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Wie Sie aus einem Praktikum bei der Deutschen Bank ein Übernahmeangebot herausschlagen

Ein Gemälde von Hugo Wilson hängt in der Deutschen Bank London.

Ein Gemälde von Hugo Wilson hängt in der Deutschen Bank London.

Die Chance nach einem Praktikum bei einer Investmentbank in London ein Übernahmeangebot zu erhalten, liegt zwischen 60 bis 100 Prozent. Laut einem Praktikanten, der 2013 sein Praktikum in der Investment Banking Division (IBD) der Deutschen Bank absolvierte, liegt dort die Quote sogar bei stolzen 90 Prozent.

Doch was erwartet Praktikanten bei der Deutschen Bank in London? Und wie können Praktikanten ihre Chancen auf eine Übernahme steigern? Wir haben mit dem Praktikanten gesprochen, der in 2013 tatsächlich ein Angebot erhalten und es abgelehnt hat.

Müssen Praktikanten rund um die Uhr arbeiten?

Im gewissen Sinne schon. Dennoch ist es offensichtlich verpönt, wenn sich Praktikanten die ganze Nacht um die Ohren schlagen. Am Anfang erklärte das M&A-Team, dass es sich beim Sommer um eine ruhige Zeit handle. Wer sich allerdings ein Übernahmeangebot sichern möchte, von dem werde Einsatz verlangt. Laut dem Praktikanten liegen die Arbeitszeiten in M&A zwischen 9 und 24 Uhr und im Corporate Broking-Geschäft zwischen 7 Uhr und 22.30 Uhr.

Welches Training wird angeboten?

In den ersten anderthalb Wochen geht es darum, die Praktikanten auf den richtigen Weg zu bringen. So gibt es die übliche Einführung in die Unternehmenskultur der Deutschen Bank. Dabei wird gern betont, wie überzeugt der deutsche Branchenprimus immer noch von seinem Engagement im Investmentbanking sei und dass es sich um die einzige europäische Bank handle, die in sämtlichen Geschäftsbereichen stark sei.

In der ersten Woche werden auch die Grundlagen des Investmentbankings und der Finanzmodellierung vermittelt, es gibt einen Crashkurs in Excel, der sich als besonders nützlich erwiesen hat. In den letzten drei Tagen der Einführungsphase geht es darum Kenntnisse über den jeweiligen Geschäftsbereich zu vermitteln, in denen der Praktikant eingesetzt wird, und mit der einschlägigen Software zurechtzukommen. Dazu gehören Bloomberg-Terminals, Datastream von Thomson Reuters und die Investmentanalyselösung Factset.

Wie viele Praktikanten sind dort beschäftigt?

Im britischen M&A-Team waren fünf Praktikanten beschäftigt, doch in den kleineren M&A-Teams gibt es lediglich ein oder zwei Praktikanten.

Dreht sich alles um Deals?

Nicht wirklich. Um den Einstieg zu erleichtern, müssen die Praktikanten zunächst eine Reihe von Halbjahresergebnissen für Kunden aufbereiten. Die Arbeit ist relativ einfach und es wiederholen sich die immer gleichen Arbeitsschritte. Allerdings ließen sich auch leicht Fehler machen. Wie überall geht es darum, mit sorgfältiger Arbeit einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen.

Von Praktikanten wird auch erwartet, grundlegende Daten für Kundenpräsentationen zu beschaffen. So müssen Praktikanten beispielsweise die Daten von Konkurrenzunternehmen aus verschiedenen Ländern recherchieren, die dann an das übrige Team weitergeleitet werden.

Sollte man sich hüten, Teammitglieder um Hilfe zu bitten?

Nein. Jedem Praktikanten wird ein bestimmter „Buddy“ zugeordnet, bei dem es sich normalerweise um einen Analysten handelt. Von ihm wird erwartet, einen bestimmten Anteil seiner Arbeitszeit für den Praktikanten zu reservieren. Ihnen wird überdies ein gewisser Spielraum zugestanden, Teile ihrer Arbeit an andere Teammitglieder abzugeben, um Zeit für den Praktikanten zu gewinnen.

Bei der Deutschen Bank arbeiten die gleichen Analysten für Corporate Broking und M&A. Aus diesem Grund kann die Tätigkeit je nach Arbeitsanfall variieren. Praktikanten sollten niemals mit einer genauen Vorstellung von ihren Tätigkeiten anfangen, sondern sich in alle Aufgaben hineinstürzen, die ihnen anvertraut werden.

Werde ich mit Führungskräften in Kontakt kommen?

In der ersten Woche sollten Praktikanten zumindest den Managing Director des Teams kennenlernen. Allerdings ist der Praktikant in seinen sechs Wochen im Team niemals dem Managing Director begegnet. In anderen Banken werden von der Personalabteilung Treffen mit Führungskräften zum Frühstück oder Abendessen organisiert. Dies erlaubt Praktikanten zumindest einen Überblick auf die unterschiedlichen Geschäftsbereiche zu gewinnen, auch wenn dies für die Übernahmeentscheidung kaum ausschlaggebend werden dürfte.

Was kann ich von einem individuellen Projekt erwarten?

In den letzten beiden Wochen wird den Praktikanten ein eigenes Projekt übertragen, das allerdings neben den anderen Aufgaben erledigt werden muss. Das Ergebnis wird den Teammitgliedern erläutert. Für Praktikanten stellt dies die Chance dar zu zeigen, was sie alles gelernt haben und dass sie ins Team passen.

Im IBD-Team der Deutschen Bank sollten die Praktikanten einfach nur eine überzeugende Fallstudie für einen virtuellen M&A-Deal erarbeiten. Es wird also lediglich die Analyse einer M&A-Transaktion eines beliebigen Unternehmens verlangt. Anschließend muss diese Fallstudie in 90 Minuten einem Gremium von drei Vice Presidents vorstellt werden. Die Möglichkeit, dass die Fallstudie von den Bankern verrissen wird, könne für einen Praktikanten schon eine angsteinflößende Aussicht darstellen. Allerdings sollte die Sache glimpflich verlaufen, sobald der Praktikant jeden Einwand mit einer überzeugenden Antwort parieren kann.

Gibt es spezielle Tipps, um sich ein Übernahmeangebot zu sichern?

Praktikanten sollten sich auf jeden Fall als „Team Player“ und als kompetent erweisen. Es komme nicht nur darauf an, seine Arbeit zu erledigen, sondern auch mit den übrigen Teammitgliedern zurechtzukommen. „Einer der wenigen Praktikanten, die kein Angebot erhielten, hat sich öffentlich mit einer erfahrenen Bankerin angelegt“, erzählt der Praktikant. „Er versuchte einen Witz zu reißen, aber sie war beleidigt und er entschuldigte sich nicht. Ich bin überzeugt, dass sie sich gegen ihn ausgesprochen hat.“

Wie lief das mit dem Übernahmeangebot ab?

Die Praktikanten werden von einem Mitarbeiter der Personalabteilung einzeln in einen Raum gerufen und ihnen entweder ein Vertrag vorgelegt oder die Ablehnung mitgeteilt. Wer es nicht geschafft hat, verlässt sofort das Unternehmen – und das obgleich die Mitteilung bereits eine Woche vor Praktikumsende erfolgte. „Man kommt sich wie ein Auszubildender vor“, ergänzt der Praktikant. Allerdings müssen sich die Glücklichen innerhalb von zwei Wochen entscheiden, ob sie das Angebot annehmen.

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