sie, dass es sich um Ihr Leben handelt und Sie ab sofort arbeiten, schlafen und wieder arbeiten… in einem endlosen Kreislauf.

Gehen Sie es niemals ruhig an und genießen Sie niemals einen leichten Tag oder eine leichte Woche. Suchen Sie nach mehr Arbeit, übernehmen Sie mehr Verantwortung und avancieren Sie zu einem wichtigen Teammitglied.

Sagen Sie auch, wenn Sie eine Ihrer Tätigkeiten für Zeitverschwendung halten. Suchen Sie nach einer besseren Lösung, verbessern Sie das Produkt, schaffen Sie Mehrwert und kümmern Sie sich nicht nur darum, was Ihnen übertragen worden ist.

Beschweren Sie sich niemals. Falls Sie etwas nicht mögen, dann müssen Sie auf das Problem hinweisen und eine Alternative anbieten. Sicher gefällt es Ihnen nicht, noch um 3 Uhr nachts an einer Kundenpräsentation zu arbeiten. Aber so lange es Ihnen nicht gelingt, das Projekt effizienter zu erledigen, so lange haben Sie auch keine andere Möglichkeit. Daher sollten Sie stets schauen, wie Sie etwas besser erledigen können.

Wie sah das Leben von Praktikanten bei Ihrer Bank aus?

Die jüngeren Banker mit ein oder zwei Jahren Arbeitserfahrung bemühten sich, sich mit ihnen anzufreunden, mit ihnen auszugehen und ihnen einen gute Zeit zu bieten – auf diese Weise wollten Sie sich als der „coolste Analyst“ zeigen. Doch die gleichen Analysten versuchten auch so viel Arbeit wie möglich auf den Praktikanten abzuladen wie Präsentationen zu binden – alles halt was, „jeder Affe“ erledigen könnte.

Im ersten Monat war ich immer freundlich zu den Praktikanten, sprach darüber, wie die anderen Analysten ihre Arbeit bei ihnen abladen, um sie dann im zweiten Monat mit Aufgaben zu überhäufen. Ich habe Sie nur anhand Ihrer Arbeitsleistung beurteilt und mich auf die letzten vier bis sechs Wochen konzentriert.

 

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