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„Weckruf“: Geht der Stellensegen im Corporate Banking zu Ende?

Auch in der Industrie kommen Banker unter.

Auch in der Industrie kommen Banker unter.

Der deutsche Arbeitsmarkt für Corporate Banking kennt seit einigen Monaten einen neuen Boom-Markt, wie er ihn abgesehen von Compliance, Risikomanagent und Beratung seit der Finanzkrise nicht mehr gesehen: Die Banken heuern auf breiter Front Personal im Corporate Banking an – und dort besonders im Mittelstandsgeschäft an.

Die Einstellungswelle hält an…

„Die Banken stellen da weiterhin stark ein“, beobachtet Personalberater Andreas Krischke von Indigo Headhunters in Frankfurt. Gesucht würden klassische Client Relationship Manager und im Flow-Geschäft wie Cash Management, Trade Finance und Zins- und Währungs-Management. „Das sind die wichtigsten Produkte“, ergänzt Krischke.

Auch Finanzprofis, die sich in Debt Capital Markets (DCM) und im Schuldscheingeschäft auskennen, sind begehrt. „Schuldscheine sind ein Produkt, das im Mittelstand dominiert“, erläutert Krischke. Diese Finanzierungsvehikel ließen sich einfacher und mit geringeren Kosten als etwa Mittelstandsanleihen auflegen.

Mit von der Partie seien praktisch sämtliche Auslandsbanken. Sie profitieren von ihrer internationalen Präsenz, da sie so die Unternehmen ins Ausland begleiten können. Auch die Landesbanken würden anheuern und teilweise in Regionen Deutschlands vorstoßen, in denen sie bislang nicht präsent waren.

Die gleiche Beobachtung macht Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult in Bad Nauheim. Interessant sei der Markt auch aufgrund seines Cross-Selling-Potenzials. So würden die Banken Unternehmen teilweise günstig Kredite vergeben, um ihnen anschließend auch anderer Produkte zu verkaufen. Umgekehrt würden sie andere Produkte günstig anbieten, wenn ein Unternehmen einen Kredit nehme. Da das Geschäft mit den Großunternehmen vergleichsweise margenschwach sei, würden viele Banken verstärkt den Mittelstand angehen.

Besonders aggressiv treten auf dem deutschen Corporate Banking-Markt HSBC Trinkaus und BNP Paribas auf, die beide in den kommenden Jahren jeweils 500 Stellen schaffen wollen. Davon sind bei der BNP Paribas nach eigenen Angaben schon etwa 250 Leute an Bord und bei der HSBC Trinkaus waren Mitte Mai bereits 212 Arbeitsverträge unterzeichnet.

… aber der Druck auf die Margen wächst

Doch wenn die Zahlen des neuen „Corporate-Banking-Index“ der Strategieberatung Bain & Company zutreffen sollten, dann könnte es mit dem Boom auf dem Corporate-Banking-Arbeitsmarkt bald vorbei sein. Denn nach Bain & Company brach die Profitabilität des Sektors im zweiten Halbjahr gegenüber den ersten sechs Monaten 2013 um 27 Prozent ein, bei den Erträgen belief sich das Minus auf immerhin 4 Prozent.

Bain & Company-Ertragsindex: Welche Anteile Kredit- und Provisionsgeschäft an den Erträgen haben

Quelle: Bain & Company

Quelle: Bain & Company

Die plötzliche Schwäche geht laut Bain & Company auf das schwierige Kreditgeschäft zurück, das immer noch 74 Prozent der Erträge in die Kassen spült. Das gesamte Kreditvolumen verringerte sich im zweiten Halbjahr um 3 Prozent auf 980 Mrd. Euro, während die Risikovorsorge um 79 Prozent in die Höhe sprang.

Den Einbruch führt die Strategieberatung ausgerechnet auf die Expansionspläne der Banken zurück. „Da alle Bankengruppen in Deutschland im Firmenkundengeschäft deutlich wachsen und Marktanteile gewinnen wollen, müssen die Margen unter Druck geraten“, meint Bain & Company-Deutschland-Chef Walter Sinn. „Zudem werfen die europaweite Vereinheitlichung der Bankenaufsicht und der anstehende Stresstest offenkundig ihre Schatten voraus. Viele Institute haben ihr Kreditbuch noch einmal sorgfältig durchkämmt und entsprechend Vorsorge getroffen.“ Laut Bain & Company-Bankenexperten Jan-Alexander Huber sei es den Banken auch nicht gelungen, das Cross-Selling-Potenzial vollständig zu heben.

Quelle: Bain & Company

Quelle: Bain & Company

„Der Gewinneinbruch im Corporate Banking ist ein Alarmsigna“, betonte Huber. Falls dieser „Weckruf“ von den Banken erhört werden sollte, könnte es mit dem Boom auf dem Corporate Banking-Arbeitsmarkt bald zu Ende gehen.

Allerdings fand der Einbruch auf hohem Niveau statt. Denn nach den eigenen Daten von Bain & Company sank die Aufwands-Ertragsquote vom ersten zum zweiten Halbjahr 2013 gerade einmal von 39 auf immer noch respektable 42 Prozent. Das Corporate Banking in Deutschland musste für jeden Euro Ertrag also gerade einmal 42 Cent auf den Tisch legen. Die Eigenkapitalrendite verminderte sich von 18 auf 15 Prozent. Davon können andere Sparten nur träumen.

 

Quelle: Bain & Company

Quelle: Bain & Company

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